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China Zwei Währungen, ein Ziel

Nach einem Juli mit starken Schwankungen im chinesischen Aktienmarkt, machten im August Währungsmaßnahmen Schlagzeilen. Am 11. August nahm die People’s Bank of China (PBOC) eine Anpassung vor, durch die der Yuan den tiefsten Stand gegenüber dem US-Dollar seit drei Jahren erreichte. Am nächsten Tag erfolgte eine weitere Abwertung auf 6,33 Yuan pro US-Dollar. Die Währung wird offiziell als Renminbi/RMB bezeichnet.

Die Währungsabwertungen folgten auf einen Bericht, der einen Exportrückgang im Juli ausgewiesen hatte. Die von der PBOC zugelassene Schwächung der Währung dürfte ein Versuch der chinesischen Regierung gewesen sein, den Exporten neuen Schwung zu verleihen. Eine schwächere Währung macht chinesische Waren weltweit wettbewerbsfähiger.

Die jüngsten Maßnahmen im chinesischen Aktienmarkt und der Landeswährung haben die Aufmerksamkeit auf die politischen Entscheidungen der chinesischen Regierung gesteigert. Der Währungsverlust löste auch Währungsabwertungen in mehreren anderen Ländern sowie Kursverluste in einer Reihe globaler Aktienmärkte aus. Diese Aufmerksamkeit macht deutlich, wie wichtig China innerhalb der globalen Gesamtwirtschaft geworden ist.

Währungsanpassung ein weiterer Schritt zu mehr Marktorientierung?

In der Vergangenheit war der Wechselkurs des Renminbi an den US-Dollar gekoppelt. Seit 2006 bewegt er sich um einen festen Basissatz in einem bestimmten Rahmen, beziehungsweise um einen von der PBOC festgelegten Mittelpunkt. Dieser Bereich wird periodisch angepasst und es wurden ein maximaler Anstieg und ein maximales Absinken von zwei Prozent festgesetzt. Vor weniger als zwei Jahren lag die Maximalspanne der Währungsbewegungen nach oben oder unten bei viel engeren ein Prozent.

Die Notenbank hatte bislang die vollständige Kontrolle darüber, wo der Mittelpunkt festgelegt wird. Für die Zukunft kündigte sie aber an, sie würde die Art der Berechnung der täglichen Handelsspanne ändern. Nach dem 11. August würde der Mittelwert nun auf dem Schlusskurs des Vortages basieren.

China gab an, die Währungsanpassungen wären ein Versuch, sich stärker auf einen marktgesteuerten Wechselkurs zuzubewegen. Man hat ein Programm eingeleitet, durch das die Wirtschaft marktorientierter werden soll. Das bedeutet eine Lockerung vieler zuvor bestehender Beschränkungen. Dazu zählt auch eine Erweiterung der Spanne, innerhalb der die Währung gehandelt werden kann.

PBOC will Flexibilität des RMB-Wechselkurses verbessern

Chinas Währung unterliegt einem gesteuerten freien Wechselkurssystem. Seit dem dritten Quartal 2014 haben jedoch der signifikante Handelsüberschuss sowie die Währungsgewinne des US-Dollar gegenüber anderen führenden Währungen den RMB-Wechselkurs unterschiedlich beeinflusst. Laut PBOC unterscheiden sich die Erwartungen der Marktmacher. Auch der Marktkurs wich über einen längeren Zeitraum hinweg von der zentralen Parität ab.

Die Aktienmarktentwicklung in China war im bisherigen Jahresverlauf stark positiv. Dennoch konnten wir in diesem Sommer eine gewisse erhöhte Volatilität und eine starke Korrektur beobachten. Das veranlasste die Regierung zu Maßnahmen, die unserer Meinung nach dem Ziel widersprechen, die Kurse von Marktkräften bestimmen zu lassen.

Die PBOC kündigte auch an, sie werde die Flexibilität des RMB-Wechselkurses in beide Richtungen verbessern. Sie wolle den Wechselkurs grundsätzlich auf einem „adaptiven und ausgewogenen Niveau“ halten. Dadurch würde es dem Marktkurs ermöglicht, seine Rolle zu spielen, und das gesteuerte freie Wechselkurssystem würde, auf Grundlage von Angebot und Nachfrage, verbessert.

Eine Geschichte zweier Währungen

Tatsächlich hat der Renminbi zwei Kurse. Es gibt einen Onshore-Renminbi, der in Festland China gehandelt wird und der Handelsspanne der PBOC unterliegt. Weiterhin gibt es den Offshore-Renminbi, der frei gehandelt wird. Der Offshore-Renminbi ist tatsächlich schwächer als der Onshore-Renminbi. Daher dürften wir in Zukunft, im Rahmen der Angleichung der beiden Kurse, weitere Abwertungen erleben. Die chinesische Politik dürfte allerdings weiterhin äußerst umsichtig vorgehen und an der Währung keine dramatischen Veränderungen vornehmen.

China hat eine Reihe Währungsabkommen mit einzelnen Ländern abgeschlossen. Mit Argentinien besteht zum Beispiel ein Swap-Abkommen. Das heißt, China akzeptiert den argentinischen Peso im Tausch für Renminbi, der dann für den Kauf von Rohstoffen und anderen Waren in Argentinien aufgewendet werden könnte.

China möchte, dass der Renminbi eine globale Reservewährung wird. Ein wichtiger Schritt dorthin ist seine Akzeptanz im Korb der Special Drawing Rights (SDR) des Internationalen Währungsfonds (IWF). Hierzu zählen unter anderem der US-Dollar, der Euro und der japanische Yen.

In geografischer Nähe nutzt China Hongkong als eine Fallstudie, um zu sehen, wie sich die Offshore-Währung in einem liberaleren Umfeld bewährt. Man kann in Hongkong sowohl in Renminbi, als auch in Hongkong Dollar, US-Dollar und anderen Währungen geführte Bankkonten eröffnen. Dieser Prozess unterstreicht die Tendenz, in welcher Weise chinesische Offizielle verfahren: schrittweise, vorsichtige Veränderungen.

Vorbehalte gegen den Reservestatus?

Die jüngsten Maßnahmen der chinesischen Regierung im Aktienmarkt rechtfertigen die Frage, ob diese ein Rückschlag auf dem Weg des Renminbis zur Reservewährung sind. Ich glaube aber, die SDR-Entscheidung des IWF wird auf einem Schlüsselfaktor beruhen: Inwiefern kann die Währung weltweit frei gehandelt werden? Der Renminbi ist noch nicht ganz an diesem Punkt.

Oberflächlich mag man die Abwertung der chinesischen Währung für interventionistisch halten. Bei näherer Betrachtung kann sie aber auch als das genaue Gegenteil erscheinen. Nach der Währungsanpassung am 11. August äußerte der IWF: „Der neue Mechanismus für die Festsetzung der zentralen Parität des Renminbi, der von der PBOC angekündigt wurde, scheint ein willkommener Schritt zu sein. Er dürfte es Marktkräften erlauben, eine größere Rolle bei der Ermittlung des Wechselkurses zu spielen.“

Der IWF erklärte, er sei überzeugt, China könne innerhalb von zwei bis drei Jahren einen effektiven freien Wechselkurs erreichen. Er kündigte auch an, die jüngsten Währungsangleichungen werden keine direkten Auswirkungen auf die Kriterien haben, die bei der Festlegung der Zusammensetzung des SDR-Korbs angewendet werden. Vielmehr würde ein stärker marktbestimmter Wechselkurs die SDR-Operationen erleichtern.
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