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Nicht nur Kenias Kaffeekultur ist im Aufstieg begriffen: Weil Anleiherenditen aufgrund der globalen Notenbankpolitik niedrig bleiben, sind Schwellenlandanleihen derzeit vielversprechende Anlagen. | © Getty Images

Chancen und Risiken für Anleihen

Ausweg in die Schwellenländer

Peter Becker, Capital Group

Herr Becker, Staatsanleiherenditen entwickeln sich teilweise negativ. Wie schlimm ist es?

Peter Becker: Ende August 2019 waren 17 Billionen US-Dollar an ausstehenden Staats- und Unternehmensanleihen negativ verzinst. Das betrifft mehr als ein Viertel des gesamten Anleihenuniversums: Staaten und einige Unternehmen können sich jetzt Geld leihen und bekommen dafür noch Geld.

Wer solche Anleihen bis zur Fälligkeit hält, verliert Geld. Was sollten Investoren jetzt wissen?

Becker: Sie sollten einerseits hinterfragen, welche Perspektiven ihnen die sicheren Häfen – Staats- und Investment-Grade-Anleihen – überhaupt noch bieten. Andererseits sollten sie bei den risikoreicheren Hochzins- und Emerging-Markets-Anleihen die Ertragsperspektiven sowie den Konjunkturzyklus genau prüfen. 

Mit welchen Entwicklungen rechnen Sie denn im Hinblick auf den Konjunkturzyklus?

Becker: In den Industrieländern zeichnen sich rückläufige Gewinne und Kreditvergaben sowie eine Wachstumsverlangsamung ab. Einige der Emerging Markets wie Indien oder Brasilien hingegen befinden sich in einer konjunkturzyklischen Frühphase. Ob wir uns auf eine globale Rezession zubewegen, ist noch unklar.

Wie kann die Geldpolitik eine globale Rezession abfedern?

Becker: Es hängt davon ab, wie aggressiv die Zentralbanken gegen eine Rezession vorgehen. Seit Jahresbeginn 2019 haben wir eine Kehrtwende bei den Notenbanken gesehen, insbesondere bei der US-Zentralbank Federal Reserve (Fed) – und mittlerweile auch bei der Europäischen Zentralbank (EZB). Sind 2016/17 noch alle Volkswirtschaften gewachsen, hat sich das Wachstum im Euroraum und in Japan 2018 abgeschwächt. Unterdessen hat sich die US-Wirtschaft entkoppelt und legte weiter robust zu (siehe Grafik 1).

Grafik 1: Globale Konjunktur

Nachlassendes BIP-Wachstum (links) und geringer Inflationsdruck (rechts). Quellen: Thomson Reuters/IWF, Stand April 2019 (links). Bloomberg/PCE-Preisindex, Stand 30. Juni 2019 und 31. Mai 2019 (rechts).

2019 hat die Fed ihre geldpolitische Kehrtwende vollzogen …

Becker: Nachdem sich die US-Konjunkturdaten wieder abschwächen und auch der weltweite Inflationsdruck abnimmt, entfernen sich die USA im laufenden Jahr wieder vom Inflationsziel von 2 Prozent (siehe Grafik 1).

Was ist Ihnen bei der Analyse des US-Marktes noch aufgefallen?

Becker: Auf dem Arbeitsmarkt gibt es mehr offene Stellen als Arbeitssuchende. Daher sind die Arbeitskosten gestiegen, was auf die Unternehmensgewinne drückt. Die Zinsstrukturkurve weist typischerweise einen Renditeunterschied zwischen den zwei- und zehnjährigen Staatsanleihen auf. Dieser ist über die vergangenen zwei Jahre massiv gesunken und hat sich vor kurzem sogar temporär invertiert, als die zweijährigen über den zehnjährigen Renditen lagen.

Was bedeutet das mittelfristig für die US-Konjunkturentwicklung?

Becker: In den nächsten 16 bis 20 Monaten könnte eine Rezession bevorstehen. Die Unternehmensverschuldung rangiert mittlerweile auf einem historischen Höchststand. Nur das weltweit niedrige Zinsniveau federt die Verschuldung ab. Würde die Fed wie im vergangenen Jahr weiter an der Zinsschraube drehen, hätten die Unternehmen ab einem gewissen Zinsniveau Probleme, ihre Schulden zu bedienen.

Wie können die US-Unternehmen gegensteuern?

Becker: Sie sollten die Niedrigzinsphase nutzen. Je länger diese anhält, desto mehr systemische Risiken bauen sich auf. Würden die Zinskosten steigen, könnten die Unternehmen 2021/22 reihenweise fallen. Um dies zu verhindern, ist die Fed Ende Juli mit der ersten Zinssenkung nach der Finanzkrise zurückgerudert.

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