Thomas Müller wirbt im Fernsehen für vier Prozent Zinsen. Vier Monate lang, bis zu einer Million Euro, angeboten von Chase. Kurz darauf legte Revolut nach: 4,25 Prozent, allerdings nur bis 25.000 Euro. Die BBVA verzinst gleich das Girokonto mit 3,5 Prozent.
Das Problem an diesen Zahlen: Die Europäische Zentralbank zahlt Banken für geparktes Geld derzeit 2,25 Prozent. Wer vier Prozent bietet, macht erst mal Verlust. Rund 80 Banken tun das in Deutschland gerade freiwillig, hat Peter Barkow gezählt. Sein Unternehmen Barkow Consulting durchkämmt den Markt nach Zinsaktionen, Werbedruck und Suchanfragen und verdichtet daraus Thesen. „Der Markt ist schon extrem verrückt zurzeit“, sagt er.
Seine Erklärung: Die hohen Zinsen sind keine Fehlkalkulation, sondern eher eine Position im Marketingbudget. Wachstumskosten, quasi. Wer in Deutschland heute Marktanteile will, hat kaum eine Alternative. Die Zeit, in der man Kunden mit der besseren App gewann, ist vorbei. „Über User Experience wird man kaum noch jemanden gewinnen können“, sagt Barkow. Chase, Revolut und BBVA haben die Neobanken-Welle verpasst. Nun bleiben die Zinsen.
Dass die Strategie zieht, zeigen die Zahlen des ersten Halbjahres. Bei den kleinen Privatbanken stiegen die Privatkundeneinlagen um 5,59 Prozent – wobei zu dieser Gruppe in der deutschen Statistik auch Chase gehört, laut Barkow immerhin die größte Bankengruppe der Welt. Die großen Privatbanken verloren 2,3 Prozent. Die Sparkassen kamen auf ein Plus von 0,09 Prozent, die Volksbanken auf ein Minus von 0,4.
Sehenswert war die Reaktion der Etablierten. Als Chase mit vier Prozent startete, standen deutsche Banken zwei, drei Tage später mit demselben Zins in den Vergleichsportalen. Dauerhaft war das nicht, inzwischen sind viele wieder raus.
Denn teuer eingekaufte Einlagen sind flüchtig. Liegt der Anschlusszins deutlich unter dem Aktionszins, fließt nach Barkows Beobachtung mehr als die Hälfte des Geldes wieder ab. Die Branche nennt diese Kundschaft Zins-Hopper. Barkow findet das despektierlich und spricht lieber von Zinsoptimierern.
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Doch es gibt auch die andere Seite: Mehr als 80 Prozent der deutschen Banken machen bei der Zinsschlacht überhaupt nicht mit. Sie verlassen sich auf Kunden, die bleiben. Und Treue korreliert mit dem Alter, so Barkow: „Die sind halt einfach da, bis sie nicht mehr da sind“, sagt Barkow über dieses Klientel. Kurzfristig ist das die profitabelste Strategie. Nur erkauft man sich den Ertrag von heute mit weniger Wachstum morgen.
Bleibt die Frage, wie lange das trägt und ob der Wettbewerb beim Tagesgeld stehen bleibt. Beim Girokonto und bei den Neobrokern sieht Barkow ihn längst. Und er hat eine klare Vorstellung davon, welche Banken am Ende gewinnen. Wie genau das funktioniert, wer im Einlagenmarkt gerade um die Meisterschaft spielt und wer schon im Abstiegskampf steckt, darüber spricht Peter Barkow im Podcast „For Professional Investors Only“.

