Themen
TopThemen
Fonds
Fondsvergleich Märkte Finanzberatung
Versicherungen
Boulevard
Experten
Denker der Wirtschaft
Krypto
Services
Academy Newsletter Veranstaltungskalender
Kurstafeln in der Shanghai Stock Exchange: China reagiert mit wirtschaftlicher Öffnung und Deregulierung auf die massiven US-Zölle.  | © Getty Images

China im Handelskonflikt Warum der Druck auf Peking auch etwas Gutes hat

Im August 2019 kündigte US-Präsident Donald Trump neue Zölle in Höhe von 10 Prozent auf chinesische Exporte im Wert von weiteren 300 Milliarden US-Dollar an. Als Vergeltung für die ab dem 1. September 2019 geltenden Zölle setzte China den Kauf von US-Landwirtschaftsprodukten aus.

Am 6. August bezichtigten die USA China offiziell der Währungsmanipulation, nachdem der chinesische RMB erstmals seit 2009 unter die Marke von sieben Yuan je US-Dollar abgewertet hatte.

Diese Ereignisse lösten einen umfangreichen Abverkauf an den weltweiten Aktienmärkten aus. Seit Augustbeginn verloren der MSCI EM Index und der MSCI World Index um 6,17 Prozent beziehungsweise 3,33 Prozent in US-Dollar, während der MSCI China Index um fast 7,39 Prozent absackte, wie MSCI berechnet hat.

Der Streit zwischen den USA und China griff vom Handel zunächst auf die Technologiebranche und dann auf die Finanzbranche über. Mit den Anschuldigungen der Währungsmanipulation scheint das Risiko einer tiefergehenden, langfristigen Konfrontation zu steigen.

China ist gezwungen, sich schneller wirtschaftlich zu öffnen

Auf kurze Sicht verlangsamt sich die chinesische Konjunktur. Das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) war im zweiten Quartal so niedrig wie seit 27 Jahren nicht mehr. Die anhaltende Unsicherheit um den Handel veranlasst einige Hersteller, ihre Fertigung von China weniger abhängig zu machen. Für Finanzinstitute könnten Kollateralschäden entstehen, falls Fabrikschließungen zu Kreditausfällen führen.

Zu den längerfristigen Folgen eines verschärften Handelskonflikts gehört aber auch die schnellere wirtschaftliche Öffnung und Deregulierung in China, womit die Regierung versucht, das Wirtschaftswachstum zu stützen.

Zu den politischen Veränderungen der vergangenen Jahre, die die Folgen des Handelsstreits zwischen den USA und China abmildern, gehören ein flexiblerer Wechselkurs, die Reform der staatseigenen Betriebe zusammen mit der verstärkten Förderung der privatwirtschaftlichen Unternehmen sowie eine gelockerte Geld- und Haushaltspolitik. Zusätzliche Infrastrukturinvestitionen könnten für die chinesische Konjunktur ebenfalls eine wichtige kurzfristige Stütze sein.

Außerdem ist Folgendes zu beachten:

  • Das chinesische Wachstum ist vom Handel mittlerweile weniger abhängig; Chinas Export von Waren und Dienstleistungen (in Prozent des BIP) ging im vergangenen Jahrzehnt nach Weltbank-Angaben von 32,6 Prozent im Jahr 2008 auf nur noch 19,5 Prozent im Jahr 2018 zurück.
  • Chinas Handelsbilanz mit den USA ist geschrumpft, und bei der Leistungsbilanz sind die chinesischen Importe von US-Dienstleistungen (anders als bei Waren) gestiegen.
  • Chinas Wirtschaft richtet sich neu aus, der Binnenkonsum ist mittlerweile der Haupttreiber des Wirtschaftswachstums. 2018 machte er 76 Prozent des BIP-Wachstums aus. Vor zehn Jahren lag dieser Wert noch bei 44 Prozent, zieht das National Bureau of Statistics of China den Vergleich.

nach oben