Die Fondsbranche ist gut darin, Leistung zu messen. Rendite, Mittelzuflüsse, Kostenquoten, Sterne, Rankings – für fast alles gibt es eine Kennzahl und einen Pokal. Nur bei einer Frage hört die Messbarkeit auf: Was macht eigentlich einen guten Chef aus? Und wie viel von einem guten Jahr geht auf sein Konto und wie viel auf einen freundlichen Markt?

Genau da will Christian Haas ansetzen. Haas sitzt in der Schweiz, sein Partner Stephan Volkmann in Frankfurt, ihre Boutique Eleway arbeitet ausschließlich für eine Branche: Asset Management. Die erste Hälfte seiner Karriere hat Haas selbst dort verbracht, bis Ende 30 die Frage kam, ob er die nächsten 30 Jahre im selben Setting bleiben will. Er wurde Headhunter. Einige hundert Gespräche hat er seitdem mit Leuten geführt, die noch nie auf einem Chefsessel saßen, aber darauf sollten.

Jetzt kommt ein Award dazu, verliehen im Dezember. Ausgezeichnet wird nicht das Was, sondern das Wie. Denn Performance im Asset Management, sagt Haas, kann von einem günstigen Marktzyklus getragen sein, von einem gerade gefragten Investmentstil, von einem einzelnen Produkt oder von einem starken Portfoliomanager. Umgekehrt sei die Leistung eines CEOs im Turnaround womöglich die anspruchsvollere, lange bevor sie in den Zahlen auftaucht. „Die Außendarstellung ist nicht gleich der Realität.“

Auf die Frage, wie er den Anteil des Chefs vom Rückenwind des Marktes trennt, antwortet Haas mit einem Bild. Leuchttürme, zitiert er auf Englisch, rennen nicht über die Insel, um Boote zu retten. Sie stehen da und leuchten. Orientierung geben heiße nicht, die Zukunft zu kennen, sondern unter Unsicherheit klare Entscheidungen zu treffen und der Organisation zu sagen, wo Energie investiert wird und wo nicht.

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Doch wie bewertet man das, ohne beim Bauchgefühl zu landen? Auf zwei Nachkommastellen messbar sei das nicht, sagt Haas. Aber: qualitativ heiße nicht beliebig. Fünf Ebenen hat Eleway definiert, von Investment-Architektur über strategische Umsetzung und Kultur bis zu Trust and Character.

Und auch ein weiteres Thema nimmt im Podcast-Gespräch viel Raum ein: die Kultur einer Firma. Die erkenne man erst, wenn Werte etwas kosten, also wenn zwei davon miteinander konkurrieren. Sein Beispiel: Ein Haus schreibt sich Teamzusammenhalt auf die Fahne und muss gleichzeitig Alpha liefern. Dann kommt ein Star-Portfoliomanager, der starkes Alpha abliefert und dabei systematisch die Teamdynamik beschädigt. Was macht die Organisation? Genau da entscheide sich, ob Kultur gelebt wird oder nur als Werteposter an der Wand hängt.

Sein eigener Lackmustest ist simpel: Wenn er in London einen Kunden besucht, achtet er darauf, wie er an der Rezeption empfangen wird. Kultur, sagt er, sei wie ein Garten, wer nicht dranbleibt, bei dem wuchert es schnell.

Eine Beobachtung hat er jetzt schon: In der ersten Evaluationsrunde des Awards fallen ausgerechnet jene Chefs positiv auf, die am wenigsten an ihrem Posten kleben. Mehr Einblicke in den Arbeitsalltag eines Headhunters gibt es im Podcast.