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Medizinisches Personal kehrt vom Einsatz in Wuhan in den Nordwesten Chinas zurück: Im Land des Ausbruchs der Pandemie zieht langsam wieder Normalität ein.  | © imago images / Xinhua Foto: imago images / Xinhua

China und Asien

Die Erholung beginnt

Manraj Sekhon, Chefstratege von Franklin Templeton Emerging Markets Equity

Herr Sekhon, was müssen Anleger über China jetzt wissen?

Manraj Sekhon:  Die Probleme, die sich durch die Ausbreitung des Virus ergeben haben, sind in China inzwischen unter Kontrolle. Die Normalisierung dürfte sich im April fortsetzen. Jetzt stellt sich die Frage, welche Auswirkungen die jetzt außerhalb Chinas wütende Pandemie für das Wachstum und den Export des Landes bedeutet.

Unser Büro ist hier in Singapur. Wir gehören wie China zu den ersten betroffenen Ländern. Hier wurden sehr rasch umfangreiche, aggressive Maßnahmen ergriffen. Wer jetzt aus Europa käme und sich hier in der Innenstadt umsehen würde, würde kaum glauben, dass wir mitten in der COVID-19-Krise stehen. Es greifen derzeit viele Maßnahmen und die Menschen sind sehr vorsichtig. Wenn ich mit unseren Teamkollegen in Shanghai spreche, ergibt sich ein ähnliches Bild. Die Lage war schwierig. Aber auf den Straßen von Shanghai kehrt allmählich Normalität zurück, während die notwendigen Schutzmaßnahmen aufrechterhalten werden.

Kommen wir auf die politischen Instrumente zu sprechen, die zur Unterstützung der Erholung in China zur Verfügung stehen.

Sekhon: Die chinesische Zentralbank springt der Wirtschaft mit umfänglichen Maßnahmen bei: Die Zinsen wurden gesenkt und Unternehmen, die von den COVID-19-Folgen betroffen sind, erhalten Unterstützung bei der Refinanzierung. Die Maßnahmen sollen je nach Entwicklung der Lage nochmals verstärkt werden können. Im Gegensatz zu dem, was wir im Westen beobachten, beispielsweise bei der US-Notenbank, nutzen die chinesischen Behörden die ihnen zur Verfügung stehenden Mittel sehr vorsichtig und auf sehr maßvolle Art und Weise.

Fiskalpolitische Anreize wurden bislang jedoch noch nicht gesetzt. Während der vergangenen 12 bis 18 Monate haben wir weitreichende Reformen in China beobachtet, die eine Reaktion auf den Handelskonflikt sind. Chinas langfristige Reformagenda scheint nicht gefährdet, sie wird jedoch derzeit ausgesetzt, um die Corona-Krise zu bewältigen. Als ganz wichtig interpretieren wir eine Erklärung der chinesischen Führung: Sie hat jüngst bekanntgegeben, dass sich der politische Schwerpunkt vom Wachstum des Bruttoinlandsprodukts auf die Schaffung von Arbeitsplätzen verlagern soll.

Was bedeutet dieser Fokus auf die Beschäftigungssituation?

Sekhon: Diese Krise ist ganz anders geartet als andere große Störfälle im Wirtschaftsleben. In den kommenden Wochen und Monaten werden weitere Ankündigungen der Regierung zur Unterstützung von Unternehmen folgen. Es soll sichergestellt werden, dass die Mitarbeiter ohne Unterbrechung ihre Löhne und Gehälter bekommen, so dass Unternehmen nicht gezwungen sind, Stellen abzubauen.

Was hören Sie derzeit zu den Auswirkungen der Corona-Krise aus China?

Sekhon: Wir stellen in unseren Gesprächen fest, dass sich die Themen generell um Liquidität, Bilanzstärke und die Nähe zum Verbraucher drehen. Für direkt auf Verbraucher ausgerichtete Unternehmen ist die Lage besonders schwierig. Wir beobachten jedoch auch, dass viele Unternehmen nach und nach ihre Kapazitätsauslastung wieder erhöhen und Lagerbestände aufbauen. Dennoch bleibt die globale Nachfrageseite problematisch.

In China rechnen wir während der nächsten sechs bis neun Monate mit einer von der Binnenwirtschaft getriebenen Erholung. Unternehmen, die die lokale Nachfrage in China bedienen, dürften als erste ihre Umsätze wieder erhöhen. Es gibt in China eine erhebliche aufgestaute Nachfrage. Im Zuge der Normalisierung dürfte sich das eher früher als später in den Verbraucherausgaben und freizeitbezogenen Aktivitäten bemerkbar machen.

Wann genau?

Sekhon: Wir erwarten einen rasch zunehmenden Nachfrageanstieg innerhalb der ersten Hälfte dieses Jahres. Aber auch wenn Chinas Binnenwirtschaft rund zwei Drittel der gesamten Volkswirtschaft ausmacht, hängt sehr viel von der weiteren Entwicklung der Exporte ab. Die Lage in den westlichen Industrieländern schlägt natürlich direkt auf die Lage in China insgesamt durch.

Wann könnte sich die Lage insgesamt wieder entspannen?

Sekhon: Sobald bei der Pandemie-Ausbreitung eine Stabilisierung zu erkennen ist – entsprechende Prognosen dürften allerdings äußerst riskant sein – werden die Märkte erkennen, welche dynamischen Auswirkungen die fiskal- und geldpolitischen Maßnahmen haben. Bis dahin müssen wir über die aktuellen Geschehnisse hinausblicken und uns überlegen, wie die Welt gegen Ende des Jahres aussehen wird.

Die niedrigen Ölpreise spielen Schwellenländern aber schon jetzt in die Hände…

Sekhon: Niedrige Energiepreise und eben auch niedrige Ölpreise sind für Asien allgemein gut. Sie helfen jetzt den großen Volkswirtschaften China und Südkorea in dieser schweren Zeit. Gleiches gilt für Japan und Indien.

Welche Chancen bieten sich jetzt dem aktiven Management?

Sekhon: Als aktiven Managern ist uns jederzeit daran gelegen, uns mit Unternehmen auszutauschen, um herauszufinden, wie sie aus dieser Krise hervorgehen werden und wie wir uns in dieser Hinsicht positionieren können. Wir nutzen unsere Möglichkeiten, um bei unseren Investmententscheidungen konsequent aktiv und selektiv vorzugehen.

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