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Alex Durrer

Alex Durrer

Chefvolkswirt von LGT über den Franken und die Börse

"Sturm im Wasserglas“

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DAS INVESTMENT.com: Als die SNB 2011 ein Wechselkursziel für den Schweizer Franken gegenüber dem Euro einführte, zeigten Sie sich skeptisch. Wie sieht es jetzt angesichts der Franken-Freigabe aus?

Alex Durrer: Meine Meinung jetzt ist gerade spiegelbildlich zu damals. Damals gefiel mir der künstliche Eingriff in die freie Währung nicht. Das ist nämlich gefährlich, weil man nicht weiß, wie man da wieder raus kommt. Die technische Umsetzung und die Kommunikation der Maßnahme durch den damaligen SNB-Chef Philipp Hildebrand hatten mir hingegen imponiert.

Inwiefern?

Die Klarheit, mit der Hildebrand seinen Standpunkt verteidigt hatte, hatte eine abschreckende Wirkung auf den Markt. Daher musste die SNB auch nicht so viele Euros aufkaufen, wie im Vorfeld befürchtet.

Und jetzt?

Bei der Franken-Freigabe begrüße ich zwar die Entscheidung an sich. Es war schon längst überfällig, gewissermassen von der Planwirtschaft wieder zur Marktwirtschaft zurückzukehren. Aber die Kommunikation dieser Maßnahme, die eher einer Schocktherapie gleicht, finde ich weniger überzeugend. Es gäbe da elegantere Wege.

Zum Beispiel?

Ein schrittweises Vorgehen. Oder eine Untergrenze für ein Währungskorb aus wenigen Währungen einzusetzen. Dieser könnte beispielsweise nur je zur Hälfte aus Euro und US-Dollar bestehen. Durch die Kursbewegungen zwischen diesen beiden Währungen könnte die SNB ihren Währungskurs stabil halten. Diese Empfehlung kam übrigens auch vom Professor Ernst Baltensperger, einem der führenden Wirtschaftsexperten in der Schweiz und dem Doktorvater vom SNB-Präsident Thomas Jordan.

Wie wird sich die Franken-Aufwertung mittel- und langfristig auf das Verhältnis zwischen Euro und US-Dollar auswirken?

Über die Zeit neigt der US-Dollar zur Stärke gegenüber dem Euro. Schließlich ist die US-Notenbank Fed gerade dabei, eine Normalisierung ihrer Geldpolitik einzuleiten, während die EZB noch expansiver wird und neu ebenfalls Staatsanleihen im großen Stil aufkaufen möchte. Daher erwarte ich in den kommenden Jahren eine Entwicklung in Richtung Euro-Dollar-Parität. Diese hätte aber nichts mit der Franken-Aufwertung zu tun, sondern wäre vielmehr auf die konjunkturellen und geldpolitischen Unterschiede zwischen  Europa und den USA zurückzuführen.

Kurz nach der Ankündigung der Franken-Freigabe durch die SNB schoss der Goldpreis in die Höhe. Manche Experten rechnen nun mittel- bis langfristig mit wesentlich höheren Goldpreisen. Was meinen Sie dazu?

Die Goldpreis-Bewegungen der vergangenen Tage haben kaum viel mit der Franken-Aufwertung zu tun. Der Grund ist vielmehr die Aussicht auf eine Quantitative-Easing-Runde durch die EZB sowie Angst vor einem Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone. Das ist wie mit einer Flasche, die fest verschlossen ist. Der Druck ist da, es gärt, aber eine Zeitlang passiert nichts. Erst wenn man den Korken ein kleines Stück weit öffnet, sprudelt alles heraus.

Und wie geht es an der Schweizer Börse weiter?

Der Einbruch des  SMI direkt nach der Entscheidungsverkündung war wohl eine Überschussreaktion. Selbstverständlich wird die Schweizer Konjunktur unter dem starken Franken leiden. Noch schlimmer wird es die Tourismus-Branche treffen, die aber glücklicherweise für das gesamte Wirtschaftswachstum weniger wichtig ist. An der Börse kommen Rezessionsängste auf. Das drückt natürlich schon auf den Schweizer Aktienmarkt.

Das klingt nicht gut.

Ich gehe aber davon aus, dass der Markt beim Abstrafen der Schweizer Aktien zu weit gegangen ist. Selbstverständlich wird es für Firmen, die in der Schweiz produzieren und ihre Waren im Ausland vertreiben schwer, da ihre Herstellungskosten durch den starken Franken in die Höhe schießen werden. Anders sieht das bei internationalen Konzernen aus, die zwar ihren Hauptsitz in der Schweiz haben, aber weltweit produzieren. Ihre Aktienkurse werden sich in Kürze wieder einpendeln.

Und wie wirkt sich die Franken-Aufwertung auf europäische Aktien aus?

Gar nicht. Der schwache Euro unterstützt zwar die europäischen Exporte. Aber die Euroschwäche hat, wie bereits erwähnt, nichts mit dem SNB-Entscheid zu tun. Ansonsten ist der Einfluss der Schweiz auf den europäischen und den internationalen Aktienmarkt so gering, dass man keine Auswirkungen befürchten muss. Für die weltweiten Märkte ist die Franken-Aufwertung wie ein Sturm im Wasserglas. Dummerweise haben wir Schweizer dieses Wasserglas auf dem Tisch.

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