DAS INVESTMENT: Herr Funke, der Dax eilt von Rekord zu Rekord, während die USA schwächeln. Wie zufrieden sind Sie mit der Performance Ihres Deutschland-Fonds S4A Pure Equity Germany?
Christian Funke: Sehr zufrieden! Es ist schön zu sehen, dass Deutschland mal im Fokus steht. Da freut es uns natürlich, dass wir sogar den Dax schlagen.
Wie schaffen Sie es, sowohl Dax als auch M-Dax zu übertreffen?
Funke: Wir haben einen wissenschaftlichen Investmentprozess entwickelt. Das heißt: Wir gehen systematisch und regelgebunden vor, basierend auf Erkenntnissen der empirischen Kapitalmarktforschung. Konkret kombinieren wir über das Jahr hinweg Dax und M-Dax nach einer klaren Systematik. Zum Jahresanfang steht saisonal mehr der M-Dax im Fokus, im letzten Quartal – also Oktober, November, Dezember – spielen dann die Standardwerte eine größere Rolle. So ist es uns gelungen, über die Historie des Fonds beide Indizes zu schlagen.
Nach welchen Kriterien wählen Sie die einzelnen Aktien für Ihren Fonds aus?
Funke: Das ist der spannende Teil: Wir denken andersherum. Statt zu überlegen, welche Aktie wir kaufen, denken wir darüber nach, welche Aktien wir weglassen. „Anders denken, anders performen“ nennen wir das. Die empirischen Validitäten sind auf der Negativseite viel höher. Wir eliminieren Firmen mit extremen Bewertungen, sehr hohen Risiken oder sehr schlechter Kursentwicklung. Es ist deutlich zielorientierter, diese Titel nicht zu kaufen, als sich zwischen den günstigsten und mittelgünstig bewerteten Aktien zu entscheiden.
Das Universum, auf das sie dabei in Deutschland zurückgreifen können, ist relativ eng ...
Funke: Genau, wir haben in Dax und M-Dax nur etwa 90 liquide Titel. Um ein diversifiziertes Portfolio zu bekommen, halten wir davon rund 45 bis 50 Aktien – also etwa die Hälfte des Universums. Die Kunst liegt darin, die richtigen wegzulassen.
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Rheinmetall ist aktuell hoch gewichtet in Ihrem Portfolio. Sind Sie schon länger dabei oder erst seit dem Rüstungsboom?
Funke: Das hat nichts mit dem aktuellen Boom zu tun. Wir sind keine Trendfollower. Rheinmetall hat inzwischen eine relativ hohe Gewichtung in den Indizes erreicht. Aber wichtig ist: Wir halten keine Position über zehn oder 14 Jahre. Es gibt Titel, die nach unserer Systematik immer mal wieder rein- und rausgehen. Die aktuelle Gewichtung von etwa 4,5 Prozent ist eine Momentaufnahme. In ein paar Monaten sieht das wahrscheinlich schon wieder anders aus.
Viele sagen, bei Rüstungsaktien sei es jetzt schon zu spät zum Einsteigen. Die Bewertungen seien zu hoch ...
Funke: Ich habe hier auf meinem Schreibtisch immer eine Glaskugel stehen. Wenn ich reinschaue, sehe ich nur mein Spiegelbild – und das auch noch umgekehrt. Die Zukunft kann keiner vorhersagen. Ja, die Bewertungen sind hoch. Aber wenn tatsächlich nahezu alle europäischen Länder Richtung 5 Prozent Verteidigungsausgaben gehen, könnte Rheinmetall in diese Bewertung reinwachsen.
Was ich aber kritisch sehe: Man sollte nicht die bisherige Kursentwicklung in die Zukunft extrapolieren. Nur weil sich eine Aktie verdreifacht hat, heißt das nicht, dass sie sich nochmal verdreifacht. Rheinmetall tritt ja schon seit zwei Monaten auf der Stelle.
Apropos Trends – erst waren es Clean-Energy-ETFs, dann Nasdaq-100, jetzt Rüstungs-ETFs ...
Funke: Genau, 2021 sind alle in Clean-Energy-ETFs gerannt, letztes Jahr in Nasdaq-100-ETFs, und dieses Jahr sind Rüstungs-ETFs die neuen Nasdaq-100-ETFs. Nächstes Jahr ist es wieder was anderes.
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Wer vernünftige Portfolios baut, sollte sich davon lösen und keine unnötigen Konzentrationen in einzelnen Sektoren eingehen. Diversifikation ist in den letzten Jahren fast in Vergessenheit geraten. Alle haben nur in die USA investiert. Dieses Jahr merken plötzlich alle: Oh, ich sollte doch diversifizieren!
