Mirko Kohlbrecher (Gastautor)Lesedauer: 2 Minuten

Trotz scharfer Regulierung China jetzt abschreiben? Da gibt es wirklich bessere Ideen!

Stier-Skulptur vor Börse in Hongkong
Stier-Skulptur vor Börse in Hongkong: Chinesischer Regulierungseifer beschäftigt Aktionäre | Foto: Imago Images / Zuma Wire

China kommt nicht aus den Schlagzeilen: Erst setzt das Land beim Wirtschaftswachstum immer neue Rekorde. Nun gefällt sich die politische Klasse darin, mit harter Hand zu regieren. Da wird mit der Ant Group mal eben der weltgrößte Börsengang abgesagt, weil dessen Chef Jack Ma sich aus Sicht der Kommunistischen Partei (KP) Chinas zu systemkritisch äußerte.

Dann lässt die Regierung, sprich die KP, den einst weltgrößten Immobilien-Entwickler Evergrande mit seinen Zahlungsschwierigkeiten allein, obwohl sie bei ähnlichen Gelegenheiten geholfen hat. Schließlich wird den E-Learning-Anbietern die Nachhilfe untersagt und der Sektor unfreiwillig und über Nacht zum Non-Profit-Segment.

Das Kapital floh, der MSCI China bröckelte weg

Vor allem der letzte Schritt macht deutlich, dass Investments in China mit besonderen Risiken behaftet sind. Kein Wunder, dass viel Kapital wie scheues Wild aus dem Land floh, Milliarden mitnahm und so den Aktienmarkt unter Druck setzte: So notiert der MSCI China im Vergleich zum Jahresbeginn 15 Prozent tiefer, während der amerikanische S&P 500 etwa 20 Prozent zugelegt hat.

Allerdings gehen wir davon aus, dass die KP Chinas solche Marktreaktionen in ihrer Politik künftig vorwegnehmen und ihr Verhalten daran anpassen wird. Schließlich liegt es nicht in ihrem Interesse, den Aktienmarkt als Symbol der Wirtschaftskraft Chinas auf Dauer nach unten zu drücken. Mit dieser Einschätzung sind wir nicht allein. Umfragen unter Finanzprofis zeigen: Das Schlimmste dürfte vorüber sein.

Das langfristige Potenzial ist immer noch groß

Somit geraten wieder die langfristigen Chancen in den Blick – und die sind weiterhin gut. Das Reich der Mitte zeichnet für 18 Prozent des Welt-BIP verantwortlich, seine Unternehmen haben aber nur einen Anteil von 4 Prozent im MSCI World. Im Kontrast zu dieser Unterrepräsentierung steht die Tatsache, dass das Land in einigen technologischen Feldern wie Drohnen oder E-Autos eine Vorreiterrolle inne hat oder zumindest ein ernsthafter Konkurrent ist.

Die Zeiten der „Chinese Copycat“ scheinen vorbei zu sein. Schließlich wird die Wirtschaft in China auch in den kommenden Jahren stärker wachsen als im Rest der Welt. Dass der Aktienmarkt dort eine geringe Korrelation zu den Börsen in USA und Europa hat, ist zudem ein Pluspunkt in Sachen Diversifikation.

Strategische Allokation: Bis zu zehn Prozent nach China

Es gibt daher aus unserer Sicht gute Gründe, China deutlich stärker zu gewichten als in der Benchmark MSCI World. Bis zu sieben Prozent im chinesischen Aktienmarkt scheinen uns durchaus sinnvoll. Hinzu kommt, wenig bekannt, dass der Anleihemarkt des Landes weltweit der zweitgrößte ist und noch Zinsen zwischen drei und vier Prozent bietet – für Euro-Anleger ein wahres Rendite-Paradies!

Das Risiko schwankender Wechselkurse halten wir dabei für überschaubar. Wenn es Bewegung gibt, dann vermutlich in Richtung einer Aufwertung des Renminbi – und davon würden Anleger aus Euro-Land profitieren.

Über den Autor:

Mirko Kohlbrecher, Investmentstratege bei der Spiekermann & CO AG in Osnabrück

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