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Aus der CFP-Praxis
Wie man das Risiko bei der Geldanlage minimieren kann
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Aus der CFP-Praxis Wie man das Risiko bei der Geldanlage minimieren kann

Berater im Kundengespräch: Ein häufiges Ziel der Geldanlage ist es, etwas für die eigene Altersvorsorge zu tun.
Berater im Kundengespräch: Ein häufiges Ziel der Geldanlage ist es, etwas für die eigene Altersvorsorge zu tun. | Foto: Imago Images / Shotshop

Kurseinbrüche, Krieg und Inflation lösen bei vielen Anlegerinnen und Anlegern Sorge um ihr Erspartes aus. Ist der Platz unter dem Kopfkissen nicht doch am sichersten? Hier kann ich meine Kundinnen und Kunden beruhigen: Wer langfristig investieren möchte, hat viele Möglichkeiten, sein Geld durch eine breite Streuung und damit risikoarm zu vermehren.

Ein häufiges Ziel der Geldanlage ist, etwas für die eigene Altersvorsorge zu tun. So ist es auch bei meinem Kunden aus dem vorliegenden Fall: Er, 52 Jahre alt, und seine Ehefrau, 53 Jahre alt, sind kinderlos und leben gemeinsam in einer Mietwohnung. Mein Kunde – nennen wir ihn Herr Müller – möchte mit etwa 65 Jahren in Rente gehen.

 

 

Im Ruhestand sollen ihm und seiner Frau (inflationsbereinigt) 5.000 Euro netto pro Monat zur Verfügung stehen. Nach Steuern und Krankenversicherung belaufen sich die gesetzlichen Rentenansprüche des Paares auf 3.200 Euro pro Monat. Beide haben eine Riester-Rente abgeschlossen, was ihnen jeweils 400 Euro pro Monat einbringt. Zusätzlich gibt es noch eine Rentenversicherung (Schicht 3), die etwa 300 Euro pro Monat in die Kasse des Paares spülen wird. Dadurch besteht für die Wunschrente aktuell eine Lücke von etwa 1.100 Euro pro Monat.

Die berufliche und finanzielle Ausgangssituation

Herr Müller arbeitet in einem mittelständischen deutschen Unternehmen, welches vor einigen Jahren von einem großen US-Konzern übernommen wurde. Frau Müller ist zurzeit nicht berufstätig. Neben seinem Einkommen als Führungskraft erhält Herr Müller Unternehmensaktien mit Bindefrist. Das Aktienpaket hat sich sehr gut entwickelt und macht mit 400.000 Euro inzwischen einen großen Teil seines Gesamtvermögens aus. Im Beratungsgespräch äußert Herr Müller, dass er die Einzelaktien seines Arbeitgebers als Kapital für die Ruhestandsphase betrachtet. Diese Gelegenheit nutze ich, um mit ihm gemeinsam über die Chancen- und Risikoszenarien eines Einzelwertes zu sprechen:

Chance/Risiko

Nach Abwägung der Chancen und Risiken entscheidet sich Herr Müller dazu, die Aktien, bei denen die Bindefrist abgelaufen ist, zu veräußern. Das „neu“ zur Verfügung stehende Kapital möchte er nun breit gestreut und risikoärmer investieren, um sein zur Verfügung stehendes Kapital in der Rentenphase zu erhöhen. Zudem soll auch seine Frau, die eine deutliche kleinere Rentenanwartschaft hat, abgesichert werden.

Risikominimierung durch Diversifizierung

Die Möglichkeiten, Kapital zu investieren, sind vielfältig und bringen unterschiedliche Vor- und Nachteile mit sich. Monatliche Renten aus einer Rentenversicherung werden beispielsweise lebenslang gezahlt und sind mitunter staatlich gefördert, aber nicht besonders flexibel. Mieteinnahmen haben einen ähnlichen Nachteil, aber bringen eine Art Inflationsschutz mit sich und können vererbt werden. Kursgewinne und Dividenden dagegen können durch große Flexibilität überzeugen, aber unterliegen mitunter größeren Schwankungen.

