Skeptischer Blick: Eine Chinesin checkt Aktienkurse in <br>Wuhan. Quelle: Gettyimages

Skeptischer Blick: Eine Chinesin checkt Aktienkurse in
Wuhan. Quelle: Gettyimages

China: Stockpicking statt „Buy and Hope“

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Wachstum, Wachstum und kein Ende in Sicht: Mit einem zweistelligen Anstieg der Wirtschaftsleistung lässt China seit Jahren alle größeren Ökonomien der Welt hinter sich. Nach landläufiger Meinung müsste dies der ideale Nährboden für überdurchschnittlichen Anlageerfolg sein.

Doch für Anleger waren die vergangenen zwei Jahre eine einzige Enttäuschung. Die in Hongkong für Ausländer erwerbbaren Titel verloren im Schnitt 5 Prozent, die Inlandsinvestoren in Shanghai sahen mit minus 20 Prozent gleich richtig Rot. Zum Vergleich: Der Dax stieg im gleichen Zeitraum zumindest etwa 10 Prozent an, dynamische Märkte in Asien, wie Indonesien oder Thailand, gar über 70 Prozent.

Die Börse geht oft andere Wege als die Wirtschaft

Wissenschaftler sind sich schon seit langem darüber im Klaren: Es gibt keinen verlässlichen Zusammenhang zwischen positivem Wirtschaftswachstum in einem Land und der Aufwärtsentwicklung an seiner Aktienbörse. Tendenziell, so die Mehrheit der empirischen Untersuchungen, deutet sich sogar eher ein leicht negativer Zusammenhang an.

Damit wird aber auch klar, dass all diejenigen, die ihr Aktienengagement in China vor allem auf allgemeinen Wachstumsprognosen aufbauen, möglicherweise auch in Zukunft herbe Enttäuschungen erleben werden.

Chinas Schwächen sind nicht zu übersehen

Darüber hinaus gibt es weitere Gründe, warum Chinas wirtschaftliche Kraft sich für die Anleger nicht uneingeschränkt auszahlt. Dazu gehören etwa:

•    Wie in keiner anderen großen Volkswirtschaft ist in China der Erfolg vom Geschick der mächtigen Zentralregierung abhängig. Deren Ziele und Maßnahmen haben massiven Einfluss auf das Abschneiden von Unternehmen und Investoren.

•    Gerade unter ausländischen Investoren machte sich jüngst wieder verstärkt Unsicherheit über die Verlässlichkeit veröffentlichter Unternehmenskennzahlen breit.

•    China hat eine schwierige demographische Entwicklung vor sich. Wegen jahrelanger Ein-Kind-Politik droht, ähnlich wie in vielen westlichen Industrieländern, die Überalterung der Gesellschaft.

•    Chinas wirtschaftlicher Erfolg basierte lange auf billiger Produktion und dem Export in westliche Konsummärkte. Ob die wegen der Krisen des Westens notwendige Umstellung auf einen stärkeren Binnenmarkt in China gelingt, ist noch nicht ausgemacht.

„Buy and Hope“ ist keine gute Idee

All diese Unwägbarkeiten verbieten ein blindes Investieren nach dem Motto „Buy and Hope“. Die besondere Situation des chinesischen Kapitalmarktes, seine Größe, seine Dynamik und nicht zuletzt seine Ineffizienzen bieten stattdessen hervorragende Chancen für systematische Anleger.

Stockpicker mit der Fähigkeit, selektiv Unternehmensperlen zu identifizieren, werden auch in den kommenden Jahren einen attraktiven Unternehmenspool vorfinden. Wer dazu noch über Instrumente zum aktiven Risikomanagement sowohl auf Einzeltitel- als auch auf Marktebene verfügt, wird für Anleger auch in Zukunft an Chinas Bösen attraktive Renditen erzielen können.

Zum Autor: Ekkehard Wiek ist Asien-Fonds-Manager und Geschäftsführer der W&M Wealth Managers (Asia) Pte. Ltd. in Singapur sowie Beirat der Asia4Europe Investment GmbH in Ettlingen und einer der Experten von www.vermoegensprofis.de.

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