Birgitte Olsen von Bellevue Asset Management

Birgitte Olsen von Bellevue Asset Management

Charakterköpfe: Birgitte Olsen

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„Ich habe kurz überlegt, eine Kunstgalerie aufzumachen“, erzählt Birgitte Olsen von Bellevue Asset Management. „Das war allerdings recht ernüchternd.“ Man brauche viel Kapital. „Und am besten war der Papa auch schon Galerist, oder man ist eine Frau von“, so die Fondsmanagerin. „Da habe ich mein Hobby doch lieber nicht zum Beruf gemacht.“ Stattdessen geht sie 2008 wieder dahin, wo 1994 alles anfing: in die Schweiz und zu Bellevue.

Doch von vorn. Während ihres Finanzstudiums an der Universität St. Gallen macht Olsen 1990 ein Praktikum in der Aktienanalyse des Londoner Brokers Fox-Pitt, Kelton. Olsen ist beeindruckt – nicht nur vom analytischen Handwerk, auch von den Insider-Händlern, die in Handschellen abgeführt werden und „von dem ganzen Ambiente in der City, das war so euphorisierend“, erzählt sie.

Frauen sind damals noch die Ausnahme in den Banken. Und es gilt ein klarer Dresscode: „Ich hatte immer Hosen und Männerhemden an. Da hat mich eine Assistentin darauf hingewiesen, dass ich doch besser Röcke anziehen sollte.“

Nach ihrem Studium bewirbt sie sich 1994 als Aktienanalystin bei der Bank am Bellevue in Zürich. Olsen: „Ich kam, als gerade das Research der Woche verschickt wurde. Alle Mitarbeiter haben Briefe eingetütet und Briefmarken geklebt – vom Verwaltungsrat bis zur Sekretärin.“ Jeder hat mit angepackt. „Das hat mir gut gefallen.“ Bellevue stellt sie ein, um Schweizer Aktien zu analysieren. Nach drei Jahren will sie mehr. Olsen wechselt ins Portfoliomanagement – und die Firma.

Von 1997 an arbeitet sie bei Vontobel Asset Management als Co-Managerin von Europa-Aktienfonds mit Schwerpunkt Deutschland und Skandinavien. „Seit damals weiß ich, dass ich lieber Herr meines eigenen Portfolios bin.“

Als ihr damaliger Mann 1998 ein Angebot in Köln bekommt, geht sie mit und wechselt zu AMB Generali Asset Managers. Dort ist sie für den Konsumsektor zuständig, managt europäische Aktienfonds. 2002 wird sie stellvertretende Leiterin des Teams, entwickelt Themenfonds. Dann verlagert AMB Generali das aktive Aktienmanagement nach Paris – ohne Olsen.

Sie geht 2007 zurück in die Schweiz, zu GVO Asset Management, dem neu gegründeten institutionellen Vermögensverwalter von Georg von Opel (GVO). „In der Finanzkrise wurde das Projekt aber ausgebremst“, so Olsen. Traurig ist sie darüber nicht, denn sie fühlt sich eingeengt.

Der Anruf ihres ehemaligen Bellevue-Chefs Martin Bisang kommt da wie gerufen. Der Manager des Schweizer Entrepreneur-Fonds ist gegangen, Olsen übernimmt den Posten 2008 und legt 2009 das europäische Pendant auf. Zurück auf Anfang.  

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Der BB Entrepreneur Europe (WKN: A0R PSJ) investiert in eigentümergeführte Firmen. Seit Auflegung im April 2009 liegt er satte 13 Prozentpunkte vor dem MSCI Europa

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