Die USA und Europa liefern sich einen Kampf um die Vorherrschaft in Sachen saubere Technologien. Beide Regionen bringen Initiativen auf den Weg, um neue Branchen wie saubere Energie und Klimatechnologie aufzubauen, die das Potenzial haben, Billionen von US-Dollar an neuen öffentlichen und privaten Investitionen zu mobilisieren.

Ein Ziel ist es, Technologien der nächsten Generation bezahlbarer zu machen und so den nachhaltigen Wandel zu beschleunigen. Doch es gibt auch große wirtschaftliche Herausforderungen. