Chris Adams, Produktspezialist Asien / Aktien Asien-Pazifik bei HSBC Global Asset Management, über Chinas Notenbankpolitik.

Chris Adams, Produktspezialist Asien / Aktien Asien-Pazifik bei HSBC Global Asset Management, über Chinas Notenbankpolitik.

China

„Peking scheint eine geldpolitische Lockerung einzuleiten“

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Nachdem sich das volkswirtschaftliche Bild Chinas im April verschlechtert hatte, legte der chinesische Aktienmarkt im Juni weiter zu. Für wie tragfähig halten Sie diese Entwicklung?

Chris Adams: Inzwischen haben sich auch die wichtigsten wirtschaftlichen Indikatoren stabilisiert, was die Stimmung im Markt deutlich verbessert hat. Der offizielle Einkaufsmanagerindex legte beispielsweise weiter zu und kletterte von 50,8 Punkten im Mai auf 51,0 im Juni. Ab der 50-Punkte-Marke gilt die Stimmung als positiv.

Welchen Anteil hat die chinesische Regierung an der aktuellen Entwicklung?

Die neuen, kleineren Stimulierungsmaßnahmen der Regierung haben zu der Verbesserung beigetragen. Hier standen der soziale Wohnungsbau und die Infrastruktur im Fokus. Außerdem wurden die Mindesteinlagensätze für die Banken gezielt gelockert. Damit scheint sich die Konjunktur nun zu stabilisieren. Zudem hat sich im Immobiliensektor der Wind gedreht, obwohl die jüngsten Daten zu den Immobilienverkäufen im April und Mai enttäuschend ausgefallen waren.

Immer mehr Geschäftsbanken bieten bessere Zinssätze und Konditionen bei Hypothekendarlehen an. Einige kleinere Städte haben Einschränkungen beim Hauskauf aufgehoben, um die Nachfrage nach Immobilien anzukurbeln. Lokale Behörden dürfen Anleihen ausgeben, um ihre Schuldenprobleme zu lösen und sie weniger abhängig von den Erlösen durch Landverkäufe zu machen.

Anfang des Jahres hatte die chinesische Zentralbank angekündigt, für Stabilität im Markt zu sorgen. Zuvor hatte sie die Sorgen der Anleger vor einer Kreditklemme mit einer milliardenschweren Geldspitze entkräftet. Wie agieren die Notenbanker derzeit?

Pekings Notenbanker scheinen auf einen Kurs der geldpolitischen Lockerung einzuschwenken, obwohl das Wachstum der Geldmenge M2 nicht vom Jahresziel abweicht. Sie führen dem Bankensystem Liquidität zu, senken gezielt die Mindesteinlagensätze und gewähren Berichten zufolge ausgewählten Banken Kredit. Dies könnte dazu beitragen, die Wirtschaft im dritten Quartal weiter zu stabilisieren.

Was aber ist zum Beispiel mit der vieldiskutierten Überhitzung des chinesischen Immobilienmarktes?

Auf politischer Ebene gab es ja bereits im April ausgewählte Stützungsmaßnahmen für den Immobiliensektor. Für den Immobiliensektor – wie für den Bankensektor auch – waren die Signale der Notenbanker sogar noch wichtiger als die Stabilisierung der Wirtschaftsindikatoren. Die Maßnahmen der Notenbank zeigen, dass die Regierung bereit ist, dem System mehr Liquidität zuzuführen. Die Liquidität der in die Schlagzeilen geratenen Investmentgesellschaften war zudem besser, als im Markt erwartet worden war.

Unterm Strich bleibt der Immobiliensektor das größte Risiko. Die Wohnungsbaubeginne und die Verkäufe lagen im bisherigen Jahresverlauf 22 Prozent beziehungsweise 9 Prozent niedriger als vor einem Jahr. Auf der negativen Seite haben zudem die höheren Lebensmittelpreise die Inflation erneut anziehen lassen. Und auch die Antikorruptionskampagne geht weiter, was wiederum die Nachfrage von Konsumausgaben der Behörden sowie der Unternehmen dämpfen könnte.

Wie haben Sie sich derzeit aufgestellt und welche Portfolio-Entscheidungen stehen an?

Da die gegenwärtige Bewertung des chinesischen Aktienmarkts weiter günstig ist, erwarten wir, dass die Rally weitergeht. Wir setzen auf eine Übergewichtung von chinesischen Aktien, die in Hongkong notiert sind, da diese eine bessere Wachstumsperspektive und eine günstigere Bewertung als heimische Werte haben. Im Juni legten diese Titel zu.

Mit Blick auf die Börse in Hongkong sei noch gesagt, dass wir unser Engagement in Wohnungsgesellschaften reduzieren, aber ausgewählte chinesische Immobilienentwickler aus Bewertungsgründen schätzen sowie Aktien aus den Bereichen alternative Energie und Gesundheit. Diese Bereiche werden subventioniert. Zudem interessieren wir uns für exportorientierte Felder und Logistik-Titel.

Wie beurteilen Sie den Aktienmarkt in Hongkong insgesamt?

Die Börse in Hongkong hat im Juni nur leicht zulegt und dieses Bild dürfte sich in der bevorstehenden Sommerpause angesichts dünner Umsätze kaum verändern. Für das zweite Halbjahr sehen wir zwei positive Faktoren. Einerseits die verbesserten Perspektiven für die chinesische Wirtschaft und andererseits die Verzahnung der Aktienmärkte in Shanghai und Hongkong sowie die Erholung der Unternehmensgewinne.

Die Analysten haben die Gewinnschätzungen in den letzten Monaten zwar nach unten korrigiert. Das hat sicherlich auf die Stimmung im Markt gedrückt. Allerdings erholen sich Hongkongs Wirtschaftsdaten angesichts der sich abzeichnenden Erholung in den USA und den abnehmenden Konjunktursorgen in China stetig.

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