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Parallelen unübersehbar
Wirtschaft vor dem Kollaps: Wie China aus Japans „verlorenem Jahrzehnt“ lernen kann
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Parallelen unübersehbar Wirtschaft vor dem Kollaps: Wie China aus Japans „verlorenem Jahrzehnt“ lernen kann

Der buddhistischer Komplex des Jingan-Tempels in Shanghais Innenstadt
Der buddhistischer Komplex des Jingan-Tempels in Shanghais Innenstadt: Vor allem Chinas Immobilienkrise schwächt die Wirtschaft akut. | Foto: IMAGO / Pond5 Images

Vergleicht man Chinas wirtschaftliche Zukunft mit Japans Vergangenheit, sind die Parallelen unübersehbar. Die Frage, ob China das nächste Japan wird, ist nicht nur für das Land selbst, sondern auch für die globale Wirtschaft von großer Bedeutung.

Japan durchlebte in den 1980er und 1990er Jahren eine wirtschaftliche Krise, die durch einen Rückgang des Arbeits-Inputs, niedrige Inflation und niedrige Zinssätze gekennzeichnet war. Diese strukturellen Probleme führten zu einem langanhaltenden wirtschaftlichen Abschwung, der als „verlorenes Jahrzehnt“ bekannt ist.

Heute steht China vor ähnlichen Herausforderungen, darunter eine alternde Bevölkerung, hohe Verschuldung und ein schwächelnder Immobilienmarkt. Diese strukturellen Gegenwinde könnten China in eine ähnliche wirtschaftliche Sackgasse wie Japan führen.

Was verursachte Japans „verlorene Jahrzehnte“?

Der Begriff „Japanisierung“ wird seit Langem verwendet, um eine wirtschaftliche Situation zu beschreiben, in der die sich verschlechternde demografische Lage und politische Fehltritte niedriges Wachstum, niedrige Inflation und niedrige Zinssätze verursachen. Nach dem Platzen der Blase in den 90er Jahren sah Japan strukturellen Problemen entgegen: Rückgang der Arbeitsleistung und Abwärtsdruck auf die langfristigen Wachstumserwartungen bei Unternehmen und Haushalten.

Dies führte zu geringerem Konsum, Investitionen, Inflation und löste eine Abwärtsspirale aus. Analysten-Einschätzungen verstärkten das. Sie senkten die Prognosen für zukünftiges Wachstum der japanischen Wirtschaft insgesamt und somit auch das erwartete Lebenszeiteinkommen. Damit deflationierten die Vermögenspreise. Die Regierung reagierte, indem sie sich gegen eine fiskale Expansion entschied – und verschärfte damit die Situation. Die Folge: Entlassungen und Kaufkraftverlust. Ein Teufelskreis, der langfristig für strukturelle Probleme sorgte.

 

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Was Chinas Lage mit der Japans gemein hat

Wo aber sind nun die Parallelen zur heutigen Situation in China? In beiden Fällen besteht eine strukturelle Ähnlichkeit, die schwer umkehrbar ist und politische Entscheidungsträger herausfordert. In China spiegelt sich das in einem steilen demografischen Rückgang wider, der das Abhängigkeitsverhältnis verschärft und die zukünftige Nachfrage beeinträchtigt.

Die Größe der Schuldenblase ist ebenfalls alarmierend, obwohl sie in China kleiner ist als damals in Japan. Beide Länder haben mit einer weiteren Schwächung der bereits schwachen Nachfrage zu kämpfen, was das Wirtschaftswachstum gefährdet. Geopolitische Spannungen verschärfen die Situation, da protektionistische Maßnahmen die externe Nachfrage beeinträchtigen. Dennoch können kluges Währungsmanagement und politische Initiativen helfen, eine Wiederholung der japanischen Misere in China zu verhindern.

Die Vor- und Nachteile Chinas gegenüber Japan

Trotz vieler Parallelen sind das Ausmaß und die Schwere der strukturellen Probleme im heutigen Reich der Mitte anders als im damaligen Japan. Auf der positiven Seite verfügt China über eine größere monetäre Politikautonomie und strengere Kapitalkontrollen, was es weniger anfällig für Währungsschwankungen macht. Zudem hat das Land eine niedrigere Urbanisierungsrate und ein geringeres Bruttoinlandsprodukt pro Kopf als Japan in den 90ern, was sein Wachstumspotenzial erhöht.

Auf der negativen Seite steht, dass die politische Unsicherheit in China höher ist, was das Investitionsklima beeinträchtigt. Eine ausgeprägtere Immobilienblase und eine schneller alternde Bevölkerung verschärfen die Herausforderungen. Der strategische Wettbewerb zwischen den USA und China beeinflusst zudem die internationale Wahrnehmung und die Investitionsentscheidungen.

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