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Analyse von Peter Frech Chinas Solarzellen-Schwemme und die Rache des Osmanischen Reichs

Solarmodule im chinesischen Zhangjiakou
Solarmodule im chinesischen Zhangjiakou | Foto: Imago Images / NurPhoto

Die Welt ist immer noch ganz simpel und unipolar, wenn man einer einfachen Gewichtung nach Börsenwert folgt: Die USA sind darin der absolute Gigant. 64 Prozent des MSCI All Country World Index ist in amerikanischen Aktien alloziert. Danach kommt Japan mit 5 Prozent und die größeren europäischen Märkte mit je 2-3 Prozent Gewichtung. Alles in allem sind 80 Prozent in westlichen Industrieländern inklusiv Japan angelegt, davon folglich mehr als Dreiviertel in den USA.

Blickt man jedoch auf den heutigen Globus, so ist diese amerikazentrische Weltsicht der Börsen total obsolet. Der Anteil der USA an der Weltwirtschaft beläuft sich trotz eines starken Dollars auf 25 Prozent, kaufkraftbereinigt sogar nur noch auf 15 Prozent. Eine Gewichtung von 64 Prozent USA wie im Weltindex impliziert, dass die US-Unternehmen angeführt von den Tech-Giganten bis in alle Ewigkeit rund zwei Drittel aller Unternehmensgewinne der Welt einfahren werden.

Aus „Outsourcing“ wird „Friendshoring“

Das war allenfalls noch theoretisch denkbar in einer globalisierten Welt ohne Handelsschranken und politische Rivalitäten. Doch die aktuelle Welt verändert sich dramatisch: Handelsschranken werden hochgezogen, Sanktionen verhängt, mit Krieg gedroht, aus „Outsourcing“ wird „Friendshoring“. Neue Machtblöcke formieren sich um die beiden Pole USA und China.

 

Der zweite Kalte Krieg hat nach Überzeugung prominenter Historiker wie Niall Ferguson schon längst begonnen. Die Herausforderung besteht nun darin, dass daraus nicht der Dritte Weltkrieg wird, sondern dass es wie beim letzten Mal bei einem „Gleichgewicht des Schreckens“ bleibt.

Bleiben wir jedoch bei der wirtschaftlichen Seite dieser epochalen Veränderungen. Entsprechend dem alten Diktum überqueren derzeit zum Glück noch Handelsgüter die Grenzen, nicht Armeen und Raketen. Gemäß den Statistiken der Welthandelsorganisation WTO nimmt das Handelsvolumen wie auch der Wert der gehandelten Güter seit der Covid-Delle wieder zu (siehe Grafik).

Die blaue Linie zeigt den Verlauf des Welthandels in Milliarden US-Dollar. (Quelle: WTO)
Die blaue Linie zeigt den Verlauf des Welthandels in Milliarden US-Dollar. (Quelle: WTO) © Quantex

Noch findet keine Deglobalisierung statt

Es ist folglich falsch, von einer Deglobalisierung zu sprechen, trotz steigenden Handelsschranken. Was effektiv stattfindet, ist eine Repolarisierung des Welthandels. China handelt inzwischen mehr Güter mit Südostasien als mit den USA. Mit der einst glücklichen Handelssymbiose „Chimerika“ ist es definitiv vorbei. Immer mehr chinesische Güter, neuerdings sogar umweltfreundliche Solarpanels und Elektroautos, werden an der US-Grenze mit Zöllen abgeblockt. Das wird mit ziemlicher Sicherheit so bleiben, egal, wer von den beiden bekennenden Protektionisten dieses Jahr die Wahlen ins Weiße Haus gewinnt.

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Während sich die Amerikaner im „Friendshoring“ der Lieferketten in verlässlichere Partnerländer üben, erlebt China einen sagenhaften Exportboom, trotz der fallenden Nachfrage aus den USA. Der monatliche Handelsbilanzüberschuss der Volksrepublik ist auf noch nie dagewesene 70 Milliarden US-Dollar angestiegen. Das ist fast doppelt so viel, wie die einstigen Exportweltmeister Deutschland und Japan zu ihren besten Zeiten zusammen erzielen konnten.

Das Ende des Plastikplunders

Solche riesigen Überschüsse werden erzielt, weil China längst nicht mehr mit billigem Plastikplunder und einfacher Elektronik handelt, sondern in den letzten Jahren einen gigantischen Schritt vorwärts in der Wertschöpfungskette gemacht hat. Seit dem Platzen der heimischen Immobilienblase hat sich dieser Prozess sogar noch beschleunigt, weil nun mehr Ersparnisse der Chinesen über das Bankensystem in den Ausbau der Exportindustrie fließen.

Der weltgrößte Exporteur von Automobilen ist deshalb seit kurzem die Volksrepublik China, welche die langjährigen Dominatoren Deutschland und Japan in Rekordtempo überholt hat (siehe Grafik).

Die Grafik zeigt die Exporte von Passagierfahrzeugen in Millionen pro Jahr. China ist in nur drei Jahren zur weltweiten Nummer eins aufgestiegen. (Quelle: Gavekal Research)
Die Grafik zeigt die Exporte von Passagierfahrzeugen in Millionen pro Jahr. China ist in nur drei Jahren zur weltweiten Nummer eins aufgestiegen. (Quelle: Gavekal Research) © Quantex

Ein Ende der chinesischen Dominanz ist nicht absehbar. Das Land bietet inzwischen qualitativ ordentliche Autos für 10.000 US-Dollar an – ob Verbrenner oder elektrisch –, welche verständlicherweise in Emerging Markets auf großen Anklang stoßen. Schotten sich die USA und nun auch Europa mit Strafzöllen ab, so wird China den Rest der Welt umso mehr mit billigen Autos überschwemmen. 

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