Spielen ethische Kriterien bei Ihnen eine Rolle? Rüstungsaktien in nachhaltigen Fonds sind ja heftig diskutiert worden.
Funke: Im S4A Pure Equity Germany spielt das keine Rolle. Da investieren wir völlig wertfrei und emotionslos nach unseren quantitativen Selektionskriterien. Das ist unser Produktversprechen. Interessanterweise habe ich aber einen Investor, der schon vor vier, fünf Jahren sagte: Für ihn zählen Rüstungstitel im Sinne wehrhafter Demokratie zur Nachhaltigkeit. Aber wenn jemand nachhaltig investieren will, haben wir andere Produkte wie unseren Better Future Aktien Gobal Fonds.
Sie arbeiten seit 20 Jahren systematisch. Welche Rolle spielt KI heute bei Ihnen?
Funke: Früher hieß es maschinelles Lernen, heute KI – wir nutzen das seit 20 Jahren. Aber nicht zum Investieren. Wir nutzen es, um unsere tägliche Arbeit zu unterstützen.
Der große Unterschied heute: Früher konnten nur die drei, vier Programmierer bei uns diese Tools nutzen. Jetzt können alle 30 Mitarbeiter damit arbeiten. Wo ich früher fünf Programmierer brauchte, reicht heute einer. Das ist ein enormer Produktivitätshebel.
Aber bei der Aktienselektion spielt KI keine Rolle. Die KI halluziniert bekanntlich und denkt sich Dinge aus. Das funktioniert im Portfolio-Management nicht. Wir lassen die KI nicht unsere Aktien kaufen.
Sehen Sie KI als Bedrohung für Ihr Geschäftsmodell?
Funke: Überhaupt nicht. Wir sind selbstbewusst genug zu sagen: Was wir seit 20 Jahren machen, machen wir gut. Man fährt immer noch besser mit einer sinnvoll zusammengesetzten Systematik als mit irgendeinem Chatbot. Für uns ist KI eine Chance, weil wir durch unsere Nähe zu IT und Automatisierung Startvorteile haben gegenüber anderen, die noch manuell arbeiten.
Sie haben Wirtschaftsinformatik studiert. Wie sind Sie zum Fondsmanagement gekommen?
Funke: Ich stand damals zwischen Wirtschaftsmathematik und Wirtschaftsinformatik, entschied mich für Letzteres und bin dann in Richtung Finance. Eigentlich wollte ich dann ins Investment Banking, M&A-Beratung machen. Dann hat mich mein Professor an der European Business School mit seinen Vorlesungen über Derivate und Asset Management begeistert. Er bot mir an, bei ihm zu promovieren. Ich dachte mir: Bevor ich bei Goldman Sachs im Turm in Frankfurt Fusionsprojekte mache, promoviere ich erst einmal. So bin ich ins Asset Management und in die empirische Kapitalmarktforschung gerutscht. Damals gab es Python noch gar nicht, wir haben alles in Matlab programmiert.
Mit zwei Kollegen vom Lehrstuhl haben wir dann Source For Alpha gegründet – also quasi nicht aus Liebe zur Aktie, sondern aus Liebe zum systematischen Investieren.
Was sagen Ihre wissenschaftlichen Daten zur weiteren Entwicklung 2025?
Funke: Die größte Unsicherheit sind die Trump-Zölle. Alle verlassen sich auf „Taco – Trump always chickens out“. Aber stimmt das wirklich? Global diversifizierte Portfolios sollten eigentlich gut im Plus liegen, außer man ist MSCI-World-mäßig mit zu hohem US-Anteil unterwegs. Das größte Risiko wäre, wenn Trump mit seinen Zöllen übertreibt. Und natürlich geopolitische Unsicherheiten, die heißer werden könnten. Aber das kann man vorher nicht sehen – auch nicht mit meiner Glaskugel.
Über Christian Funke und Source For Alpha
Christian Funke ist Gründer, Vorstand und Fondsmanager von Source For Alpha. Er ist verantwortlich für den Vertrieb in der privaten Vermögensverwaltung, Marketing und Kommunikation, Personal, Finanzen und Recht sowie interne Revision. Er promovierte am Stiftungslehrstuhl Asset Management der EBS Universität für Wirtschaft und Recht.
Source For Alpha verwaltet ein Vermögen von 1,3 Milliarden Euro. Gegründet wurde der Vermögensverwalter mit Sitz im Frankfurter Westend 2010, zu den Vermögensverwaltungskunden zählen Privat- und Unternehmerkunden, Family Offices und Stiftungen. Zudem bietet Source For Alpha Publikums- und Spezialfonds für institutionelle Investoren an. Zu den Vorständen zählen neben Christian Funke, Timo Gebken, Dieter Helmle und Gaston Michel.