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Schleppende Wirtschaftserholung Chinesische Aktien so günstig wie seit 20 Jahren nicht mehr

Studentinnen beim Kirschblüten-Schauen in Nanjing
Studentinnen beim Kirschblüten-Schauen in Nanjing: Die Aktien von privaten Bildungsanbietern haben sich innerhalb von zwei Jahren wieder erholt. | Foto: Imago Images / NurPhoto
James Kenney

Wer in chinesischen Aktien investiert ist, hat schwere Jahre hinter sich, die von enttäuschendem Wirtschaftswachstum, dem harten regulatorischen Durchgreifen in einer Reihe von Branchen und anhaltenden Spannungen zwischen Washington und Peking geprägt waren. Viele dieser dunklen Wolken sind noch nicht vorbeigezogen.

Der schwache Immobilienmarkt wird das Wachstum weiter belasten, der Deflationsdruck könnte anhalten und die Exporte werden stagnieren. Auch der Zyklus der Infrastrukturinvestitionen, der aufgrund der umfangreichen Investitionen in erneuerbare und saubere Energie andauerte, dürfte sich angesichts des exponentiellen Kapazitätsausbaus in den vergangenen 24 Monaten abschwächen. Gleichzeitig spüren die Arbeitnehmer immer noch die Auswirkungen der Lohnkürzungen um 20 bis 30 Prozent in den staatlichen Unternehmen.

Ohne politische Unterstützung wird es wohl kaum eine Verbesserung geben. Erfreulicherweise gibt es hier Positives zu vermelden. Die Währungshüter haben den Mindestreservesatz (RRR) und die Zinssätze gesenkt und greifen dem Immobiliensektor finanziell unter die Arme – die Beschränkungen für den Erwerb von Wohneigentum wurden gelockert und Investitionen in Schlüsselsektoren wie Technologie und Automatisierung gefördert.

Auch wenn das nicht ausreicht, um die Wirtschaft sofort wieder anzukurbeln, so legen diese Maßnahmen doch den Grundstein für einen nachhaltigen Aufschwung. Sie sind bewusst reduziert gestaltet, um andere Probleme wie die hohe Verschuldung und die Dominanz von Immobilieninvestitionen nicht noch zu verschärfen.

 

Für das kommende Jahr wird mit weiterer Unterstützung gerechnet, insbesondere wenn die US-Notenbank, wie allgemein erwartet, ihre Geldpolitik ebenfalls lockert. Die Zinssenkungen der Fed lassen China mehr Spielraum für eigene Zinssenkungen, ohne dass die Gefahr besteht, Kapitalabflüsse zu provozieren und eine weitere Währungsschwäche zu verursachen.

Unsere Ökonomen gehen davon aus, dass China in diesem Jahr ein BIP-Wachstum von überdurchschnittlichen 4,8 Prozent erzielen wird. Das entspricht in etwa dem Potenzial und ist fast fünfmal so hoch wie das für die Industrieländer erwartete Wachstum.

Die perfekte Balance

Was bedeutet das für chinesische Aktien? Ein Wirtschaftswachstum dieser Größenordnung wird vielleicht nicht zu einer ausgeprägten Aktienrally führen, aber es wird auch nicht den Markt belasten.

Wir nehmen eine differenzierte Perspektive ein. Die Liquidität an den Aktienmärkten ist knapp, das ist unbestritten. Und die Kursschwankungen sind stärker denn je. Die Aktienkurse der Videospielunternehmen Netease und Tencent* beispielsweise fielen im Dezember an nur einem Tag um 25 beziehungsweise 12 Prozent, als die Nachricht von einer möglichen Verschärfung der Regulierung in diesem Sektor die Runde machte. Wir können uns jedoch nicht denen anschließen, die behaupten, dass sich Investitionen in China nicht lohnen. Trotz der strengen Beschränkungen für Online-Glücksspiel scheinen die regulatorischen Daumenschrauben insgesamt gelockert zu werden. Die Regierung unterstützt die Unternehmen stärker und setzt sich für ein stabiles und freundliches politisches Umfeld ein.

Darüber hinaus sind die Bewertungen sehr überzeugend. Die von unseren Multi-Asset-Strategien entwickelten Modelle zeigen, dass chinesische Aktien so günstig sind wie seit 20 Jahren nicht mehr – und günstiger als jeder andere große Aktienmarkt. Das allein ist natürlich noch kein Kaufargument, aber es schafft attraktive Einstiegspunkte für Bereiche des Marktes, in denen die Zukunftsaussichten gut sind.

Auch das Verhalten ausländischer Investoren deutet darauf hin, dass eine Erholung des Marktes bevorstehen könnte. Nach Angaben der chinesischen Zentralbank verringerten ausländische Investoren ihre Bestände an chinesischen Aktien im Jahr 2023 um 13 Prozent und setzten damit den Trend der letzten beiden Jahre fort. Das lässt viel Spielraum für eine Trendwende, und die jüngsten Zahlen aus anderen Quellen deuten darauf hin, dass es nun soweit sein könnte. Seit Jahresbeginn sind den Daten von EPFR zufolge 50 Milliarden US-Dollar in chinesische Aktien geflossen, und laut Bloomberg haben die Käufe ausländischer Investoren in den letzten Wochen die Verkäufe überholt.

[*] Die genannten Unternehmen dienen nur der Veranschaulichung und sind nicht als direktes Angebot, Anlageempfehlung oder Anlageberatung zu betrachten. Die Bezugnahme auf ein bestimmtes Wertpapier stellt keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf des betreffenden Wertpapiers dar.