Christoph Bruns und Ufuk Boydak „Deutschland reformunfähig, Großbritannien kopflos und Italien von Komikern mitregiert“

Christoph Bruns und Ufuk Boydak, Vorstände und Fondsmanager bei Loys | © Loys

Christoph Bruns und Ufuk Boydak, Vorstände und Fondsmanager bei Loys Foto: Loys

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Das Jahr 2018 hat zunächst sehr zuversichtlich begonnen, nachdem der amerikanische Kongress im Dezember 2017 eine Steuerreform mit erheblich sinkenden Unternehmenssteuersätzen beschloss. Dann aber machten sich ab Ende Januar 2018 Zinserhöhungssorgen breit und die Rendite zehnjähriger amerikanischer Staatsanleihen liebäugelte mit der drei-Prozent-Schwelle.

In Windeseile übertrugen sich die Zinsängste auf andere Märkte und sorgten auch dort für gedämpfte Stimmung. Erst im Spätsommer erklomm dann das wichtigste US-Börsenbarometer, der S&P 500 Index, angesichts guter Halbjahresergebnisse vieler Unternehmen neue Höchstkurse. Angetrieben wurden die Aktien dabei besonders von einem FAANG genannten Quintett aus Internetaktien, namentlich Facebook, Amazon, Apple, Netflix und Google.

Aktienmärkte in Deutschland und China schließen deutlich im Minus

In Ermangelung solcher Titel vermochten die europäischen und asiatischen Börsen dem amerikanischen Schritttempo nicht zu folgen. Hinzu trat das ständige erratische Störfeuer aus dem Weißen Haus, das schließlich in weitreichende Handelsstreitigkeiten mit neuen Zöllen und Abgaben führte. So nahm es nicht Wunder, dass der chinesische und der deutsche Aktienmarkt angesichts der Exportorientierung vieler dort notierter Aktien mit starkem Gegenwind zu kämpfen hatten. Mit einem Jahresminus von circa 25 Prozent führt China die Liste der großen Volkswirtschaften an. Dem Kurs-Dax erging es mit einem Minus von circa 23 Prozent nicht wesentlich besser.

Während aber amerikanische Dividendentitel den größten Teil des Jahres im Plus verweilten, gossen die Quartalsberichtszahlen aus dem Oktober und dem November zunehmend Wasser in den Börsenwein. Nicht zuletzt einige der überbeliebten FAANG-Aktien mussten enttäuschende Wachstumsaussichten verkünden. Überhaupt mehrten sich ab dem dritten Quartal des Jahres sogenannte Gewinnwarnungen, bei welchen Unternehmen über schwächere Geschäftsverläufe berichteten. Ungefähr zwei Drittel aller Dax-Aktien mussten verhaltene Gewinnverläufe ankündigen. Begleitet wurden die schlechter werdenden Unternehmensmeldungen durch fortwährende Hiobsbotschaften von der Makro-Front. Zunächst hatte eine Rechts-Links-Koalition in Italien die Regierungsgeschäfte übernommen. Fortan wurde jedwede Haushaltsdisziplin, sofern es eine solche vorher gegeben haben sollte, spornstreichs zugunsten höherer Staatsausgaben aufgegeben.

Währungsmärkte im Rückblick

An den Kapitalmärkten blieb der Husarenstreich nicht unbeobachtet und schickte italienische Anleihen ebenso wie die Gemeinschaftswährung Euro auf Talfahrt. Ebenfalls abwärts ging es mit dem britischen Pfund, nachdem inzwischen Jedermann klar geworden ist, dass der anvisierte Brexit überwiegend Verluste und nur wenige Vorteile eintragen wird. Musste man zu Beginn des neuen Jahrtausends noch circa 1,60 pro Pfund bezahlen, so sind es heute nur noch circa 1,10 Euro. Aber auch in unserem Nachbarland Frankreich mehren sich die Anzeichen, dass die politischen Flitterwochen des jungen Präsidenten langsam in einen Krisenmodus umschlagen.

Besser erging es dem US-Dollar und dem japanischen Yen. Beide Währungen konnten sich gegenüber dem Euro um circa 5 Prozent befestigen. Die Dollarentwicklung ist überwiegend der gewachsenen Zinsdifferenz zwischen den Vereinigten Staaten und Europa zuzuschreiben, denn die dortige Notenbank Fed hob den Leitzins im Jahr 2018 nicht weniger als viermal auf inzwischen 2,5 Prozent an. Während amerikanische Zinsen über das gesamte Laufzeitspektrum der Zinsstrukturkurve anstiegen, blieben in Deutschland die Kurzfristzinsen stabil negativ und am langen Ende fielen sie im Jahresverlauf etwas. Zum Jahresultimo lag die Rendite der marktführenden zehnjährigen deutschen Staatsanleihe bei 0,25 Prozent. Zugleich pendelte sich die Inflationsrate für den Euroraum und Deutschland auf einem Niveau von circa zwei Prozent ein, sodass mit Zinsanlagen in Deutschland kein realer Vermögenszuwachs möglich war.