China tritt auf die Bremse

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Chinas Entwicklung nicht nachhaltig

Der sprunghafte Anstieg der Kreditvergabe in China sollte ursprünglich helfen, den Einbruch der westlichen Nachfrage nach 2008 auszugleichen, hat aber inzwischen in einigen Segmenten der Volkswirtschaft zu Überinvestitionen geführt, zum Beispiel im Immobilienbereich. Eine erneute Ausweitung der Kreditvergabe kann das Problem der unzureichenden Nachfrage für bestimmte Arten von Immobilien natürlich nicht lösen.

Allgemein wuchs die Kreditvergabe in China selbst nach konservativen Schätzungen in den vergangenen Jahren mehr als doppelt so stark wie das Bruttoinlandsprodukt. Eine solche Entwicklung ist einfach nicht nachhaltig und kann daher auch das Vertrauen in die längerfristigen Perspektiven Chinas untergraben.

Vor diesem Hintergrund gibt es auch aus Pekings Sicht kaum Gründe für eine Kreditlockerung – schon gar nicht zu einem Zeitpunkt, in der sich die USA, Europa und selbst Japan wirtschaftlich zu stabilisieren scheinen.

Stattdessen müsste China seiner Wirtschaft genug Zeit geben, um die geschaffenen Ungleichgewichte zu „verdauen“ – bis sich neue Gleichgewichte einstellen oder neue Nachfragequellen entwickelt haben. Eine umsichtige Steuerung der „sanften Landung“ (englisch: soft landing) der chinesischen Wirtschaft ist gleichbedeutend mit einer maßvollen Kreditpolitik.

Eine „sanfte Landung“ jetzt ist besser als eine „harte Landung“ später

China dürfte daher weiterhin die „weiche Landung“ seiner Wirtschaft in einer Weise zu steuern versuchen, welche nicht das Risiko eines großen Crashs in der Zukunft erhöht.

Der Preis dafür ist unter anderem die Inkaufnahme von weiterhin (zumindest aus relativer Sicht) schwachen chinesischen Börsen. Angesichts der langfristigen Risiken scheint dies ein für die Führung des Landes akzeptabler und angemessener Preis zu sein – besonders in einer Zeit, in der die Sorge der zunehmend städtischen Bevölkerung Chinas ohnehin nicht primär der Börse, sondern den realen Arbeitseinkommen und der Wohnraumbeschaffung gilt.

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