LinkedIn DAS INVESTMENT
Suche
in AnalysenLesedauer: 3 Minuten

Chef von Quant IP Die eigentliche Frage im Fall Wirecard

Seite 2 / 2

Der Konkurrent Square publizierte allein in den vergangen drei Jahren knapp 40 Patente, um Software und Hardwarelösungen zu schützen. Und Wirecard? Die Aschheimer sicherten ihre gesamte Technologie mit gerade einem Patent.

Technologiefirma ohne Technologie

Natürlich kann man von dieser Tatsache allein noch nicht auf einen Betrugsfall schließen. Aber wenn ein Unternehmen sich in einem technologisch dynamischen Umfeld auf Wachstumspfad befindet und sich selbst als Technologieunternehmen bezeichnet, sollte das Verhältnis von 25 Milliarden Euro Marktkapitalisierung zu einem einzigen Patent hinterfragt werden: Warum kann Wirecard seine Technologie nicht schützen? Welchen anderen Schutz seiner IP (intellectual property – geistiges Eigentum)  errichtet das Management? Falls IP und Technologie vom Management nicht als wichtig eingeschätzt werden – was ist dann ein strategischer Vorteil gegenüber Visa, Mastercard und Co?

Diese Fragen zum Kern jeder Investmentidee, zum Kern der Wertschöpfung des Unternehmens, muss jeder Analyst, jeder Investor eigentlich stellen, insbesondere wenn das Geschäftsmodell komplex ist. Und gerade, wenn die Finanzkennzahlen schwer zu interpretieren sind, sollte man als Anleger Bestätigung von alternativen Informationsquellen einholen – und bei deren Ausbleiben umso vorsichtiger sein. Vielleicht wird ein Blick in die Patentdatenbanken ja irgendwann Standard bei der Beurteilung von selbsternannten Technologieunternehmen.


Über den Autor:
Lucas von Reuss ist geschäftsführender Gesellschafter des Analyse- und Beratungsunternehmens Quant IP aus München.

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

Danke für Ihre Bewertung
Leser bewerteten diesen Artikel durchschnittlich mit 0 Sternen
Tipps der Redaktion