„Chinas Weg führt weg von der Exportabhängigkeit hin zum stärkeren Binnenkonsum“

Raymond Ma managt den China Consumer Fund von Fidelity

Raymond Ma managt den China Consumer Fund von Fidelity

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DAS INVESTMENT.com: Gerade wurden aktuelle Zahlen zur Entwicklung der chinesischen Wirtschaft veröffentlicht. Danach sank das Wirtschaftswachstum im ersten Quartal auf 8,1 Prozent – dem niedrigsten Stand seit drei Jahren. Auch das Plus bei den Exporten ist im April auf 4,9 Prozent gesunken, nach 8,9 Prozent im März. Die Erwartungen lagen bei 8,5 Prozent. Hat die Schuldenkrise der Industrienationen nun auch China endgültig erreicht?

Raymond Ma: Die aktuellen Statistiken zeigen eindeutig, dass die Probleme der Industrienationen nicht spurlos an Chinas Wachstum vorbeigehen. Der Wachstumsrückgang in den westlichen Industriestaaten beeinträchtigt die Aussichten für die auf den Export ausgerichteten Branchen. Schließlich hat Europa einen Anteil von 12 Prozent an den chinesischen Exporten, die USA stehen für rund 10 Prozent. Bei einer tiefergehenden Betrachtung der Handelsbilanz wird aber klar, dass die Export- und Importaktivität hauptsächlich in den Küstenregionen zurückging.  Im Westen und im Landesinneren Chinas hat sie aber stark zugenommen.


Quelle: Fidelity, CEIC, IIFL Research, Grafik vergrößern

DAS INVESTMENT.com: Was bedeutet das?

Ma: Es bestärkt mich in meiner Ansicht, dass die Wachstumsdynamik in Zentralchina intakt bleibt. Das belegen auch die jüngsten Ergebnisse für die Anlageinvestitionen und den Einzelhandel – die Binnennachfrage in China ist relativ stabil. Ich konzentriere mich daher bei der Einzeltitelauswahl weiter auf die noch weniger entwickelten Städte Chinas aus der zweiten Reihe. Derzeit ist der Osten Chinas mit Städten wie Peking, Schanghai und Hongkong wesentlich weiter entwickelt als das Landesinnere. Das zeigt sich etwa an der Einkommensverteilung zwischen Ost und West.

Allerdings sorgen Wachstum und Urbanisierung dafür, dass auch im Westen Chinas, also im ländlicheren Teil, Ballungsräume mit einer stark wachsenden Mittelschicht entstehen. Die Regierung möchte dieses Wachstum weiter in die ländlichen Gebiete im Landesinneren ausdehnen. Einkommen und Konsum werden dort also steigen.

Was die Binnennachfrage stützt, lesen Sie auf der kommenden Seite.