Chinesische Terrakotta-Armee

Chinesische Terrakotta-Armee,
Quelle: Fotolia

Chinas Dreifaltigkeit

//

Der Gedanke ist einfach und leuchtet ein: Die durch starke Exportgeschäfte aufgeputschte chinesische Wirtschaft bringt Wohlstand ins Land. Mehr Wohlstand erzeugt höhere Einkommen, höhere Einkommen erzeugen eine Konsumwelle und lösen das Land so schrittweise vom Export. So weit, so logisch. Nur leider können die Chinesen selbst gar nicht so viel und so schnell konsumieren, wie ihnen derzeit der Absatz im Ausland wegbricht. Dabei sehen die Zahlen insgesamt noch gar nicht so schlecht aus. Der Export geht noch nicht zurück, und der chinesische Einzelhandel legte im vergangenen Jahr um mehr als 20 Prozent zu. Nur reicht das nicht mehr für die angestrebten 8 Prozent Wirtschaftswachstum, die die chinesische Regierung erreichen muss, um Unruhen im eigenen Land zu vermeiden. Im letzten Quartal 2008 lag die Wachstumsrate bei aufs Jahr gerechneten 6,8 Prozent, Tendenz fallend. Doch die Regierung regiert nicht nur, sie reagiert auch. Ein Konjunkturpaket über 400 Milliarden Euro hat sie bereits im November auf den Weg gebracht. Schon kündigt Ministerpräsident Wen Jiabao weitere Ausgaben an: „Wir können weitere neue, rechtzeitige und maßgebliche Maßnahmen ergreifen. All diese Schritte müssen präventiv vor einem wirtschaftlichen Einbruch erfolgen“, sagte er der „Financial Times“. Leisten kann er es sich. Die Deutsche Bank schätzt, dass China in diesem Jahr 2,4 Billionen US-Dollar an Währungsreserven auf dem Konto hat. Damit könnte das Land theoretisch Barack Obamas US-Konjunkturpaket gleich zweimal durchdrücken und hätte immer noch Geld übrig. Stabilisierungstendenzen Wie weit der Aktienmarkt die für chinesische Verhältnisse trüben Konjunkturaussichten schon eingepreist hat, ist schwierig zu beurteilen. Aber immerhin haben sich die Kurse, gemessen am marktbreiten CSI 300 Index bereits um 55,4 Prozent von ihrem Allzeithoch am 16. Oktober 2007 entfernt (Stand: 4. Februar 2009). Ein guter Teil davon geht auf den Abbau der zuvor aufgebauten Spekulationsblase zurück.     Das Vertrauen in die Stimulationskraft der chinesischen Regierung ist groß. „Das Konjunkturprogramm entfaltet seine Wirkung ab 2009 und verlagert die mittelfristigen Wachstumstreiber von den Exporten zu Anlageinvestitionen und von privaten zu öffentlichen Investitionen“, sagt etwa Samantha Ho, Investment Direktor bei der Fondsgesellschaft Invesco in Hongkong. Und das ist ja das, was die Regierung will: Wachstum präsentieren, egal woher es kommt. Den Aktienmarkt haben diese Aussichten zuletzt deutlich stabilisiert. Ob das nur eine Pause auf dem Weg nach unten ist oder der Boden für einen Aufwärtstrend – das hängt davon ab, wie gut das Wirtschaftsprogramm am Ende tatsächlich einschlägt. Chinas Buchstabensuppe Wie einfach ist doch das deutsche Aktiensystem: Egal, ob jemand eine Allianz-Aktie in Hamburg, München oder Frankfurt kauft, es bleibt immer dasselbe Papier mit denselben Eigenschaften. In China ist das nicht so sicher. Unter Umständen hat der Aktionär die Wahl zwischen A-, B- und H-Aktien sowie Red Chips. Die A-Papiere notieren an den Börsen von Shenzhen und Schanghai und sind für Landsleute reserviert. B-Aktien können seit kurzem Chinesen und Ausländer gleichermaßen kaufen. H-Aktien notieren dagegen in Hongkong und dürfen bei Jedermann ins Depot außer bei den Chinesen selbst. Und Red Chips wiederum sind Unternehmen aus Hongkong, an denen die Volksrepublik wesentlich beteiligt ist. Alles klar?  >> Grafik vergrößern Durch das Reglement bedingte unterschiedliche Nachfrage nach den unterschiedlichen Aktienklassen sorgen für sehr unterschiedliche Kursentwicklungen. So schafften es die Chinesen, dass ihr Index für A-Aktien, der CSI 300, sich innerhalb von zweieinhalb Jahren in der Spitze versechsfachte, während sich der durch internationale Anleger bestimmte FTSE/Xinhua 25 China, ein H-Aktien-Index, lediglich etwas mehr als verdreifachte. Auch jetzt noch notieren die Aktien aus dem AIndex, gemessen an den Unternehmensgewinnen, fast doppelt so hoch wie die aus dem Xinhua-Index. Dasselbe gilt auch für die B-Aktien im Vergleich zu den Papieren aus dem Hongkong-Markt.      