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Eine dynamische Strategie für die Asset-Allokation

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Plenumssitzung der Kommunistischen Partei Chinas Foto: imago images / Xinhua

14. Fünf-Jahres-Plan

Chinas Weg zu größerer wirtschaftlicher Unabhängigkeit

Auf der jüngsten Plenarsitzung hat die chinesische Regierung die Weichen für den weiteren wirtschaftlichen Weg des Landes gestellt: Der beschlossene Fünf-Jahres-Plan lässt optimistisch auf Chinas Zukunft blicken – und für Investoren könnten sich daraus vielfältige Möglichkeiten ergeben. Zwar dürfte sich Chinas BIP-Wachstum allmählich abschwächen: Insbesondere, weil mit den neuen Prioritäten auf Qualität und nachhaltigem Wachstum groß angelegte politische Konjunkturstimuli nicht länger eine Option sind – außer unter extremen Bedingungen. Stattdessen wird auf strukturpolitische Maßnahmen gesetzt, um das Wachstum in bestimmten Branchen gezielt zu unterstützen und gleichzeitig systemische Risiken zu verringern.

Zu diesen strategisch wichtigen Sektoren gehören beispielsweise Technologie, Infrastruktur, moderne Fertigung und erneuerbare Energien. Künftig sollen Spezialbauteile, wichtige Rohstoffe, Expertenwissen und Technologie-Patente möglichst aus China selbst kommen. Helfen soll dabei der „doppelte Wirtschaftskreislauf“. Der erste Kreislauf ist der alles entscheidende: Er soll die inländische Wirtschaft stärken. Ausländische Unternehmen sollen das Ganze unterstützen – der zweite Kreislauf. Davon könnten sowohl Dienstleistungssektoren wie Bildung, Forschung und Entwicklung, als auch das Gesundheitswesen profitieren.

Vier Schwerpunkte des Fünf-Jahres-Plans

Wachstumsziel: Der Fünf-Jahres-Plan zielt darauf ab, Chinas BIP bis 2035 zu verdoppeln. Das entspricht einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von etwa 4,4 Prozent von 2021 bis 2035. Wir gehen allerdings davon aus, dass die Regierung das Wachstumsziel in den kommenden 15 Jahren schrittweise senken wird. Bis 2025 rechnen wir mit einem Wachstum von etwa 5 Prozent. Doch zwischen 2031 bis 2035 dürfte das jährliche Konjunkturplus auf unter 4 Prozent fallen.

Marktöffnung: Der Aufbau einer unabhängigen Wirtschaft bedeutet nicht, dass China seine Türen verschließen wird. Im Gegenteil: Der Fünf-Jahres-Plan sieht sogar vor, dass das Land die weitere Öffnung der Finanzmärkte, die Stärkung des Handelswettbewerbs und die Verbesserung der internationalen Zusammenarbeit vorantreiben wird. Somit dürfte die Internationalisierung des Renminbis zusammen mit der Liberalisierung der Kapitalmärkte wieder an Fahrt aufnehmen.

Umwelt als Schlüsselverpflichtung: China will bis 2060 CO2-neutral werden. In Anlehnung daran forderte das Plenum signifikante Fortschritte bei der Kontrolle des Kohlenstoffausstoßes bis 2035. Das Reich der Mitte dürfte einen hohen Standard für den Umweltschutz setzen. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass die Nachfrage nach entsprechenden Ausrüstungen, Dienstleistungen und Investitionen rasch wachsen wird.

Chinas Ziel wird das Wachstum der Stromerzeugung, -übertragung und -verteilung aus erneuerbaren Energien beschleunigen. Trotz des langfristigen Schwerpunkts auf erneuerbare Energien und Kohlenstoffneutralität ist jedoch zu erwarten, dass traditionelle Energiesektoren weiterhin eine Schlüsselrolle spielen werden.

Daneben setzt das Reich der Mitte zunehmend auf E-Mobilität. Davon dürften unter anderem Bergbauunternehmen profitieren, die dafür benötigte Rohstoffe wie Nickel, Lithium, Kobalt, Kupfer und Mangan fördern.

Innovation und Technologie: Bis 2035 soll die Unabhängigkeit in Schlüsseltechnologien wie beispielsweise Halbleiter und künstliche Intelligenz gewährleistet werden. China will seine Technologiekapazität ausbauen und auf Unternehmen aus den Branchen KI, Quanteninformation, integrierte Schaltkreise und Biotechnologie setzen. Es ist zu erwarten, dass das Reich der Mitte mehr in Forschung und Entwicklung sowie Bildung investieren wird.

Die Bemühungen um Autarkie in der Halbleitertechnologie könnten jedoch noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Kurzfristig dürften die weiter bestehenden geopolitischen Risiken jedoch Gegenwind für die Branche bedeuten.

Führende Internet-Plattformen bleiben Nutznießer der neuen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Die Digitalisierung hat sich aufgrund von Covid-19 unerwartet beschleunigt, insbesondere Dienstleistungen wie Lebensmittel-Lieferservices, Bildung und Gesundheitsfürsorge haben sich zunehmend in die digitale Welt verlagert. Investitionen in Bereiche wie Cloud, Big Data und KI dürften auch hier eine immer größere Rolle einnehmen.

Für Anleger eröffnen sich Chancen

Zusammengefasst erwarten wir zunehmende Investment-Möglichkeiten in strategisch wichtigen Branchen wie beispielsweise Technologie, erneuerbare Energien und Unternehmen aus dem Konsumbereich. Ebenfalls interessant für Anleger ist der Dienstleistungssektor. Denn sowohl das Bildungs- als auch das Gesundheitswesen dürften von staatlicher Unterstützung profitieren. Anleger sollten in der Übergangsphase Chinas allerdings sehr selektiv vorgehen.

 

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