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Asien – vom Wachstum profitieren

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Skyline von Shanghai Foto: IMAGO / VCG
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Wachstumsmarkt Asien

China – neue Chancen für Investoren

Herr Plebani, China hat unter der Pandemie und den anhaltenden Spannungen mit den USA gelitten. Warum haben die chinesischen Anlagemärkte dennoch stark zugelegt?

Gian Plebani: Aufgrund der höheren fiskal- und geldpolitischen Reaktionsfähigkeit Chinas bei Schocks und des „First-in-first-out-Status“ im Hinblick auf die Corona-Pandemie konnten sich inländischen Aktien besser behaupten als Schwellenländeraktien insgesamt. Diese hohe Widerstandsfähigkeit dürfte anhalten, insbesondere, da Peking der Beschäftigung höhere Priorität einräumt als dem Schuldenabbau.

Biden hat die US-Wahl gewonnen, was bedeutet das für das Verhältnis zwischen den USA und China?

Plebani: Für die Beziehungen zwischen den USA und China bedeutet das vor allem, dass Biden eine besser vorhersehbare, aber sicherlich weiterhin konfrontative Politik gegenüber dem Reich der Mitte betreiben dürfte. Der Handelsbilanz wird weniger Bedeutung zukommen und die Zölle sollten allmählich abgebaut werden. In der Beziehung zwischen den USA und China dürften insbesondere Tech-Unternehmen eine bedeutende Rolle spielen.

Im Gegensatz zum ehemaligen US-Präsidenten Trump könnte Joe Biden multilaterale Koalitionen bilden, um China auf Themen wie Handel, Technologie, Menschenrechte und Umwelt anzusprechen. Alles in allem sind wir der Ansicht, dass ungeachtet einer neuen Biden-Administration die geopolitischen Risiken unterschwellig weiter bestehen bleiben.

In welcher Größenordnung bewegen sich derzeit die Barmittel bei Ihren Multi-Asset-Strategien?

Plebani: Da wir Long-Positionen in Risikoanlagen und eine Übergewichtung in Aktien halten, ist unser Barmittelanteil aktuell recht niedrig – insbesondere im Vergleich zum zweiten Quartal 2020.

Wir halten weiterhin an Onshore-Anleihen fest, da wir sie als eine risikofreie Anlage betrachten, die derzeit hohe Gewinne erzielen.

Sie haben also Ihre Allokation in Onshore-Anleihen erhöht. Wie sieht es mit der Liquidität an den Onshore-Anleihenmärkten Chinas aus?

Plebani:  Wir konzentrieren uns auf chinesische Staatsanleihen (China Government Bonds, CGBs) und Policy-Bank-Anleihen (PBBs). Da diese zu den liquidesten Segmenten des chinesischen Onshore-Anleihenmarkts zählen, gehen wir im Hinblick auf den Umfang des Engagements behutsam vor.

FTSE Russell hat jüngst angekündigt, dass sie China-Anleihen in ihre Indizes aufnehmen werden. Welche Bedeutung hat dieser Schritt?

Plebani: FTSE Russell ist der dritte große Indexanbieter, der chinesische Onshore-Anleihen in seine Indizes aufnimmt. Für sich genommen ist dieser Schritt nicht so bedeutend, aber er setzt den Trend der Indexaufnahme fort und zieht Kapitalzuflüsse internationaler Investoren an.

Wie beurteilen Sie die weitere Entwicklung des Renminbi (RMB) und wie sichern Sie ihn ab?

Plebani: Wir schätzen den Renminbi positiv ein und rechnen mit einer baldigen Aufwertung. Aufgrund dessen sichern wir unsere Positionen nicht mehr ab und halten die im Rahmen unseres Onshore-Engagements eingegangenen RMB-Positionen für angemessen.

Hand aufs Herz: Lieber chinesische A-Aktien oder doch H-Aktien?

Plebani: Wir haben einen großen Bestand an chinesischen A-Aktien – H-Aktien sind ebenfalls erfolgversprechend. Doch chinesische A-Aktien haben sich rasch erholt, was zu einem deutlichen Aufschlag gegenüber den H-Aktien geführt hat. Allerdings könnten chinesische H-Aktien in den kommenden Monaten anziehen und diese Lücke wieder schließen.

Welche Anlageprodukte bevorzugen Sie derzeit: Hochzins-, Investment-Grade- oder CNY-Anleihen?

Plebani: Generell bevorzugen wir Kredit- gegenüber CNY-Anleihen sowie Hochzins- gegenüber Investment-Grade-Anleihen. Grund hierfür: Die Fundamentaldaten gefallen uns in diesen Bereichen besser. Zudem hat der Markt ein höheres implizites Ausfallrisiko eingepreist, insbesondere im Immobilienbereich. Dort halten wir Unternehmen mit einer stärkeren Bilanz und soliden Cashflows.

Sind Sie besorgt über steigende Ausfälle von Onshore-Anleihen in China?

Plebani: Ausfallzyklen sind Teil des reifenden Onshore-Anleihemarktes in China und äußern sich längerfristig in einer gesunden Kursentwicklung und Stabilität. In der Vergangenheit hat es immer wieder Ausfallzyklen gegeben. Die jüngsten betrafen lokale Staatsunternehmen, die seit 2014 zu beobachten sind. Zwischen 2015 und 2017 verstärkte sich dieser Zyklus, was auf eine allmähliche Verschiebung zu einem realistischeren Marktpreis hindeutet. Vor allem halten wir im Rahmen unserer Strategie China Allocation Opportunity (CAO) im Onshore-Anleihebereich ausschließlich Zinsanleihen – CGBs und PBBs – die staatlich abgesichert sind und als sichere Anlagen gelten.

Welche Strategie verfolgen Sie derzeit?

Plebani: China befindet sich eindeutig auf einem starken V-förmigen Erholungskurs und wir erwarten, dass die Wirtschaft in den kommenden sechs bis zwölf Monaten wieder zum Wachstumstrend zurückkehren wird.

Generell bevorzugen wir Kreditanleihen und Aktien gegenüber Staatsanleihen. Wir halten mehr Onshore-Aktien im Vergleich zum historischen Durchschnitt, da die Geldpolitik lockerer wird und die internationale Nachfrage aufgrund der Indexaufnahme steigt.

In Anbetracht der möglichen Rendite und des impliziten Ausfallrisikos bevorzugen wir Hochzins- gegenüber Investment-Grade-Anleihen.

Wie gesagt, im Gegensatz zum ehemaligen Präsidenten Trump könnte sich Biden für den Aufbau multilateraler Koalitionen entscheiden, um China in Fragen des Handels, der Technologie, der Menschenrechte und der Umwelt anzusprechen. Alles in allem sind wir der Meinung, dass die Regierung Biden den chinesischen Risikoanlagen auf kürzere Sicht Unterstützung bieten würde, obwohl die geopolitischen Risiken unterschwellig weiter bestehen dürften.

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