Bonus nur in Hongkong Das eigenartige Aktien-Verwirrspiel wirkt sich auch auf die Zertifikatepalette aus. So gibt es lediglich auf zwei H-Aktienindizes Angebote, die mehr bieten als ein einfaches Indexzertifikat: den Xinhua-Index und den Hang Seng China Enterprises Index (HSCEI). Zwar unterscheiden sich die Indizes in der Marktbreite – der Xinhua umfasst 25 Aktien, der HSCEI 43 – die Entwicklung verläuft jedoch annähernd gleich. Anleger können sich also auf die Auswahl der Zertifikate konzentrieren.   Beim Xinhua-Index sind gleich drei Anbieter mit Indexzertifikaten und einheitlicher An- und Verkaufsspanne (Spread) von 0,9 Prozent am Start. Berücksichtigt man noch das Emittenten-Rating und die an der Börse gehandelten Risikoeinschätzungen, wird das Papier der Hypovereinsbank (HV1A3B) zur ersten Wahl. Die Dividendenausschüttungen von derzeit knapp 4 Prozent im Jahr fallen sowieso weg. Eine währungsgesicherte Variante hat nur die Commerzbank aufgelegt (CB28YQ). Zwar beteuert die chinesische Regierung, sie wolle den Yuan nicht abwerten lassen, aber man weiß ja nie. Da kann das Quanto-Papier helfen. >> Grafik vergrößern Beim HSCEI bringt die Deutsche Bank (372143) die beste Mischung aus Schuldnerbonität und vernünftigem Spread (1,4 Prozent). Eher happig wirkt dagegen das, was Spread-Spitzenreiter Dresdner Bank kassiert: 4,4 Prozent. Auch hier fällt die Dividendenrendite von derzeit 3,7 Prozent weg. Das Yuan-Risiko schaltet wieder die Commerzbank aus (CB6JFS).  In Sachen Bonuszertifikat sieht es insgesamt recht traurig aus. Neun Produkte zählt die Börse Scoach auf den Xinhua-Index. Davon sind bei fünf die Bonusbarrieren gerissen, zwei notieren über ihrem Bonuslevel, und bei einem ist die Bonusrendite indiskutabel. Bleibt nur noch das Papier von Goldman Sachs (GS0N1W), das einen Bonus von 66,5 Prozent bis zum 22. Mai 2012 bietet. Die Barriere, bei deren Reißen der Bonus ausfällt, liegt recht angenehme 30,5 Prozent tiefer.  Beim zweiten Hongkong-Index, dem HSCEI, bleiben von insgesamt 49 Bonuszertifikaten nur drei sehenswerte übrig. Dabei beeindruckt das Papier von Goldman Sachs (GS03AV), mit dem Anleger ihr Kapital bis zum 15. Juni 2012 nahezu verdoppeln können (plus 94,9 Prozent). Die Ex-und-Hopp-Barriere liegt ebenfalls großzügig erscheinende 44,7 Prozent entfernt.  Über ein Discountzertifikat der Royal Bank of Scotland (AA1BA8) ist dagegen ein schneller Euro drin. Es bietet bis zum 25. Juni 2009 einen Gewinn von 14,5 Prozent, was einer Rendite von 43,2 Prozent entspricht. Einen Verlust erleidet der Anleger erst, wenn der Index um gut 15,5 Prozent fällt. Etwas weiter im Geld liegt ein Zertifikat aus demselben Haus (AA1BBA), das erst dann Verluste beschert, wenn der Index bis zum 18. Dezember 2009 um 29,3 Prozent fällt. Bewegt er sich seitwärts, gibt es aufs Jahr gerechnet 20,6 Prozent, was gleichzeitig auch der Maximalrendite entspricht. Das nimmt schon eine Menge Risiko aus dem Abenteuer China. A-Aktien-Index über Umwege Wer in die anderen Aktienklassen Chinas investieren möchte, muss auf Strategiezertifikate verzichten und sich mit einfachen Indexzertifikaten zufrieden geben. Einen sehr wichtigen Schritt machte dabei RBS, die erstmals ein Produkt auf die eigentlich für Ausländer gesperrten A-Aktien auflegte. Dafür nahm die Bank einen Umweg, indem das CSI 300 China Tracker ETF Open End Zertifikat (AA1DEW) einen börsennotierten Indexfonds (ETF für Exchange Traded Fund) aus Hongkong abbildet. Und der wiederum kopiert den CSI 300 Index, der aus den 300 „repräsentativsten“ A-Aktien aus Schanghai und Shenzhen besteht, wie es der Indexanbieter China Securities formuliert. Zwar erreicht der Anleger mit dem Papier eine deutlich breitere Streuung als mit den bisher per Zertifikat abgebildeten Indizes, zahlt jedoch dafür etwas mehr. Denn das Zertifikat allein kostet 1 Prozent im Jahr, die Gesamtkostenquote des ETFs liegt bei zusätzlichen 1,4 Prozent. Dafür reicht RBS die Dividenden durch. Die fallen zwar in China nicht sonderlich üppig aus, summieren sich aber immerhin auf 1,8 Prozent im Jahr. Dieser Artikel stammt aus dem 14-tägigen Online-Magazin DAS DERIVAT. >> Aktuelle Ausgabe herunterladen >> Kostenlos abonnieren   

Mehr zum Thema
Globale Rezession: Carmignac schöpft Hoffnung Nur keine Schwellen-Angst CRBI statt BRIC