Chainberry-Chef Karsten Müller Warum die Blockchain für dauerhaft niedrige Zinsen sorgt

Symbolische Bitcoin-Münze: Chainberry-Geschäftsführer sieht wegen der Blockchain die US-Notenbank in der Klemme | © Pexels

Symbolische Bitcoin-Münze: Chainberry-Geschäftsführer sieht wegen der Blockchain die US-Notenbank in der Klemme Foto: Pexels

Die Zinsentwicklung in den USA bereitet den Börsianern gehörige Kopfschmerzen. Ungewöhnlich deutlich hat Fed-Chairman Powell den Zinserhöhungspfad bis Ende 2019 vorgezeichnet. Ziel sei ein „neutrales Zins-Niveau“ und bis dahin sei es ein langer Weg. Gleichzeitig machten Powell und andere Vertreter der Fed jedoch klar, dass sie gar nicht so genau wissen, wo denn eigentlich ein neutrales Niveau liegen sollte. Die Spanne läge irgendwo im Bereich zwischen 2,5 und 3,5 Prozent. Verunsicherung machte sich breit. An der Wall Street spricht man bereits vom Verschwinden des „Fed-Puts“. Damit ist gemeint, dass die Fed in der Vergangenheit stets bereit war, an den Märkten einzugreifen. Sie war immer zur Stelle, wenn es galt, schlimmere Verwerfungen abzufedern.

Fed in der Klemme

Doch will die Fed tatsächlich ihre „Put-Rolle“ relativieren oder ist sie gar „verrückt geworden“, wie es der US-Präsident formulierte? Keineswegs! Die verbalen Attacken aus Washington nötigen die Fed jedoch, neue Argumente an die Hand zu bekommen. Powell braucht Argumente, die eine weniger restriktive Zinspolitik inhaltlich plausibel und in der Öffentlichkeit vertretbar machen. Argumente, die einen Gesichtsverlust vermeiden. Und diese Argumente wird die Fed in den nächsten Monaten bekommen.

So deutet einiges darauf hin, dass es beim G20-Treffen Ende November zu ersten Lösungen im Handelsstreit mit China kommt. Die Chinesen werden wohl ihre Öl-Einfuhren aus dem Iran Schritt für Schritt reduzieren. Das fehlende Iran-Öl soll durch Ölexporte aus den USA ersetzt werden. Dadurch würde das US-Handelsbilanzdefizit verringert – ohne Gesichtsverlust. Im Gegenzug können die Amerikaner ihre Einfuhrzölle gegenüber China wieder zurücknehmen.

Die Fed wird argumentieren, dass sinkende Zölle auch die Inflation nachhaltig drücken. Noch deutlich früher wird sich der stark rückläufige Ölpreis in den Inflationszahlen wiederfinden. Vom seinem Peak im Oktober hat Öl um etwa 25 Prozent nachgegeben. Dieser Rückgang wird sich bereits in den Inflationszahlen für November wiederfinden. Die US-Inflation könnte deutlich unter die Zielmarke von zwei Prozent fallen. Ein starkes Argument für Powell. Einiges spricht dafür, dass nach einer sehr wahrscheinlichen Zins-Erhöhung im Dezember die Fed eine weniger restriktive Gangart einlegen wird. Das wird auch dem Aktienmarkt helfen. Die aktuelle Korrektur sollte damit überwunden werden.

Doch mit etwas mehr Abstand betrachtet: Auch bei weiteren kleinen Zinsschritten der Fed läge das absolute Niveau noch immer auf einem historisch niedrigen Level. Die Frage ist: Wohin führt der Weg langfristig? Dazu müssen vor allem strukturelle Aspekte hinterfragt werden. Während in der Öffentlichkeit aktuell von einem überhitzten US-Arbeitsmarkt und den resultierenden Inflationsgefahren die Rede ist, werden innerhalb der US-Notenbank Stimmen lauter, welche die sogenannte „Labor Force Participation Rate“ in den Vordergrund rücken. So betonte die Präsidentin der „San Francisco-Fed“ Mary Daly jüngst, dass im Jahr 2000 rund 87 Prozent der Amerikaner dem Arbeitsmarkt grundsätzlich zur Verfügung gestanden hätten, während die aktuelle Quote bei gerade 62 Prozent läge. Es stünden also noch genügend potenzielle Arbeitskräfte an der Seitenlinie, Inflation über steigende Löhne ist also unwahrscheinlich.