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Bergos-Investmentchef Chinas Covid-Politik gefährdet die Weltwirtschaft

Xi Jinping, Staatspräsident der Volksrepublik China
Xi Jinping, Staatspräsident der Volksrepublik China: Seine Null-Covid-Politik ist ein weltweit unterschätzter Risikofaktor, sagt Bergos-Investmentchef Till Budelmann. | Foto: Imago Images / Xinhua

Nach der wirtschaftlichen Erholung im Anschluss an das Überschreiten des Corona-Tiefpunktes rückt in der westlichen Welt nun das Thema Rezession in den Fokus. Wir erwarten insgesamt keinen tiefen Einbruch. In der Eurozone könnte es jedoch zu einer technischen Rezession kommen, die Wirtschaftsleistung also in zwei Quartalen in Folge rückläufig sein. Die USA dürfte hieran knapp vorbeischrammen. Für das Gesamtjahr 2022 rechnet Bergos für beide Regionen mit einem Wachstumsplus von gut 2 Prozent und für die Weltwirtschaft von 2,5 bis 4 Prozent.

Inflation bereitet Sorge

Die Lockdowns haben zu Störungen in den Lieferketten geführt und belasten weiterhin die Angebotsseite. Und die russische Invasion in die Ukraine hat die Energiepreise weiter angeheizt. Die derzeit extremen Werte von rund 7 bis 9 Prozent Teuerung gegenüber dem Vorjahresmonat sollten jedoch bald etwas zurückgehen. Die US-Notenbank Fed hat einen aggressiven Zinserhöhungskurs gestartet. Elf Schritte à 25 Basispunkte, von denen bereits drei erfolgt sind, werden für 2022 erwartet, teilweise in Form von Doppelschritten. Allerdings wird die Inflation nicht wieder auf die für Investoren so bequemen Werte von 0,5 bis 2 Prozent sinken, wie wir sie aus dem vergangenen Jahrzehnt kennen. Stattdessen erwarten wir, dass sich die Inflation infolge von Zweitrundeneffekten bei 3 bis 5 Prozent verfestigt.

China ist ein weiterhin unterschätzter Risikofaktor

Dazu dürfte auch die chinesische Politik beitragen, die Bergos als das derzeit für Wirtschaft und Kapitalmärkte größte Risiko weltweit einschätzt. Damit meinen wir nicht nur regulatorische Vorgaben, die schon im vergangenen Jahr zu spürbaren Risikoabschlägen bei chinesischen Aktien geführt haben. Wir meinen vor allem die Null-Covid-Politik. Die damit verbundenen regionalen Lockdowns, insbesondere die Lage in Shanghai, verschärfen die Lieferkettenproblematik deutlich. Es war erstaunlich, dass die Märkte lange auf die bedrohlichen Nachrichten aus China kaum reagiert haben, das hat sich zuletzt jedoch geändert. Während der Krieg in der Ukraine vor allem die europäische Wirtschaft belastet, sind Lieferkettenstörungen ein globales Problem, das auch die USA trifft, deren wirtschaftliches Wohlergehen wiederum ein wichtiger Faktor für die globalen Aktienmärkte ist. Wir hoffen, dass sich die Lockdown-Problematik nicht verschärft. Zuversichtlich stimmt uns aktuell nur, dass Präsident Xi Jinping auf dem Parteitag im November sicherlich einigermaßen gute Wirtschaftsaussichten für sein Land präsentieren will.

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