Chinas Autoproduzenten auf dem Sprung

Ein Traum von einem Borgward in Baby-Blau

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Christian Borgward hat eine Vision. Der Enkel des genialen Automobil-Konstrukteurs Carl Friedrich Wilhelm Borgward träumt davon, scheinbar übermächtigen Konkurrenten wie Daimler, BMW oder VW noch einmal das Fürchten zu lehren – so, wie es sein Großvater in den 50er Jahren tat. Damals rollte Borgward mit Erfolgs-Modellen wie dem Hansa 1500, dem Lloyd LP 300 und allen voran dem Borgward Isabella den deutschen Markt auf, schlitterte aber 1961 unter bis heute mit Verschwörungstheorien behafteten Umständen in die Insolvenz.

Schon seit 2008 arbeitet Borgward von Luzern aus an der Wiederauferstehung der ebenso innovativen wie kultigen Marke. Auf dem jüngsten Automobilsalon in Genf verkündete er Details: Das erste neue Modell werde ein Geländewagen für die gehobene Mittelklasse sein, präsentiert auf der Frankfurter Automobil-Messe im September. Pro Jahr sollen zwei bis drei neue Modelle hinzukommen, und ab 2025 will Borgward in jedem Jahr 1,6 Millionen Autos verkaufen – genauso viele wie Daimler heute.

Übermut? Größenwahn? Fachjournalisten von Auto Motor Sport über 1300CCM bis Welt Online beurteilen das Vorhaben eher skeptisch – wollen aber auch nicht gänzlich ausschließen, dass der große Sprung tatsächlich gelingt. Denn immerhin hat Borgward mit dem chinesischen LKW-Hersteller Foton einen kapitalstarken Partner im Rücken, der mit Borgward langfristig eigene strategische Ziele verfolgt.

Es ist nicht der erste Versuch der Chinesen, auf dem globalen Automobilmarkt Fuß zu fassen. So übernahm 2010 der in Hangzhou beheimatete Geely-Konzern bei Volvo das Lenkrad, Anfang 2014 stieg Dongfeng bei PSA Peugeot Citroën ein. Auch Volkswagen-Schreck Qoros rechnet sich gute Chancen aus, in den kommenden Jahren den selbst in der eigenen Heimat bislang unter den Erwartungen gebliebenen Marktanteil zu Lasten der deutschen Hersteller kräftig ausbauen zu können.

Die sich daraus ergebenden Perspektiven scheinen allmählich auch die Börse zu überzeugen. In den vergangenen zwölf Monaten legten die Aktien von Geely und Dongfeng kräftig zu, auch andere börsennotierte Auto-Hersteller wie Qingling Motors, Great Wall Motor Company und allen voran BMW-Partner Brilliance entwickelten sich prächtig. Letzterer kann auch langfristig überzeugen: In den vergangenen fünf Jahren hat sich der Aktienkurs fast verneunfacht.

Bislang spiegelt sich der Aufschwung nur in relativ wenigen Fondsportfolios wider. Wenn überhaupt, dann tauchen Geely, Dongfeng & Co außerhalb reiner China-Produkte nur als kleinere Beimischung auf – etwa im Invesco Asia Opportunities Equity, im MFS Meridian Funds Asia Pacific Ex-Japan und im Invesco Emerging Market Quantitative Equity. Eine Ausnahme stellt allerdings der von Mark Mobius betreute Templeton Asian Growth Fund dar: Dort ist Brilliance mit einem aktuellen Anteil von 7,6 Prozent schon seit längerer Zeit die größte Position, ebenso im Templeton Emerging Markets Balanced mit 4,8 Prozent.

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