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Chancen und Risiken für Anleihen Ausweg in die Schwellenländer

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Wie werden sich die anderen Wirtschaftsregionen außerhalb der USA entwickeln?

Becker: Viele Regionen schwächeln, insbesondere die vom Export abhängigen Länder. In China lässt beispielsweise das Kreditwachstum nach. Damit fällt auch das Wirtschaftswachstum auf ein niedrigeres Niveau als bisher. Im Hinblick auf den Handelskonflikt mit den USA schlagen sich die Zölle auf Ex- und Importe nieder. Dies dürfte die Märkte in den nächsten Monaten wahrscheinlich bis zu den US-Wahlen im November 2020 bewegen.

Und in Europa?

Becker: In Europa lässt die wirtschaftliche Dynamik ebenfalls nach. Die Einkaufsmanager-Indizes (PMI), insbesondere im verarbeitenden Gewerbe, sind bereits stark in den rezessiven Bereich gesunken – unter die psychologisch wichtige 50-Punkt-Marke (siehe Grafik 2). Noch kann der expansive Dienstleistungssektor diese Entwicklung auffangen. So lange gerät die Konjunktur nicht unbedingt in eine Rezession. Anleger sollten daher den Bereich Dienstleistungen und auch das Konsumentenverhalten genau beobachten.

Grafik 2: Insgesamt schwächere Konjunktur in Europa

Rezessionsrisiken in Europa steigen, es wird jedoch nicht zwingend zu einer Rezession kommen: Stimmungsindikatoren (links) und PMIs (rechts). Quellen: Thomson Reuters Datastream und Einkaufsmanager-Index, Stand 30. Juni 2019.

Welchen Einfluss haben die Ankündigungen der EZB, die Zinsen weiter zu senken?

Becker: Die Inflationserwartungen sind im Euroraum zurückgegangen. Ähnlich wie die Fed in den USA hat auch die EZB ihre Ziele nicht erreicht und daher ein neues Ankaufsprogramm angekündigt. Außerdem hat sie die Zinsen für mehr Wachstum weiter gesenkt. Sollte die Geldpolitik nicht greifen, sind die Staaten an der Reihe: EZB-Chef Mario Draghi hat die Euroländer dazu aufgefordert, ihre Wirtschaft über Fiskalpolitik zu stimulieren.

Seit Ende 2018 kam es zu einer Rallye bei Aktien, internationalen Unternehmens- und High-Yield-Anleihen sowie bei Emerging-Market-Titeln. Wie ist die Lage momentan bei Anleihen?

Becker: Seit die Aktienmärkte stark gestiegen sind, haben sich auch die Bewertungen von Anleihen im Vergleich zu jenen der vergangenen 15 Jahre verteuert. Die Renditeaufschläge für Unternehmensanleihen liegen gemessen an diesem Zeitraum unterhalb des historischen Medians. Die Zinsvolatilität bleibt extrem niedrig – trotz eines leichten Anstiegs in den vergangenen Wochen. Zinssenkungen und Anleihenkäufe als geldpolitische Maßnahmen sollen die Volatilität möglichst niedrig und die Bewertungen hoch halten. Die Staatsanleihenrenditen sind seit der globalen Finanzkrise mit Ausnahme einiger kurzer Episoden kontinuierlich gefallen und dürften vorerst auch weiter niedrig bleiben.

Im zweiten Teil des Interviews lesen Sie, welchen Lösungen im breiten Anleihenuniversum Anleger jetzt den Vorzug geben sollten.

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