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Asien – vom Wachstum profitieren

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Merlion Park in Singapur Foto: imago images / agefotostock
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Eine neue Rangordnung

Chinas Anleihemarkt gehört die Zukunft

Der chinesische Onshore-Anleihemarkt, auf dem in China begebene und auf Renminbi lautende Anleihen gehandelt werden, gehört zu den größten Kapitalmärkten der Welt. Dennoch sind Anleihen aus dem Reich der Mitte in vielen Portfolios und in globalen Indizes unterrepräsentiert.

Dabei können China-Anleihen für Anleger, die ihr Risiko diversifizieren wollen, eine erfolgversprechende Option sein – zumal sie mit den meisten Industrie- und Schwellenländeranleihen kaum korrelieren. Doch wie ist die auffallend niedrige Korrelation zu erklären? Wir sehen drei Gründe dafür:

1. Die Onshore-Bestände von Investoren aus Übersee bleiben niedrig

Mit der „Bond-Connect“-Regulierung von 2017 wurde ein Weg geschaffen, der es ausländischen Investoren erlaubt, Gelder über Hongkong in die Volksrepublik China fließen zu lassen. Internationale Anleger können mit dem Programm nun in festverzinsliche Produkte investieren und damit von der konjunkturellen Entwicklung Chinas profitieren.

Allein aufgrund von Chinas Größe und wirtschaftlicher Bedeutung sollten chinesische Anleihen in jeder globalen Anlagestrategie berücksichtigt werden. Die Onshore-Bestände haben sich bereits bei ausländischen Investoren zwischen Januar 2017 und Ende Juni 2020 von 0,8 Billionen Renminbi auf 2,57 Billionen Renminbi mehr als verdreifacht.

Doch während der Anteil internationaler Investoren in entwickelten Ländern wie Deutschland, Frankreich, Großbritannien und den USA im Durchschnitt bei 39 Prozent der Anleiheemissionen liegt, werden lediglich 2,7 Prozent der chinesischen Anleihen von ausländischen Anlegern gehalten (Abbildung 1).

Abbildung 1: Globale Märkte im Vergleich – Beteiligung ausländischer Investoren (Stand: Juni 2020)

2. Banken mit „Buy-and-Hold“-Ansatz dominieren den Onshore-Markt

Die Zusammensetzung der Marktteilnehmer in Chinas Onshore-Märkten ist von großer Bedeutung. Banken, darunter hauptsächlich inländische Institute, dominieren das Segment und verfolgen eine „Buy-and-Hold“-Strategie.

3. China betreibt eine andere Geldpolitik als der Rest der Welt

Die chinesische Geldpolitik lehnt sich an ein Modell an, bei dem Banken Zielvorgaben für die Kreditvergabe verfolgen, um bestimmte Wirtschaftszweige zu fördern. Investoren sollten demnach sowohl Änderungen in der direkten Kreditvergabepolitik der Regierung als auch das Zusammenspiel der Zinssätze bewerten. Chinas Geldpolitik konnte 2020 glänzen: Während die Notenbanken der G7-Staaten ihre Leitzinsen nahe Null senken mussten, hat die People's Bank of China (PBoC) hingegen noch Spielraum für weitere Zinssenkungen.

Ist die niedrige Korrelation von Dauer?

Obwohl immer mehr internationale Anleger in den Markt investieren,fällt die Korrelation von Onshore- und Offshore-Anlagen weiterhin gering aus. Bevor wir einen Anstieg der Korrelation wahrnehmen könnten, müsste es zu einer grundlegenden Änderung sowohl in der Geldpolitik als auch im strukturellen Aufbau des Onshore-Anleihemarktes kommen. Zwar ändert sich Chinas Politik bereits, es ist jedoch unwahrscheinlich, das Pekings Regierung ihren Einfluss bewusst schmälern wird.

Dennoch öffnen die Reformen den Markt für lokale und ausländische Pensionsfonds und Vermögensverwalter. Die Wachstumsrate dieser Gruppen bleibt jedoch im Kontext des Gesamtmarktes vergleichsweise klein.

Diversifizierungsvorteile von China-Anleihen

Der chinesische Anleihenmarkt wächst rasant und verändert sich stetig. Die niedrige Korrelation dürfte vor diesem Hintergrund bald den genannten Einflüssen unterliegen: Zunehmende ausländische Beteiligungen, strukturelle Marktveränderungen und die Entwicklung der Geldpolitik.

Wir gehen jedoch nicht davon aus, dass diese Faktoren die Korrelation mit den globalen Märkten in den kommenden drei bis fünf Jahren signifikant erhöhen. Es ist eher anzunehmen, dass die Diversifizierungsvorteile von China-Anleihen zunächst mittelfristig bestehen bleiben.

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