Was ist ChatGPT?
ChatGPT ist eine fortgeschrittene Form eines Chatbots, der sich mithilfe künstlicher Intelligenz (KI) mit Menschen in natürlicher Sprache unterhalten kann. GPT steht für Generative Pre-Trained Transformer. Entwickelt wurde ChatGPT von OpenAI, einem auf KI spezialisierten US-amerikanischen Unternehmen. Der Chatbot nutzt einen Transformator-Algorithmus, der auf einem neuronalen Netz basiert, also einem Computerprogramm, das die Funktionsweise des menschlichen Gehirns imitiert. ChatGPT wurde mit einer riesigen Datenmenge aus dem Internet trainiert, darunter Bücher, Wikipedia-Beiträge, Artikel und andere Texte mit insgesamt rund 300 Milliarden Wörtern. Dieses Wissen nutzt das KI-Tool, um vorherzusagen, welches das nächste Wort eines Satzes sein sollte. ChatGPT lernt kontinuierlich dazu. Je mehr Text es verarbeitet, desto besser kann es die nachfolgenden Wörter voraussagen und so immer realistischere Ergebnisse erzeugen.
Zwar ist OpenAI nicht an der Börse notiert. Trotzdem haben Anleger das transformative Potenzial der künstlichen Intelligenz erkannt: Während der NYSE FactSet Global Robotics and Artificial Intelligence Index in den ersten elf Monaten von 2022 hinter dem S&P 500 Index zurückblieb, hat er seit der Veröffentlichung von ChatGPT am 30. November einen Sprung um 17,3 Prozent nach oben gemacht und das wichtigste US-Börsenbarometer, den S&P 500, um 14,2 Prozent hinter sich gelassen (Morningstar, Renditen vom 30. November 2022 bis 27. Januar 2023).
Wie sich ChaptGPT und KI auf die Wirtschaft auswirken
Schon seit rund 20 Jahren investieren Unternehmen zunehmend in KI und setzen sie verstärkt in ihren Prozessen ein. Trotzdem können disruptive Innovationen wie ChatGPT ganze Branchen auf den Kopf stellen und damit spannende Möglichkeiten für Anleger schaffen. Schätzungen der International Data Corporation zufolge könnte sich der globale KI-Markt zwischen 2022 und 2026 auf rund 900 Milliarden US-Dollar verdoppeln.
Grafik 1: Erwähnungen des Begriffs „Artificial Intelligence“ in Veröffentlichungen von S&P-500-Unternehmen
Die Grafik veranschaulicht den Anstieg der Erwähnungen des Begriffs „Artificial Intelligence“ in den Jahren 2000 bis 2022. Quelle: FactSet, Zugriff am 27. Januar 2023. Analysiert wurden Äußerungen von Unternehmen im S&P 500 Index anlässlich der Bekanntgabe ihrer Geschäftszahlen und bei Präsentationen anlässlich von Investorentagen.
Das Balkendiagramm veranschaulicht, wie häufig der Begriff „Artificial Intelligence“ zwischen 2000 und 2022 in Transkripten von S&P 500-Unternehmen erwähnt wurde.
Noch steckt die generative KI in den Kinderschuhen. Ihr revolutionäres Potenzial zeichnet sich aus unserer Sicht aber schon heute vor allem in zwei Bereichen ab:
- Internetsuche: Suchmaschinen sind seit den 1990er-Jahren die meistgenutzte Form der Informationsbeschaffung. Generative KI könnte dieses Geschäftsmodell nun grundlegend infrage stellen. Aktuell basiert es auf digitaler Werbung, bei der Unternehmen ihre Angebote so platzieren können, dass diese den Nutzern bei bestimmten Suchabfragen bevorzugt angezeigt werden (etwa eine Frage wie: „Was sollte ich bei meinem Urlaub in Barcelona unbedingt besuchen?“). Digitale Werbung ist ein 681 Milliarden US-Dollar schwerer Markt.6 Hier könnten disruptive Veränderungen anstehen, wenn Nutzer nicht mehr auf gesponserte Links von Suchmaschinen angewiesen sind, sondern sich Informationen über Chatbots wie ChatGPT direkt beschaffen können.
- Dienstleistungen: Generative KI kann eine Vielzahl von Aufgaben übernehmen, die derzeit von Menschen erledigt werden. Beispiele sind die Entwicklung komplexer Programmcodes, die Transkription von Sprache, aber auch Übersetzungen und sogar Vorschläge, welche Garderobe am besten zu einem bestimmten Anlass passt. Von den Umwälzungen besonders betroffen sind die Branchen Technologie, Bildung und Einzelhandel. Aber auch andere Bereiche wie das Gesundheitswesen dürften durch den Einsatz generativer KI einen Wandel erfahren (vorbei die Zeit, in der man Tage auf den Rückruf eines Arztes und das Ergebnis einer MRT-Untersuchung warten musste!). Unlängst gab das US-Medienunternehmen Buzzfeed bekannt, dass es plant, ChatGPT einzusetzen, um Quizfragen entwerfen und Artikel schreiben zu lassen.7 In den USA sind nach wie vor rund vier Millionen Jobs unbesetzt,8 und auch künftig droht angesichts einer weltweit alternden Bevölkerung Arbeitskräftemangel. Insofern könnten Unternehmen von den neuen Möglichkeiten profitieren, wenn sie mithilfe von KI Tools entwickeln, mit denen sich Produktivität und Effizienz steigern lassen.
