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Effiziente Kreislaufwirtschaft Gebrauchen und wegwerfen? Wie das Depot von Recycling profitieren kann

Recyclingstation auf dem Genter Jazzfestival in Belgien, Juli 2023: Laut OECD hat sich das weltweite Aufkommen an Kunststoffabfällen zwischen 2000 und 2019 mehr als verdoppelt.
Recyclingstation auf dem Genter Jazzfestival in Belgien, Juli 2023: Laut OECD hat sich das weltweite Aufkommen an Kunststoffabfällen zwischen 2000 und 2019 mehr als verdoppelt. | Foto: Imago Images / Belga

Der Earth Overshoot Day – oder zu Deutsch Erdüberlastungstag – wurde 1971 ins Leben gerufen. Er markiert das Datum, an dem die Menschheit alle natürlichen Ressourcen verbraucht hat, die die Erde innerhalb eines Jahres regenerieren kann. Dieses Jahr fiel der Tag auf den 2. August. Das bedeutet: Es würden 1,7 Planeten benötigt, um den Bedarf im Jahr 2023 zu decken.

Lorraine Sereyjol-Garros,
BNP Paribas AM

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage: Wie gehen wir mit der vom Menschen verursachten Umweltzerstörung und immer schnelleren Erschöpfung der natürlichen Ressourcen um? Eine mögliche Lösung ist die Kreislaufwirtschaft nach dem Motto: reduzieren, wiederverwenden, recyceln. Sowohl in China als auch in den USA und der Europäischen Union (EU) gibt es Initiativen seitens der Politik, die den Übergang zu diesem Prinzip unterstützen. Das kann langfristig Wettbewerbsvorteile bringen, da sie die Unternehmen zu Veränderungen ermutigen, bevor die Vorschriften im Rest der Welt verschärft werden.

 

Druck auf die natürlichen Ressourcen nimmt weiter zu

Angesichts des steigenden Lebensstandards in den bislang weniger entwickelten Regionen wird der Druck auf die Ressourcen weiter zunehmen. Wenn wir so weitermachen wie bisher – mit einem linearen Wirtschaftssystem –, werden im Jahr 2050 schätzungsweise fast doppelt so viele Ressourcen benötigt wie heute: 184 Gigatonnen (Gt) im Vergleich zu 100 Gt im Jahr 2019.

Der „Global Material Resources Outlook to 2060“ der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) enthält aber einen Hoffnungsschimmer: Die Autoren gehen davon aus, dass der strukturelle und technologische Wandel das Wachstum des Ressourcenverbrauchs verlangsamen könnte.

Entscheidend sein werden Effizienzsteigerungen. Derzeit werden über 90 Prozent aller Materialien verschwendet. Der Anteil der Sekundärmaterialien, die in den globalen Wirtschaftskreislauf zurückkehren, ist von 9,1 Prozent im Jahr 2018 auf 7,2 Prozent gesunken.

Hier gibt es Raum für Verbesserungen: 

  • In der EU werden weniger als 40 Prozent des Elektroschrotts recycelt.
  • 2017 erreichte der Verpackungsmüll in Europa mit 173 Kilogramm pro Einwohner einen Rekordwert.
  • Laut OECD hat sich das weltweite Aufkommen an Kunststoffabfällen zwischen 2000 und 2019 auf 353 Millionen Tonnen mehr als verdoppelt. Davon werden nur 9 Prozent recycelt.
  • Weniger als 1 Prozent aller Textilien weltweit werden für neue Bekleidung wiederverwendet.
  • Der Bausektor ist für über 35 Prozent des gesamten Abfallaufkommens in der EU verantwortlich.
  • In der EU gehen schätzungsweise 20 Prozent aller produzierten Lebensmittel verloren oder werden verschwendet. 

