Frank Hagenstein

Frank Hagenstein

Chef-Anlagestratege von Deka Investment

„Die Risikokurve nach oben laufen“

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DAS INVESTMENT.com: Herr Hagenstein, kann man 2015 an den Rentenmärkten noch was verdienen?

Frank Hagenstein: Je nachdem, wo Sie suchen. Im Bereich Investmentgrade, also bei Anleihen bester Bonität beispielweise, sind die Renditen auf Tiefstständen. Und auch die Spreads gering. Raum für fallende Spreads und damit steigende Kurse gibt es kaum noch. Die Attraktivität hat stark abgenommen.

Also raus aus Investmentgrade?

Die Rentenmärkte sind inzwischen Spreadmärkte. Mittelfristig attraktiver sind Anleihen mit einem niedrigeren Rating von B oder BB. Grundsätzlich alles, was unter Investmentgrade liegt.

Und damit ein höheres Risiko hat.

Ja, ich muss auf jeden Fall die Risikokurve nach oben laufen. Für Hochzinsanleihen gibt es im Schnitt aber wenigstens noch 3,5 Prozent Rendite. Das ist durchaus attraktiv, wenn man bedenkt, dass Anleger am kurzen Ende bis hin zu 5-jährigen Bundesanleihen nur noch null Prozent bekommen. Hier ist die Selektion der Schuldner und das richtige Timing aber besonders wichtig

Rechnen Sie 2015 mit steigenden Zinsen?

Schon im vergangenen Jahr haben die meisten Investoren damit gerechnet, dass die Renditen steigen – auch wir, weil wir mit einer stärkeren konjunkturellen Erholung in Europa gerechnet haben. Passiert ist das nicht, disinflationäre Tendenzen und die Reaktion der Notenbank sorgten für das Gegenteil. Ich sehe auch 2015 keinen Zinsschock

Ist die Dividendenrendite von Aktien eine Alternative zu den mager verzinsten Anleihen?

Ja, durchaus. Große europäische Unternehmen haben im Schnitt eine Dividendenrendite von 3,7 Prozent. Das lohnt sich.

Dafür schwanken die Kurse auch gerne mal.

Klar, das gehört dazu. Streuung ist in einem Niedrigzinsumfeld wie diesem wichtiger denn je, weil es keinen Puffer mehr gibt. Es ist vor allem auch wichtig, regional und sektoral zu streuen.

Welche Regionen sind 2015 attraktiv?

Die Entwicklungen in den USA und Europa verlaufen diametral. Die EZB kommt jetzt gerade erst im Quantitative Easing an und will verstärkt Anleihen kaufen. Die US-Notenbank zieht sich indes langsam zurück und sollte die Zinsen erhöhen. Die Wirtschaftsdaten sind in den USA zudem besser, die Unternehmensgewinne steigen. In Europa laufen sie eher seitwärts.

Also lieber USA als Europa?

Nein, das kann man so pauschal nicht sagen. Nur weil 99 Prozent der Investoren sagen, dass die Kurse fallen werden, muss der Markt nicht fallen. Es kommt auf die Geldflüsse an. Hierzulande haben Aktienfonds Abflüsse. Das wird sich früher oder später ändern, weil es einfach kaum eine Alternative gibt. Europa ist attraktiver als noch vor ein paar Monaten, vor allem dort, wo es attraktive Dividendenrenditen gibt. Exportwerte etwa sind zyklisch. Sie profitieren vom schwachen Euro, aber leiden unter der schwachen Wirtschaft.

Keine Angst vor weiteren Kursstürzen?

Doch, die gehören dazu. Darum bin ich auch ein großer Freund von Sparplänen.

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