China und die Währungen: Geld aus dem Kofferraum

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Die Aufbruchsstimmung in China ist ungebrochen – auch wenn immer wieder einmal Probleme auftreten. Die große Menge an Menschen und Unternehmen und die damit verbundene Kontrollschwierigkeiten öffnen Korruption und Betrug Tür und Tor. So wurde zuletzt das gesamte Bahnministerium bis hinunter zu Entscheidungsträgern innerhalb der Bahngesellschaft beurlaubt beziehungsweise festgesetzt. Vorteilsnahmen bei der Vergabe von Aufträgen sind an der Tagesordnung.

Immer dann wenn Begehrlichkeiten auftreten und viele schnell etwas vom großen Kuchen abhaben möchten, werden Grenzen der Legalität überschritten. Aber auch die mangelnde Infrastruktur im Bankensektor im Norden des Landes treibt so ihre Blüten. Da fahren Kohleminenbetreiber mit ihren Autos in die Städte und kaufen, was sie kriegen können – nur teuer muss es sein. Wie wird gezahlt? Aus dem Kofferraum, denn der ist randvoll mit Bargeld vom Kohleverkauf.

Problem Währungsreserven

Mal abgesehen von diesen Dingen, über die man hierzulande vielleicht schmunzelt, kommt ein nicht unerhebliches Problem auf China und damit auch auf uns zu. Hintergrund sind die unglaublichen Währungsreserven der Chinesen, die zu 90 Prozent in US-Dollar investiert sind. China ist heute der größte Einzelgläubiger der USA. Die USA drängen die Chinesen, ihre Währung gegenüber dem Dollar aufzuwerten. Man spricht in China von 5 bis 7 Prozent pro Jahr über die nächsten drei bis fünf Jahre.

China hat jetzt schon auf den Anleihebestand, den sie in Dollar halten, einen Verlust von über 200 Milliarden Euro verbuchen müssen. Und das wird so weiter gehen. Der chinesische Renminbi ist an den US-Dollar gekoppelt – noch. Aber irgendwann wird die Kopplung wegfallen und der Renminbi zur freien Währung. Nur was passiert bis dahin?

Eines dürfte klar sein: Für die Amerikaner gibt es nur einen Weg aus ihrer Schuldenfalle herauszukommen – schwacher Dollar und Inflation. Das ist der einzige Weg, den eigenen Export anzukurbeln und ausländische Produkte für Amerikaner teuer und damit unattraktiv zu machen.

Teures Original

Amerikanische Produkte werden so für den Rest der Welt billiger. Den Amerikanern ist der Außenwert des Dollars egal – Rohstoffe wie Öl, Gas, Erze und Edelmetalle werden schließlich in ihrer Währung gehandelt. Da die chinesische Währung noch an den Dollar gekoppelt ist, bedeutet dies auch, dass der Renminbi bei einem Dollarverfall gegen andere Währungen wie etwa den Euro fallen wird.

Chinesische Produkte werden bei uns also günstiger, teurer werden in China Luxusprodukte aus dem Westen. In China wird viel kopiert, von der Rolex bis zu Louis Vuitton. Das aber kaufen nur die Touristen. Und was kaufen die Chinesen? Natürlich die Originale – mit Geld aus dem Kofferraum und als Geldanlage.

Zum Autor: Uwe Zimmer ist Vorstandsvorsitzender des Vermögensverwalters Meridio AG und einer der Experten von www.vermoegensprofis.de.

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