China: Glückwunsch, Ihr Auto ist nun zugelassen

//
Über Jahre konnten sich viele Chinesen ein Auto finanziell nicht leisten. Die Zeiten haben sich ganz offensichtlich verändert. In Metropolen wie Schanghai und Peking können sie es mittlerweile oft schlichtweg nicht zulassen.

Die Verknappung hat System und ist staatlich verordnet. Die Behörden wollen die Zahl der Neuzulassungen in den verstopften und von wachsender Luftverschmutzung bedrohten Riesenstädten begrenzen. In der monatlich stattfindenden Lotterie für neue Zulassungen in Peking stehen die Chancen auf ein reguläres Pekinger Kennzeichen schlechter als beim Roulette. In Schanghai werden neue Zulassungen mittels einer Auktion vergeben und die Zuschläge sind oft kostspieliger als der Kaufpreis des Fahrzeugs.

Aber China wäre nicht China, wenn es nicht auch Schlupflöcher gäbe. Wer sein Auto zulassen möchte, kann auf einen ganzen Industriezweig zugreifen, der den Wunsch gegen saftige Gebühren wahr werden lässt. Die Dienstleister decken die gesamte Bandbreite ab; sie reicht von Zulassungen des Privatwagens in benachbarten Städten bis hin zum illegalen Verkauf gestohlener oder gefälschter Kennzeichen.

„In einer so großen Stadt können wir unserem Beruf ohne Auto nicht nachgehen“, sagt Früchteimporteur Jason Chi in Peking. Nach zwei Jahren ohne Glück bei der Zulassungslotterie registrierte er seinen Kompaktwagen vom Typ Buick Excelle für kaum mehr als umgerechnet zehn Euro in der etwa eine Stunde vom Stadtzentrum entfernten Gemeinde Langfang in der Provinz Hebei.

Dabei muss er nun zweimal jährlich eine eingeschränkte Einfahrerlaubnis nach Peking beantragen, aber er brauche den Wagen eben: „Ich habe keine andere Wahl“, sagt er.

Die regional sehr unterschiedliche Regulierungspraxis bei Fahrzeugzulassungen in China lässt viel Raum für Gesetzeslücken. Etwa 1,5 Mio. Fahrzeuge in Peking, Schanghai und in Guangzhou sind in anderen Regionen zugelassen, wie der Branchenberater JSC Automotive Consulting schätzt. Der stark wachsende Verkehr lässt immer mehr große Städte zu Zulassungsquoten greifen. Den Riesentrend zum eigenen Auto in China werden solche Maßnahmen kaum umkehren.

„Die Politik weiß auch, dass sie die Nachfrage für Autos nicht ausbremsen wird“, sagt Analyst Lin Huaibin von IHS Automotive in Schanghai. Wer wirklich ein Auto kaufen will, der lasse sich von solchen Regelungen auch nicht davon abbringen.

Der mittlerweile größte Automarkt der Welt wird zum Ende des Jahrzehnts auf ein jährliches Absatzvolumen von 30 Millionen Fahrzeugen geschätzt. In diesem Jahr werden es rund 20 Millionen sein, wie die Branchenvereinigung China Association of Automobile Manufacturers schätzt. Entsprechende Quoten zur Reduzierung der Neuzulassungen würden derzeit in Schenzhen, Chengdu und Chongqing erwogen.

Beispiel Peking: Im Jahre 2010 wurde entschieden, nicht mehr als 240.000 neue Fahrzeuge im Stadtgebiet zuzulassen und die Vergabe durch eine monatlich stattfindende Lotterie zu organisieren. Zuvor war Peking als weltweit beschwerlichste Stadt für Pendler in einer Umfrage der International Business Machines Corp. IBM ermittelt worden. Weniger als einer von 80 Bewerbern hatte im Juli eine Zulassungserlaubnis erhalten. Das gewaltige Interesse ist nicht zuletzt ein Zeichen für die Attraktivität des Autobesitzes in einer riesigen Großstadt mit einem gänzlich unzureichenden öffentlichen Nahverkehr.

Seit 1986 wird die Zulassung in Schanghai mittels einer Auktion versteigert, und zuletzt wurde dabei mit 90.000 Yuan der Kaufpreis eines ausgewachsenen Mittelklassewagens vom Typ Volkswagen Santana verlangt.

Autobesitzer Jiang Ruming plant nun eine Fahrt 900 Kilometer aus der Stadt hinaus nach Yichun in der Provinz Jiangxi, um dort seinen SUV vom Typ Volkswagen Touran anzumelden. Seine Eltern besitzen in der Gegend ein Grundstück.

„Es geht nicht nur um das Geld“, sagt er, denn die Behörden schränkten auch seinen Privatbesitz ein. Denn es gibt Einschränkungen für Fahrzeuge ohne städtische Zulassung. Verboten seien die Benutzung großer innerstädtischer Autobahnen und der Betrieb zu Stoßzeiten.

Mehr zum Thema
Entwicklungsländer – ein Geheimtipp unter Investoren
Schwellenländer: Maue Aussichten
nach oben