Langfristig erfolgreiche Vermögensverwaltung beginnt selten mit der Frage nach dem nächsten Investment. Im Podcast For Professional Investors Only spricht Christian Wiehenkamp, Investmentexperte bei Perpetual, über den Wert strategischer Disziplin, die Bedeutung funktionierender Family Governance und darüber, weshalb viele Anleger ihrem Vermögen selbst im Weg stehen. Perpetual wurde als Family Office der Familie Wilsdorf gegründet. Hans Wilsdorf gründete 1905 Rolex.
Wer Christian Wiehenkamp zuhört, merkt schnell, dass ihn kurzfristige Marktbewegungen deutlich weniger interessieren als die Mechanismen, die Vermögen über Jahrzehnte tragen. Viele Gespräche in der Finanzbranche beginnen aus seiner Sicht an der falschen Stelle. Statt über Produkte oder aktuelle Markttrends zu sprechen, müsse zunächst geklärt werden, welches Ziel ein Vermögen überhaupt erfüllen soll. Im Podcast bringt er diese Sichtweise auf den Punkt: „Individualität gehört in die Ziele, in die Steuersituation und in die Governance.“ Erst wenn diese Fragen beantwortet seien, lasse sich entscheiden, wie ein Portfolio sinnvoll aufgebaut werden sollte.
Kritisch blickt Wiehenkamp auf den zunehmenden Aktionismus an den Kapitalmärkten. Noch nie war es so einfach, jederzeit auf das eigene Depot zuzugreifen oder innerhalb weniger Sekunden eine Anlageentscheidung zu treffen. Genau darin sieht er jedoch eine Gefahr. „Es ist manchmal gar nicht so leicht, einfach mal die Füße stillzuhalten“, sagt er im Podcast. Viele Anleger reagierten auf jede Marktbewegung, obwohl eine langfristig ausgerichtete Strategie häufig gerade dadurch erfolgreich sei, dass sie nicht ständig verändert werde. Dieses Verhalten beobachte er ausdrücklich nicht nur bei Privatanlegern, sondern ebenso auf der professionellen Seite der Vermögensverwaltung.
Auch beim Thema Diversifikation plädiert Wiehenkamp für einen anderen Blick auf Portfolios. Klassische Anlageklassen allein reichten heute nicht mehr aus, um Risiken wirklich zu verstehen. Themen wie Künstliche Intelligenz wirkten inzwischen gleichzeitig auf Aktien, Infrastruktur, Immobilien und Kreditmärkte. Deshalb spreche er lieber von Risikotreibern als von Anlageklassen. Wer nur die Überschriften eines Portfolios betrachte, übersehe häufig die eigentlichen Zusammenhänge. Ziel müsse es sein, Risiken dort zu erkennen, wo sie tatsächlich entstehen, und nicht erst dort, wo sie im Reporting sichtbar werden.
Am Ende steht für Wiehenkamp deshalb nicht die Frage nach dem nächsten Investment, sondern nach der Qualität der Entscheidungen. Familien, die Vermögen über Generationen erhalten wollen, müssten sich früh auf gemeinsame Leitlinien verständigen und diese konsequent leben. „Ich glaube, es ist ganz entscheidend, dass man klares Verständnis über die Anlageziele hat. Idealerweise sind die auch noch abgeleitet aus einer Familiencharta“, sagt er im Podcast. Genau darin sieht er den eigentlichen Schlüssel für langfristigen Vermögenserhalt. Eine gute Anlagestrategie beginne nicht mit der Auswahl eines Fonds, sondern mit einem gemeinsamen Verständnis darüber, wohin die Reise gehen soll.
Hören Sie hier den Podcast in voller Länge:
