China Ausblick 2015 „New Economy wird sich weiter überdurchschnittlich entwickeln“

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Bietet der chinesische Finanzsektor dennoch Anlagechancen?

Seit der dritten Sitzung des Zentralkomitees im November 2013 hat sich das Reformtempo beschleunigt. Es gab eine neue Gesetzgebung für den Finanzhaushalt und das Steuersystem. Die Regulierung für die Verschuldung von Kommunen wurde überarbeitet, um die Risiken zu reduzieren, die mit den LGFV, den Finanzierungsinstrumenten der Lokalregierungen, verbunden sind. Mittlerweile ist das Total Social Financing, das neben Bankdarlehen auch Finanzierungsinstrumente anderer Kreditgeber umfasst, weiter zurückgegangen. Ein Zeichen, dass die Regulierung wirkt und Schattenbankengeschäfte und außerbilanzliche Aktivitäten schnell geschrumpft sind. Das Kreditgeschäft von Investmenttrusts war im Oktober im vierten Monat in Folge rückläufig und ist um 21,5 Milliarden Renminbi gesunken, Bankakzepte um 241,3 Milliarden Renminbi. Wir halten die Situation für beherrschbar und glauben, dass die Regierung gute Fortschritte bei der Kontrolle des Schattenbankings macht. Ein systemisches Risiko für Chinas Wirtschaft können wir darin nicht erkennen.

Innerhalb des chinesischen Finanzsektors bevorzugen wir Broker und Immobilienfirmen. Das traditionelle Brokergeschäft dürfte seinen Tiefpunkt erreicht haben, und die Segmente Margin Financing und Eigenhandel haben wieder begonnen, gut zu performen. Gleichzeitig nimmt das Tempo bei den Innovationen im Finanzbereich zu, Broker sind dabei die größten Profiteure. Zusätzlich zum Start des gemeinsamen Marktzugangs der Börsen in Hongkong und Shanghai sowie der Wiederaufnahme von Börsengängen von A-Aktien wird der Rückgang der Risikoprämie wieder mehr Liquidität in den Aktienmarkt bringen.
Wie bereits erwähnt, erwarten wir, dass der Ende September verkündete Wohnungsmarkt-Stimulus und die Fortführung der gezielten geldpolitischen Lockerung helfen werden, den Immobilienmarkt zu stabilisieren.

Wie schätzen Sie chinesische Aktien hinsichtlich Gewinnwachstum, Bewertung und Anlagechancen ein?

Besonders zuversichtlich sind wir für die Gewinnaussichten und Investmentmöglichkeiten in Chinas New Economy. Diese Unternehmen werden sich weiter überdurchschnittlich entwickeln und langfristig die Gewinner sein.

Wird der neue gemeinsame Marktzugang der Börsen Hongkong und Shanghai deutlich mehr Liquidität aus dem Ausland anziehen? Erwarten Sie weitere weitreichende Finanzreformen in nächster Zeit?


Zusätzlich zu dem erhöhten Tempo bei den Fiskalreformen haben auch die Finanzreformen beträchtliche Fortschritte gemacht. Zum Beispiel wurde die Handelsspanne des Renminbi ausgeweitet. Zudem ist das Mutual-Market-Access-Programm, kurz MMA, für Shanghai und Hongkong gestartet. Dieser Trend dürfte anhalten. Das jetzige MMA ist nur ein Schritt in der Öffnung des chinesischen Markts. Wir denken, das Programm wird in Umgang und Tiefe ausgebaut, Shenzhen wird wahrscheinlich als weitere Börse hinzukommen und die Handelsquoten dürften erhöht werden. Die schrittweise Öffnung der chinesischen Märkte durch Programme wie MMA oder auch QFII (Qualified Foreign Instititutional Investors) und das Renminbi-Äquivalent RQFII sorgt für einen besseren Zugang zu den Märkten. Dieser Umstand und unsere Erwartung, dass A-Aktien in die MSCI-Indizes aufgenommen werden, zwingen ausländische Investoren, künftig ihre Gewichtungen in chinesischen Aktien deutlich zu erhöhen.

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