China, Türkei, Indonesien Den Schwellenländern geht es besser, als viele glauben

Morgan Harting, Portfolio Manager Emerging Markets Multi-Asset beim Asset Manager Alliance Bernstein (AB): „Die Erholung in den Schwellenländern wird weitergehen – allerdings mit viel Volatilität.“ | © Alliance Bernstein

Morgan Harting, Portfolio Manager Emerging Markets Multi-Asset beim Asset Manager Alliance Bernstein (AB): „Die Erholung in den Schwellenländern wird weitergehen – allerdings mit viel Volatilität.“ Foto: Alliance Bernstein

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Nach Anzeichen einer Erholung in den Schwellenländern (Emerging Markets, EM) zu Anfang des Jahres haben Sorgen um die nachlassende Konjunktur in China, aber auch in Europa und Japan, Schwellenländeranleger verschreckt. Jenseits der negativen Schlagzeilen sind wir jedoch überzeugt: In vielen Regionen und Anlageklassen gibt es weiterhin solide Wachstumschancen.

Wird sich die Erholung 2019 fortsetzen?

Das vergangene Jahr war für Schwellenländeranleger kein Zuckerschlecken. Eskalierende Handelsspannungen zwischen China und den USA, höhere US-Zinsen und ein stärkerer US-Dollar führten zu einer schmerzhaften Korrektur bei EM-Vermögenswerten, insbesondere bei Aktien.

Anfang des Jahres hatten sich die Kapitalmärkte der Emerging Markets rasch erholt, nachdem die Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed in weite Ferne rückten. Zudem erwachte die Hoffnung auf eine Lösung des US-chinesischen Handelskonflikts. Auch wenn der Aufschwung in den letzten Wochen etwas nachgelassen hat, sind wir der Meinung, dass die Erholung weitergehen wird – wenn auch mit einer erhöhten Volatilität.

Auch die relativen Bewertungen und die Aussichten für Unternehmensgewinne stimmen uns zuversichtlich. Schwellenländeraktien werden mit einem Abschlag von rund einem Drittel zu Papieren aus den Industrieländern gehandelt. Und obwohl die Gewinnwachstumsaussichten nach unten redigiert wurden, liegen diese bei Unternehmen aus Schwellenländern immer noch bei 10 Prozent – rund 2 Prozent über dem globalen Durchschnitt. Zudem sind die Margen der EM-Unternehmen noch weitaus geringer als in den Industriestaaten – wir vermuten hier Aufholpotenzial.

Der Kursanstieg des US-Dollar im Jahr 2018 war ein herber Schlag für den externen Finanzierungsbedarf der Schwellenländer. Unserer Ansicht nach ist die US-amerikanische Währung mittlerweile extrem überteuert. Ein Vergleich mit einem handelsgewichteten Währungskorb zeigt: Seit Mitte der 1980er Jahre war der US-Dollar nicht mehr so hoch bewertet. Wir glauben, dass dieser Trend nicht nachhaltig ist und sich sogar umkehren könnte. Das könnte Vermögenswerten aus den Schwellenländern weiteren Auftrieb geben.

Ein weiteres positives Zeichen: In der Vergangenheit haben Unternehmen aus den Schwellenländern oft eine Kursrallye hingelegt, wenn die Gewinne im Vorjahr erheblich höher waren als die Aktienperformance. Das ist auch gegenwärtig der Fall. Aus historischer Perspektive könnten EM-Aktien in diesem Jahr also hohe Erträge abwerfen.

Doch Schwellenland ist nicht gleich Schwellenland. Nicht alle Märkte haben gleichermaßen unter dem starken Dollar gelitten – und sind auch von den Handelsspannungen zwischen den USA und China unterschiedlich stark betroffen. Zudem sind die Länder wirtschaftlich und politisch sehr verschieden. Anleger benötigen daher einen guten Durchblick und eine differenzierte Herangehensweise, was die Regionen, Assetklassen und Sektoren angeht. Wir sehen heute drei Regionen, die aktuell erstaunliche Anlagechancen bieten könnten.