Norbert Hagen (Gastautor)Lesedauer: 3 Minuten

Vorstand der ICM Investmentbank „Die Zeiten billigen Öls sind vorbei“

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Das Land produziert rund 3,5 Millionen Barrel pro Tag, also gut 3,5 Prozent des derzeitigen weltweiten Angebots. Wenn die Ausweitung der Produktion um eine Million Fass oder ein Prozent der weltweiten Fördermenge zu einem Preisrutsch von rund zwölf Prozent geführt hat, kann man sich ausmalen, was umgekehrt ein Teilausfall der iranischen Produktion bedeuten würde. Marktteilnehmer rechnen hier mit einer Größenordnung von einer Million Barrel pro Tag. Trump will am liebsten die iranischen Ölexporte vollständig unterbinden. Für diesen Fall drohte der Iran mit einer Schließung der Straße von Hormuz.

Gefährliche Meerenge

Eine Blockade dieses Seeweges hätte dramatische Folgen. Sie würde Saudi-Arabien und den Vereinigten Emiraten ihren wichtigsten Tarnsportweg verschließen. Rund 20 Prozent der weltweiten Ölproduktion könnte nicht mehr verschifft werden. Nach Berechnungen der Internationalen Energie Agentur (IEA) würde eine nur zehntägige Blockade ungefähr einen dreimal so großen Angebotsausfall bewirken wie die iranische Revolution 1979. Experten meinen, der Ölpreis würde dann um rund 25 Dollar pro Fass steigen. Bei einer 100-tägigen Blockade wären sogar Preise im Bereich von 1.000 Dollar pro Barrel denkbar. Das würde unweigerlich zu einer weltweiten Rezession führen. Die Gefahr ist nicht völlig unrealistisch. Denn auch für den militärisch limitierten Iran scheint es durchaus möglich zu sein, die Meerenge zu schließen.

Ob es tatsächlich so weit kommt, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt kaum sagen. Sehr wahrscheinlich ist jedoch, dass aufgrund der zunehmenden geopolitischen Risiken die Volatilität des Ölpreises zunehmen dürfte.

Im Konflikt zwischen den USA und dem Iran sind die fundamentalen Fakten zuletzt in den Hintergrund getreten. Diese sprechen jedoch ebenfalls für einen – zumindest etwas – höheren Ölpreis. Denn die Nachfrage nach Öl steigt derzeit stärker als das Angebot. Schon im laufenden Quartal wird der Verbrauch erstmals auf mehr als 100 Millionen Barrel pro Tag steigen. Ab dem dritten Quartal 2019 dürfte es dann Nachfrageüberhänge geben. Die Zeiten billigen Öls sind wohl erst einmal vorbei.

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