Für die Umsetzung des Investitionsvorhabens stehen insgesamt 250.000 Euro zur Verfügung, die Herr Müller aus der Teilveräußerung seiner Aktien erhielt. Gemeinsam mit seiner Frau entscheidet er sich für die Aufteilung der freien Mittel auf die Bereiche Kursgewinne und Dividenden sowie Mieten. Erstens kauft er ein Pflegeapartment als Kapitalanlageimmobilie, um Mieterträge zu generieren. Hierfür werden sowohl 100.000 Euro Eigenkapital investiert als auch ein KfW 298-Darlehen für einen klimafreundlichen Neubau über 150.000 Euro aufgenommen. Zweitens tätigt er eine Zuzahlung in Höhe von 120.000 Euro in das gemeinsame Depot. Drittens investiert er 30.000 Euro in ein Beteiligungsportfolio mit erneuerbaren Energien.

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Depot-Zuzahlung

Schließen der Rentenlücke durch geschickte Umverteilung

Durch ihre finanzielle Neuaufstellung hat Familie Müller zwei wesentliche Ziele erreicht: Zum einen wurde das Anlagerisiko erheblich reduziert und zum anderen konnten die beiden ihre Rentenlücke weiter schließen. Der Kauf des Pflegeapartments sorgt für monatliche Mieteinnahmen in Höhe von etwa 500 Euro. Diese Immobilieninvestition lohnt sich zusätzlich in Anbetracht der Tatsache, dass sich durch die Abschreibung und Werbungskosten auch das zu versteuernde Einkommen verringert; in dem Zusammenhang sind auch die Finanzierungszinsen steuerlich absetzbar. Außerdem trägt die Immobilie zum Inflationsschutz bei – zum einen durch eine mögliche Wertsteigerung und zum anderen durch parallel steigende Mieteinnahmen. Zusätzlich besteht die Chance, dass sich die KfW-Kreditschulden durch die Inflation entwerten.

Durch die Zuzahlung in das Depot erhöht sich dessen Wert auf 270.000 Euro und sollte bis zum Ruhestand auf etwa 450.000 Euro anwachsen. Ein Auszahlplan aus dem Depot in Höhe von 600 Euro pro Monat ergänzt die monatliche Rente auf die gewünschte Höhe. Die Zuzahlung in das bestehende Depot, das aus Rentenfonds, vermögensverwaltenden Fonds und Aktienfonds besteht, verteilt das Risiko von einer einzigen Aktie auf viele Schultern und reduziert somit das Risiko eines Totalverlusts. Mit der Beteiligung an erneuerbaren Energien investiert Familie Müller zusätzlich in eine weitere Anlageklasse, die von den Kapitalmärkten weitestgehend unabhängig ist und zur weiteren Diversifizierung beiträgt.

Für alle Eventualitäten gewappnet

Neben dem langfristigen Vermögensaufbau ist es auch immer ratsam, für Unvorhergesehenes Reserven zu haben, über die schnell und einfach verfügt werden kann, ohne Verluste hinnehmen zu müssen. Im Fall von Familie Müller sind das die Sichteinlagen in Höhe von 50.000 Euro, die ihre gesamthafte Finanzplanung abrunden. So kann das Paar beruhigt dem Ruhestand entgegenblicken.

 


Thomas Roth
Thomas Roth
© MLP

Über den Autor:

Thomas Roth ist Certified Financial Planner und seit über 24 Jahren bei MLP als Berater tätig. Er berät Kundinnen und Kunden im Allgäu und darüber hinaus mit den Schwerpunkten Vermögensmanagement, Immobilieninvestments, Nachhaltige Geldanlage und Ruhestandsplanung.

Wir präsentieren kontinuierlich Beispiele aus der Beratungspraxis. Wir schauen dabei erfolgreichen CFP-Zertifikatsträgern bei MLP über die Schulter – unter anderem bei Beratungen zu Praxisgründungen, Ruhestandsplanungen, Depot-Analysen und Immobilienfinanzierungen. Tipps und Tricks inklusive.

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