Christian Kussmann ist nicht mehr Mitglied des Vorstands der HDI Versicherung. „Nach knapp 3,5 Jahren endet mit diesem Monat meine Zeit beim HDI. Jetzt kümmere ich mich erstmal um Familie und Garten. Und dann starten neue Abenteuer“, kündigt der 43-Jährige in den Sozialen Medien an, ohne weitere Details zu seinen zukünftigen Job-Plänen zu nennen. Er bezeichnet sich selbst als erfahrenen Versicherungsexperten mit Schwerpunkten in Firmenversicherungen und Vertrieb. Zum Abschied dankt er bestimmten Kollegen und allen Vertriebspartnern für die „tolle und erfolgreiche Zusammenarbeit“. 

Assistent des Ergo-Vorstandschefs 

Der studierte Wirtschaftswissenschaftler startete seine berufliche Karriere 2007 als Assistent des Vorstandsvorsitzenden der Ergo Versicherungsgruppe mit Sitz in Düsseldorf. Nach Stationen als Underwriter und Leiter des Haftpflichtbereichs für Industriekunden wechselte er zunächst als Projektleiter und später als Bereichsleiter in den Maklervertrieb Schaden/Unfall und entwickelte die strategischen Grundlagen für die Neuausrichtung des Unternehmensbereichs. Seit Oktober 2018 war Kussmann zweieinhalb Jahre lang für den Kölner Wettbewerber Gothaer als Leiter des Geschäftsfeldes Gewerbe tätig. 

Geschäftsbereich weiterentwickeln 

Im April 2021 trat Kussmann dann seine neue Position als Bereichsvorstand des nach Firmenangaben neu geschaffenen HDI-Geschäftsfelds Firmen/Freie Berufe an. Als Teil des Führungsteams berichtet er direkt an den damaligen HDI-Vorstandsvorsitzenden Christoph Wetzel. Der ehemalige Berater bei McKinsey war im Mai vom Vorstand der Basler Versicherungen zu der Tochtergesellschaft des Talanx-Konzerns aus Hannover gewechselt, um das HDI-Geschäft in der Schaden- und Unfallversicherungen zu übernehmen. Zu Wetzels Hauptaufgaben zählte es, Geschäftsprozesse zu straffen. 

HDI von Krise im Kfz-Geschäft erfasst 

„Wir stehen mit der weiteren Umsetzung unserer Sachversicherungsstrategie vor vielfältigen Herausforderungen“, gab Wetzel damals zu. Doch er sei „überzeugt, dass es mit Christian Kussmann für Firmen/Freie Berufe gelingen wird, unsere Neuausrichtung in diesem Geschäftsfeld voranzutreiben und so weiteres Wachstum zu erreichen.“ Mittlerweile ist aber auch der HDI von den Problemen vieler Sachversicherer betroffen: „Die Lage am Versicherungsmarkt für Privatkunden ist aktuell insbesondere durch die Verluste in der Kfz-Versicherung, aber auch im privaten Sachversicherungsgeschäft schwierig“, heißt es in einem Schreiben, das der Redaktion von DAS INVESTMENT vorliegt

Kfz-Versicherer schreiben Verluste 

Die deutschen Versicherer verzeichneten allein mit Kfz-Policen im vergangenen Jahr branchenübergreifend einen Verlust von circa 3,3 Milliarden Euro. Für 2024 liegt die Prognose sogar bei einem Verlust von 2,4 Milliarden Euro. „Dieser Tendenz können wir uns auch bei HDI nicht entziehen“, erklärt der Versicherer. Auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) hat bereits auf diese Entwicklung reagiert. Die Bonner Branchenkontrolleure erwarten von den Versicherern, dass sie ihr Geschäft kostendeckend betreiben. 

HDI stellt Vertrieb über Maklerpools ein 

Im kommenden Monat stellt der Versicherer im gesamten deutschen Markt der Maklerpools das Neu- und Ersatzgeschäft mit Kfz-Policen ein. „Wie jeder andere Versicherer auch, überprüfen wir regelmäßig unser Angebot in Hinblick auf die Profitabilität. Daraus ergibt sich, dass wir im Bereich Maklerpools das Privatgeschäft einschränken und die Kapazitäten auf das Gewerbe- und Lebensversicherungsgeschäft lenken wollen“, teilt der HDI den betroffenen Vertriebspartnern aktuell mit. Nun will man auch den eigenen Vorstand verschlanken. 

Chef- und Strategiewechsel beim HDI 

Kussmanns Aufgaben als Bereichsvorstand für das Geschäftsfeld Firmen/Freie Berufe erledigt ab sofort der neue HDI-Vorstandsvorsitzende Daniel Schulze Lammers mit. Der 44-Jährige folgte Mitte dieses Jahres auf Herbert Rogenhofer, der im Alter von 60 Jahren in den Ruhestand gegangen ist. Rogenhofer hatte kurz nach Kussmanns Antritt einen Chef- und Strategiewechsel beim HDI eingeläutet: Er übernahm zusätzlich zu seinen Aufgaben als Vorstand für Privatversicherungen ein Jahr lang auch den Verantwortungsbereich von Wetzel, der heute im Aufsichtsrat eines Run-off-Versicherers sitzt

Zukunft des Geschäfts mit Firmenkunden 

Das Geschäft mit keinen und mittelständischen Unternehmen sowie Freiberuflern sollte dagegen Kussmann ausbauen, der das Unternehmen jetzt aber „in bestem gegenseitigem Einvernehmen verlassen hat“, wie ein Sprecher gegenüber DAS INVESTMENT bestätigte. Laut Versicherungsmonitor habe Kussmann nicht mehr in die Personalplanung von Schulze Lammers und der HDI Deutschland gepasst. Diese Aussagen wollte der Unternehmenssprecher aber nicht bestätigen. Zu Vertragsdetails einzelner Vorstandsmitglieder äußere man sich grundsätzlich nicht, hieß es zur Begründung weiter. 

 

Schulze Lammers leitete vor seinem Wechsel zum HDI sechs Jahre lang das Privatkundengeschäft der Axa, war Vorstand des konzerneigenen Direktversicherers und verantwortete später das Industriegeschäft. Zuvor war er bereits für den HDI tätig: „Im Jahr 2016 hatte er die Leitung des Produktmanagements Sach von HDI inne“, berichtet das Unternehmen. Ob nun der frei gewordene Vorstandsposten für Firmen/Freie Berufe dauerhaft neu besetzt und es dieses Geschäftsfeld weiterhin als eigenständigen Bereich im Unternehmen geben wird, teilte ein HDI-Sprecher auf Anfrage von DAS INVESTMENT nicht mit.