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Claus Born von Franklin Templeton „In Argentinien lernt man: Der Worst Case ist immer möglich“

Claus Born ist Senior Vice President und institutioneller Portfoliomanager für Franklin Templeton Emerging Markets Equity
Claus Born ist Senior Vice President und institutioneller Portfoliomanager für Franklin Templeton Emerging Markets Equity | Foto: DAS INVESTMENT

DAS INVESTMENT: Herr Born, Sie haben mehr als ein Jahrzehnt in Argentinien gelebt und dort für Franklin Templeton gearbeitet. Was hat Sie ursprünglich dorthin verschlagen?

Claus Born: Die klassische Antwort wäre wohl: der Liebe wegen. Und aufgrund eines starken Interesses für Lateinamerika. Ende 1999 habe ich kurzerhand meinen Koffer und Laptop gepackt und bin nach Argentinien geflogen. Es war ein Sprung ins kalte Wasser - ich bin dort auf Jobsuche gegangen und so letztendlich zu Franklin Templeton gekommen.

Das klingt nach einem mutigen Schritt. Wie haben Sie den Einstieg bei Franklin Templeton gefunden?

Born: Es war tatsächlich eine glückliche Fügung. Ich stieß auf eine Stellenanzeige in einer lokalen Zeitung. Im Zuge meines Bewerbungsprozesses traf ich dann auf Mark Mobius, der gerade Analysten suchte. Nach einem Interview hat er mich eingestellt. So begann meine Reise in die Welt der Emerging Markets.

Welche Erfahrungen aus dieser Zeit haben Ihre Arbeit als Portfoliomanager bis heute am stärksten geprägt?

Born: Die Zeit in Argentinien war in vielerlei Hinsicht lehrreich. Danach wusste ich: Der Worst Case ist immer möglich. Man entwickelt ein unglaublich feines Gespür für makroökonomische und politische Einflüsse. Argentinien ist ein extrem volatiler Markt, wo man hautnah miterlebt, was in Schwellenländern alles passieren kann – im Guten wie im Schlechten. Man sieht, wie rasant es auf Länder- und Unternehmensebene nach oben und unten gehen kann.

Würden Sie sagen, dass Sie dadurch anders mit Risiken umgehen als ein Kollege, der Frankfurt nie verlassen hat?

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Born: Definitiv. Man wird extrem aufmerksam für die vielfältigen Risiken, die in diesen Märkten lauern. Das reicht von Währungsrisiken über Länderrisiken bis hin zu Management- und Corporate-Governance-Risiken. All das muss man ständig im Blick haben. In etablierten Märkten wie Deutschland sind viele dieser Faktoren stabiler und vorhersehbarer. In Emerging Markets kann sich das Umfeld quasi über Nacht komplett ändern.

 

Das erfordert sicher eine besondere Mentalität. Welche Eigenschaften braucht man Ihrer Meinung nach, um in Emerging Markets langfristig erfolgreich zu sein?

Born: Flexibilität ist das A und O. Man braucht ein wirklich offenes Mindset und die Fähigkeit, alles immer wieder in Frage zu stellen. Was gestern galt, kann morgen schon völlig überholt sein. Gleichzeitig - und das mag paradox klingen - braucht man einen unerschütterlichen Optimismus. Wenn man sich die Unternehmen anschaut, muss man das Potenzial sehen können, auch wenn die aktuellen Umstände vielleicht nicht optimal sind.

Sie haben in Argentinien Inflationsraten von über 100 Prozent im Jahr erlebt. Fällt es da nicht schwer, optimistisch zu bleiben?

Claus Born (lacht:) Das ist natürlich ein Extrembeispiel und zum Glück eine Ausnahmeerscheinung. Aber Sie haben Recht, solche Erfahrungen prägen einen. Der Trick ist, durch diese Schwierigkeiten hindurchzusehen. Man muss einen wohlwollenden Blick auf die Fähigkeiten des Managements entwickeln, die sich oft in extrem widrigen Umständen behaupten müssen. Und wissen Sie was? Selbst in einem Land wie Argentinien gibt es beeindruckende Erfolgsgeschichten. Nehmen Sie Mercado Libre, das größte E-Commerce-Unternehmen Lateinamerikas. Das wurde 1999 in Argentinien gegründet, mitten in einer wirtschaftlich turbulenten Zeit. Heute ist es ein Gigant, der in ganz Lateinamerika tätig ist. Solche Geschichten zeigen, dass selbst unter schwierigsten Bedingungen Innovation und Wachstum möglich sind.

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