Produkte möglichst lange nutzen

Das lineare Modell – Nehmen, Herstellen, Verwenden, Entsorgen – muss durch eine Kreislaufwirtschaft ersetzt werden, in der Produkte so lange wie möglich ihren Wert behalten. Abfälle dienen in einem solchen Ökosystem als „Nahrung“ für einen anderen Bereich. Optimierungsansätze sind beispielsweise: 

  • Verwendung von Kreislaufprodukten, das heißt vollständig erneuerbaren Ressourcen.
  • Verlängerung der Produktlebensdauer: Wiederverkauf, Reparatur, Wiederaufbereitung.
  • Produkte als Dienstleistung und Sharing-Plattformen: Das Eigentum an den Produkten verbleibt beim Hersteller oder wird geteilt, um Ineffizienzen zu verringern.
  • Rückgewinnung von Ressourcen bei der Entsorgung von Produkten.

Wie Investoren zur Kreislaufwirtschaft beitragen können

Der Großteil der negativen Auswirkungen der linearen Wirtschaft scheint von einer begrenzten Anzahl von Unternehmen auszugehen: 20 petrochemische Unternehmen sind beispielsweise für 55 Prozent des weltweiten Einwegplastikmülls verantwortlich. Dies macht es für Investoren – und auch für Verbraucher sowie andere Interessengruppen – einfacher, sich mit den Hauptverursachern auseinanderzusetzen.
Circularity Agents – also Unternehmen, die den Übergang zur Kreislaufwirtschaft ermöglichen – wollen ein weltweites Wachstumspotenzial in Höhe von 4,5 Billionen US-Dollar erschließen, das Millionen neuer Arbeitsplätze schaffen könnte. Bereits heute ist fast die Hälfte der 100 größten Unternehmen der Welt bestrebt, dass die von ihnen verwendeten Materialien ständig in Gebrauch bleiben. 

Wir sind der Meinung, dass Finanzinstitute und Vermögensverwalter beim Übergang zur Kreislaufwirtschaft eine wichtige Rolle spielen müssen. Bei BNP Paribas Asset Management bauen wir eine effiziente Stewardship-Politik auf und investieren in das Anlagethema.

Entsprechende Investmentchancen finden sich unter anderem in folgenden Bereichen:

  • Kreislaufwirtschaft: Unternehmen, die Energie aus regenerativen Quellen, biobasierte oder vollständig recycelbare Einsatzstoffe anbieten, um Materialien mit nur einem Lebenszyklus zu ersetzen. Dazu gehören erneuerbare Energien, Biokraftstoffe und Brennstoffzellen.
  • Ressourcenrückgewinnung: Unternehmen, die Ressourcen oder Energie aus entsorgten Produkten oder Nebenprodukten zurückgewinnen. Zu den Sektoren gehören Abfallmanagement und Umweltdienstleistungen. 
  • Verlängerung der Produktlebensdauer: Unternehmen, die den Lebenszyklus von Produkten und Komponenten verlängern. Zu den Sektoren gehören Bekleidung und Textilien, Autos, Chemikalien und Baumaterialien. 
  • Sharing-Plattformen: Unternehmen, die die Nutzungsrate von Produkten erhöhen, indem sie die gemeinsame Verwendung ermöglichen. Zu den Sektoren gehören Technologie, Ride- und House-Sharing. 
  • Produkt als Dienstleistung: Unternehmen, die den Zugang zu einem Produkt anbieten und das Eigentum daran behalten. Zu den Sektoren gehören Cloud-Computing und Leasing-Anbieter.

Der Übergang zur Kreislaufwirtschaft ist ein Schritt in die richtige Richtung, um den Druck auf Ressourcen, Umwelt und Lieferketten zu verringern und gleichzeitig das Wirtschaftswachstum anzukurbeln und Arbeitsplätze zu schaffen. Entsprechende Lösungen können daher auch für Investoren Chancen bieten. 

 

 

 

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Hinweis: Diese News ist eine Mitteilung des Unternehmens und wurde redaktionell nur leicht bearbeitet.