Welche Auswirkungen könnte ChatGPT für Anleger haben?
Auf die Frage „Welche Auswirkungen könnte ChatGPT für Anleger haben?“ antwortete der Chatbot (Version 3.5):
„Als KI-basierte Chat-Plattform hat ChatGPT das Potenzial, Anleger auf verschiedene Weise zu beeinflussen:
- Informationszugang: ChatGPT kann Anlegern den Zugang zu Echtzeitinformationen und -analysen erleichtern, die für ihre Anlageentscheidungen von entscheidender Bedeutung sind. Dies kann dazu beitragen, dass Anleger fundiertere Entscheidungen treffen und ihr Portfolio besser verwalten können.
- Automatisierte Anlageberatung: ChatGPT kann auch als automatisierte Anlageberatung dienen, indem es Anlegern Empfehlungen basierend auf ihren Anlagezielen und -präferenzen gibt. Dies kann dazu beitragen, dass Anleger ihre Anlagestrategie optimieren und ihr Portfolio diversifizieren.
- Risikomanagement: ChatGPT kann Anlegern auch dabei helfen, Risiken besser zu managen, indem es sie über potenzielle Risiken und Chancen informiert und ihnen dabei hilft, ihre Anlageentscheidungen entsprechend anzupassen.
- Vertrauen: ChatGPT kann auch dazu beitragen, das Vertrauen der Anleger in den Markt zu stärken, indem es ihnen eine zuverlässige und transparente Informationsquelle bietet. Dies kann dazu beitragen, dass Anleger langfristig in den Markt investieren und ihr Portfolio besser verwalten.“
Und wie könnte es weitergehen mit generativer KI und anderen KI-Innovationen?
ChatGPT ist nicht der einzige KI-Assistent, der momentan für Schlagzeilen sorgt. Ein weiterer ist DALL-E, ein Programm, das gemäß den Vorgaben seiner Nutzer digitale Bilder erstellt. So hat es zum Beispiel auf unsere Aufforderung hin: „Male uns ein Bild von deinem Lieblings-Zukunftsforscher und -Erfinder“ die hier abgebildete Illustration ausgeworfen.
Grafik 2: KI-generiertes Bild von Albert Einstein und Thomas Edison
Das Porträt, das DALL-E auf unsere Angaben hin erzeugt hat, lässt sich unserer Ansicht nach als Mischung zwischen Albert Einstein und Thomas Edison interpretieren.
Technologien wie DALL-E haben erhebliche Auswirkungen auf kreative Bereiche wie Kunst und Unterhaltung, von denen man bisher glaubte, sie wären von den Umwälzungen der KI nicht betroffen.
Character.AI ist eine weitere generative KI-Anwendung, die es uns ermöglicht, mit einem digitalen Charakter einer lebenden oder toten, realen oder imaginären Person zu chatten. Immer schneller tauchen neue KI-Anwendungen auf, was die rasante Entwicklung in diesem Bereich verdeutlicht.
Letztlich ist das Ziel der KI-Forscher, eine multimodale künstliche Intelligenz zu entwickeln. Das heißt eine Anwendung, die mithilfe von Texten lernen und kommunizieren (wie ChatGPT), aber auch Bilder erzeugen kann (wie DALL-E) und außerdem in der Lage ist, audio-, zeitbasierte und räumliche Daten zu verstehen sowie daraus zu lernen. Durch die Kombination aller dieser „Arten von Intelligenz“ könnte die KI ihren Nutzen exponentiell steigern und wesentlich vielseitiger werden.
Wie Sie in das KI-Thema investieren können
Anleger, die sich für das Thema KI interessieren, können ETFs in Betracht ziehen, die in ihren Portfolios Unternehmen aus der gesamten KI-Wertschöpfungskette halten und neben den Entwicklern der KI auch in deren Wegbereiter investieren.
KI-Entwickler: Unternehmen, die verschiedene Formen künstlicher Intelligenz wie generative KI sowie Programme zur Verarbeitung menschlicher Sprache, zur Mustererkennung oder für prädiktive Analysen entwickeln.
KI-Wegbereiter: Unternehmen, die Technologien wie Cloud-Dienste oder KI-fähige Chips herstellen und so die Weiterentwicklung von KI ermöglichen.
Fazit
66 Jahre nach Erfindung der künstlichen Intelligenz auf einem Workshop im südenglischen Dartmouth im Jahr 1956 ist ChatGPT vermutlich das beeindruckendste Tool, das diese Technologie bislang hervorgebracht hat. Aber es werden immer neue Anwendungsmöglichkeiten entwickelt. Daher gehen wir davon aus, dass Chatbots und andere Formen der KI auch künftig weite Teile der Wirtschaft nachhaltig verändern könnten. Anleger, die in KI investieren möchten, können dies mithilfe von ETFs tun, die entlang der gesamten Wertschöpfungskette in die Wegbereiter und Entwickler dieser umwälzenden Technologie anlegen.
Mehr zu AI und den Aussichten für den globalen Technologiesektor finden Sie im Halbjahresausblick von BlackRock.