Mirko Kohlbrecher, Prokurist bei Spiekermann in Osnabrück

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Chancen und Risiken

Investieren à la Warren Buffett

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Lohnt es sich, die Investmentstrategie á la Warren Buffett abzubilden?

Diese Frage lässt sich mit einem klaren „Ja“ beantworten, das ein ebenso klares „Aber“ einschließt. Wenn man an Warren Buffet denkt, hat man wohl als erstes einen der erfolgreichsten Investoren aller Zeiten im Kopf. Buffet ist es gelungen, über Jahre beziehungsweise sogar Jahrzehnte den Markt zu schlagen und außergewöhnliche Renditen zu erzielen.

Genau dieses „Besser abschneiden als der Markt“ sollte aber auch immer langfristig das Ziel eines erfolgreichen Investors sein. Dieses Ziel nachhaltig zu erreichen ist aber mit einem enormen „Training“ verbunden, daher das „Aber“ in der Beantwortung der Frage.

Um ein erfolgreicher Investor á la Buffet zu werden braucht man entweder Glück oder überlegenes Wissen. Sich auf Glück zu verlassen, kann man wohl kaum als Plan bezeichnen, daher sollte man besser auf Wissen setzen. Doch eines sollte man sich vorab vor Augen führen.

Millionen von Menschen konkurrieren um jeden verfügbaren Euro oder Dollar, den man beim Investieren verdienen kann. Allein in der Finanzmetropole London arbeiten rund 1 Millionen Menschen in der Finanzbranche, viele davon auch im Investmentbanking bei Banken oder Hedgefonds.

In einigen Branchen braucht man, um an die Spitze zu gelangen, eine bessere Ausbildung, mehr Zeit in der Bibliothek, bessere Nerven oder eine bessere Ausrüstung. Doch beim Investieren zählen solche Dinge weniger: es erfordert ein von der Wahrnehmung geprägtes Denken, quasi ein Denken auf einer anderen Ebene.

Die Chancen und Risiken des Investierens


Wer den Prozess des Investierens für einfach hält, ist sich der Notwendigkeit des Denkens auf einer anderen, vom Konsens abweichenden Ebene, in der Regel nicht bewusst. Daher verfallen viele Anleger dem Irrtum, jeder könne ein erfolgreicher Investor sein. Viele Anleger suchen einfache Formeln und einfache Antworten.

Sich mit den Chancen des Investierens auseinanderzusetzen heißt aber auch gleichzeitig, sich mit den Risiken zu befassen. In der aktuellen Marktphase können einige Anleger davon ein Lied singen. Beispielhaft steht hierfür der Nasdaq Internet Index in den USA, der zwischen März und Mai 2014 eine 20-prozentige Korrektur durchlebte.

Insbesondere kleiner kapitalisierte Internet-Unternehmen verloren stark. So verlor etwa die Cloud-Aktie Salesforce gegenüber ihrem Hoch über 40 Prozent, im Bereich Social Media stach Twitter mit einem Kursminus von 55 Prozent heraus.

Aber auch „Modeaktien“ wie 3D-Systems, der weltweit führende Hersteller von 3D-Druckern, verloren vom Hoch rund 50 Prozent. 3D Systems ist eine typische Glamour- und Modeaktie, deren Kurs von Phantasie, Utopie und Hoffnung getrieben ist.

Das KGV lag in der Spitze bei astronomischen 130. Vereinfacht ausgedrückt haben die Anleger, die diese Aktie gekauft haben, erwartet, dass das Unternehmen den Gewinn von Jahr zu Jahr um 130 Prozent wird steigern können.

Operativ überzeugt das Unternehmen und dessen Management ebenso wenig. Das Vermögen von 3D wächst wesentlich schneller als der Umsatz. Das bedeutet, dass die Effizienz des Unternehmens abnimmt.

Diese Beispiele sollen zeigen, dass eine zutreffende Einschätzung des Wertes eines Unternehmens der unverzichtbare Ausgangspunkt einer Valuestrategie ist. Was macht ein Unternehmen wertvoll? Finanzielle Ressourcen, Management, Fabriken, Handelsniederlassungen, Patente, Mitarbeiter, Markennamen, Wachstumspotential und vor allem die Fähigkeit Gewinn und Cashflow zu erzielen.

Allerdings betrachten viele Value-Investoren das künftige Wachstum eines Unternehmens stets recht kritisch, was die defensive Grundausrichtung der Strategie prägt.

Fazit: Wer sich an Warren Buffet herantraut, sollte wissen, dass der langfristige Erfolg quasi die Antithese zur Einfachheit ist. Es erfordert zum Teil dem Konsens widersprechende Prognosen, die schwierig zu erstellen sind und zudem noch überwiegend richtig sein müssen.

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