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Themen-Experte
Eine dynamische Strategie für die Asset-Allokation

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Eine dynamische Strategie für die Asset-Allokation

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Trends in der Weltwirtschaft „China ist der Ansicht, dass die USA im Niedergang begriffen sind“

Eisbahn in Shanghai
Eisbahn in Shanghai: Peking will die Anfälligkeit Chinas für externe Risiken verringern, die Binnenwirtschaft auf Effizienz trimmen und die schiere Größe des Markts als Wachstumsmotor nutzen. | Foto: Imago Images / VCG

Wie sehen die Aussichten für die US-Wirtschaft sowie für die Finanz- und Geldpolitik aus?

Die US-Wirtschaft hat sich relativ stark erholt. Doch es gibt große Unsicherheit in Bezug auf das Wachstum. Die restriktivere Fiskalpolitik könnte im Jahr 2022 zur Wachstumsbremse werden. Auch die Zinsanhebungen der US-Notenbank könnten auf das Wachstum drücken. Die Konjunkturentwicklung dürfte jedoch ausreichen, um bis zum Jahr 2022 weiterhin einen soliden Beschäftigungsaufbau zu unterstützen.

Obwohl sich das Wachstum über einen längeren Zeitraum verlangsamt hat, scheint die US-Wirtschaft insgesamt weniger volatil geworden zu sein, wobei die globale Finanzkrise und die Pandemie wie singuläre Ereignisse wirken, die einen langfristigen Trend unterbrechen. Mögliche Gründe für die geringere Volatilität sind eine proaktivere Geld- und Steuerpolitik und ein zunehmend geringerer Einfluss konjunkturabhängiger Sektoren wie der verarbeitenden Industrie. Entscheidend für den langfristigen Ausblick ist, ob technologische Durchbrüche, einschließlich der jüngsten Entwicklungen in der Biotechnologie, die zur raschen Entwicklung von Covid-19-Impfstoffen beigetragen haben, die Wachstumsrate der Wirtschaft erhöhen und zu neuen Investitionsmöglichkeiten führen.

Auf welche Nachrichten müssen wir uns bei der Inflation einstellen?

Die hohe Inflationsrate ist ein Risiko, das von vielen Anlegern und der US-Notenbank beobachtet wird. Aber da die Geld- und Fiskalpolitik restriktiver wird und die Einschränkungen bei Angebot und Arbeitskräfteverfügbarkeit abnehmen, erwarten wir, dass die Inflation in den USA im Jahresverlauf 2022 zurückgeht.

Abgesehen von den typischen Trends des Wirtschaftswachstums und der Inflation: Was könnte die Zinssätze im Laufe der Zeit noch beeinflussen?

Ein wichtiger Faktor, den es zu berücksichtigen gilt, ist der Übergang zu einer kohlenstofffreien Wirtschaft. Die Schätzungen variieren, aber das Ausmaß der zusätzlichen Investitionen in die Energieinfrastruktur könnte sich langfristig auf 2 bis 2,5 Billionen US-Dollar pro Jahr belaufen – das sind etwa 2 zusätzliche Prozentpunkte des derzeitigen globalen BIP. Allein die Größenordnung des Anstiegs der Investitionen in die Energieinfrastruktur könnte das allgemeine Investitionsdefizit der vergangenen zehn Jahre ausgleichen, und dabei sind die zusätzlichen Investitionen, die über die direkte Energieversorgung hinaus in anderen Branchen erforderlich sind, noch nicht berücksichtigt. Unserer Ansicht nach sind beispielsweise auch in der Landwirtschaft erhebliche Investitionen erforderlich.

Wie sehen die längerfristigen Aussichten für Arbeit und Produktivität im Umfeld der Pandemie aus?

Außerhalb des Reise- und Tourismussektors berichten nur wenige große US-Unternehmen, dass sie durch den pandemiebedingten wirtschaftlichen Schock stark geschädigt wurden. Sie scheinen relativ optimistisch in die Zukunft zu blicken. Zwei kurzfristige Herausforderungen – Engpässe in der Lieferkette und der Arbeitskräftemangel – scheinen langfristige strategische Veränderungen zu beschleunigen. Viele Unternehmen haben schon seit einiger Zeit aus wirtschaftlichen Gründen ihre Lieferketten diversifiziert, insbesondere aus China heraus. Die Pandemie hat den bestehenden Trend beschleunigt.

Was die Arbeitswelt betrifft, so beobachten viele Unternehmensführer in den USA einen langfristigen Wandel in den Beziehungen zwischen Unternehmen und ihren Arbeitnehmern. Schon seit längerer Zeit kämpfen viele Unternehmen darum, qualifizierte Mitarbeiter zu finden und zu halten. Der Wettbewerb um diese Arbeitskräfte dürfte weiter zunehmen. Die Arbeitnehmer haben eine zunehmend stärkere Verhandlungsmacht. Viele Arbeitgeber reagieren darauf mit dem Streben nach einer langfristigen Produktivitätssteigerung, indem sie sowohl ihren Mitarbeiterstamm vergrößern als auch in Technologien investieren, die die Arbeitnehmer unterstützen, produktiver zu sein. Die Unternehmen scheinen davon auszugehen, dass der Faktor Arbeit im Laufe der Zeit immer teurer wird, und suchen daher letztlich nach Möglichkeiten, mit weniger Arbeitskräften mehr zu produzieren.

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