Zu beobachtende Indikatoren

China muss seine Lockerungsmaßnahmen noch eine Weile fortsetzen, um die Stimmung der Anleger und der Wirtschaft zu verbessern.

Zu den Indikatoren, auf die man achten sollte, gehören:

  • Weitere Konjunkturmaßnahmen in den kommenden Monaten
  • Stabilisierung der Transaktionen und Preise auf dem Immobilienmarkt
  • Erholung des Verbrauchs und der Investitionen des privaten Sektors
  • eine anhaltende Erholung der Kreditvergabe (die noch keinen dauerhaften Aufschwung gezeigt hat).

Was ist jetzt zu tun?

Die Marktrally zu Beginn dieses Jahres dauerte drei Monate (Grafik 2). Aus taktischer Sicht könnte die Rally sogar kurzfristig noch weiter nach oben gehen.

Zum einen dürften großkapitalisierte Unternehmen, Wachstumsunternehmen und solche, die gute Dividenden zahlen und über einen starken Cashflow verfügen, sowohl taktisch als auch strategisch am meisten profitieren. Für Anleger dürften zudem doppelt gelistete H-Aktien in Hongkong, die mit einem Abschlag gegenüber ihren A-Aktien gehandelt werden, interessant sein.

Grafik 2: Chinas Aktienmarktrally hat Potenzial, die Anleger brauchen jedoch Gewissheit, dass sich die Konjunktur zum Besseren wendet

Die weiteren Auswirkungen

China hat bis zum zweiten Quartal 2024 fünf Quartale der Deflation, gemessen am BIP-Deflator, erlebt (Grafik 3). Trotz der jüngsten Stimulierungsmaßnahmen wird sich die Wirtschaft nicht schnell erholen, da es einige Zeit dauern wird, bis die Auswirkungen der Maßnahmen spürbar werden.

 

Die derzeitige Phase der Disinflation wird daher voraussichtlich bis 2025 anhalten – was weltweite Auswirkungen haben könnte. Chinas zugrundeliegende Überkapazitäten bedeuten, dass es die Disinflation weiterhin exportieren wird, wovon vor allem seine Handelspartner in den Industrieländern betroffen sein könnten.

Grafik 3: China erlebt die längste Deflation seit den 1990er-Jahren

Eine Analyse geht davon aus, dass Chinas Konjunkturschwäche dazu beigetragen hat, die Kerninflation in der Eurozone und den USA um etwa 0,1 Prozentpunkt und die Kerninflation bei Gütern um etwa 0,5 Prozentpunkt zu senken (Morgan Stanley, „The Weekly Worldview: Why China’s Deflation Matters,“ 16. September 2024).

Selbst ein solch geringer Betrag ist von Bedeutung, da die Europäische Zentralbank und die US-Notenbank versuchen, die letzten paar Zehntelprozentpunkte der Inflation in den Griff zu bekommen; diese „letzte Meile“ der Inflationsbekämpfung gilt als die schwierigste. Die EZB hat kürzlich ihre Kerninflationsprognose für 2024-2025 um 0,1 Prozentpunkte nach oben korrigiert. Die annualisierte dreimonatige PCE-Kerninflation in den USA liegt bei etwa 1,9 Prozent.

Der Einfluss der chinesischen Deflation auf die Kerninflation in der Eurozone und den USA ist zwar gering, aber dennoch von Bedeutung, da er den Spielraum der Geldpolitiker für Zinssenkungen vergrößert. Wenn die Fed ihre geldpolitische Lockerung beschleunigt, könnte sich der US-Dollar abschwächen, was den Renminbi-Wechselkurs stützen würde. Dies wiederum könnte China zu einer aggressiveren Lockerung veranlassen, ohne dass Peking eine Währungsschwäche befürchten muss.

Die Bemühungen Chinas um eine Stabilisierung des Wirtschaftswachstums dürften den Markt für Industrierohstoffe stützen. Obwohl Peking den Immobilienmarkt – eine Quelle starker Rohstoffnachfrage – nur stabilisieren und nicht zusätzlich anheizen will, bleibt China weiterhin der größte Verbraucher von Rohstoffen und Energie.

Letztlich könnten auch die Kapitalmärkte in Europa und den USA profitieren, wenn auch auf indirekte Weise, da eine robustere chinesische Wirtschaft das Gewinnwachstum der dort agierenden multinationalen Unternehmen fördern würde.