Chefökonomin von Edmond de Rothschild Chinas Konjunkturprogramm stabilisiert weltweites Wachstum

Mathilde Lemoine, Chefökonomin der Edmond de Rothschild Gruppe: „Die institutionellen Veränderungen sowie der von den Amerikanern geführte Handelskrieg werden einen starken Einfluss auf die wirtschaftlichen Aktivitäten und die Investitionen in der Eurozone haben.“ | © Edmond de Rothschild

Mathilde Lemoine, Chefökonomin der Edmond de Rothschild Gruppe: „Die institutionellen Veränderungen sowie der von den Amerikanern geführte Handelskrieg werden einen starken Einfluss auf die wirtschaftlichen Aktivitäten und die Investitionen in der Eurozone haben.“ Foto: Edmond de Rothschild

Die USA sind im Zentrum des Weltwirtschaftswachstums und bestimmen die weltweite Wirtschaftsagenda. Abgesehen von seinem Ziel das Binnenwachstum zu steigern, kann es sich der chinesische Präsident nicht erlauben, eine globale Führungsrolle an die USA abzutreten. Daher wird das bereits von Xi Jinping initiierte Konjunkturprogramm wohl ausgebaut werden. Die asiatische Quelle für das Weltwirtschaftswachstum würde die negativen Auswirkungen der anhaltenden Ungewissheit eindämmen. Auslöser dieser Ungewissheit sind die Bedingungen für den Austritt von Grossbritannien aus der Europäischen Gemeinschaft, das Risiko eines Anstiegs zusätzlicher, von den europafeindlichen Parteien gewonnenen Sitzen bei der Europawahl am 26. Mai 2019, die Spannungen zwischen Italien, Deutschland und Frankreich sowie der Beginn neuer Handelsgespräche zwischen den USA einerseits, sowie der Europäischen Gemeinschaft und Grossbritannien andererseits.

Wenn China, wovon wir ausgehen, sein Konjunkturprogramm ausbauen wird, könnte sich sein Wachstum im ersten Halbjahr 2019 leicht auf 6,7 Prozent beschleunigen. Das amerikanische Wachstum, durch das Ende der Auswirkungen des Konjunkturprogramms geschwächt, würde dank der Dynamik des Privatverbrauchs 2,7 Prozent erreichen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Eurozone würde 2019 um 1,5 Prozent und 2020 um 1,4 Prozent zunehmen.

USA im Zentrum des Weltwirtschaftswachstums

Die Steuerreform könnte nicht nur strukturelle, sondern auch konjunkturelle Auswirkungen auf die Wirtschaftsaktivitäten in den USA haben. Zu dieser Überzeugung haben unsere Analyseergebnisse geführt. Erste Zahlen belegen, dass dies im ersten Halbjahr 2019 zutrifft, da die Produktionskapazitäten zugenommen haben. Außerdem sind neue Arbeitskräfte auf den Arbeitsmarkt gekommen, was den Lohnanstieg eingedämmt hat.

Das Wachstum könnte daher 2019, unterstützt durch den Privatverbrauch und die anhaltenden Auswirkungen der Steuerreform auf die Wettbewerbsfähigkeit der amerikanischen Unternehmen, noch sehr dynamisch sein. Daher sehen wir, nach 2,9 Prozent in 2018, für 2019 ein Wachstum von 2,7 Prozent und keine Rezession für 2020.

Eurozone: destabilisierende institutionelle Vakanzen

Nach einem Aufholphänomen fehlt es der Eurozone an Wachstumspotenzialen. Ausserdem wird 2019 ein Jahr der institutionellen Veränderungen sein, was die Unsicherheit noch steigern wird. Insbesondere die Aussicht auf eine Zunahme von Vertretern antieuropäischer Parteien in den europäischen Instanzen und einem Vorsitzenden der Zentralbank, der weniger forsch bei der Durchführung unkonventioneller Maßnahmen vorgeht, wird die Prämie für das politische Risiko in der Eurozone anheben und die Volatilität der Aktienmärkte zunehmen. Unsere Ergebnisse bei er Analyse der Handelsströme und den Spezifitäten der europäischen Handelspolitik belegen zudem, dass die Staaten der Eurozone im Handelskrieg zwischen den USA und China die großen Verlierer sein könnten.

Ziel der Amerikaner ist es, Marktanteile ihrer Handelspartner zu übernehmen. Nach der Anhebung der Zölle haben die USA bilaterale Verhandlungen mit der Europäischen Gemeinschaft begonnen. Sie möchten die Europäer durch die Drohung, die Zölle für Automobilimporte in die USA anzuheben, dazu bringen, die landwirtschaftlichen Importe zu stärken. Gleichzeitig ist China auf der Suche nach neuen Märkten, um die negativen Auswirkungen der Zollanhebung auf die Ausfuhrvolumen einzugrenzen.

Das BIP der Eurozone würde 2019 nur um 1,5 Prozent und 2020 nur um 1,4 Prozent zunehmen. Die Wertminderung des Euro wäre jedoch aufgrund der ausgehenden Kapitalflüsse und der verstärkten Kontrolle der mit Euro handelnden Clearinghäuser durch die Europäische Zentralbank limitiert.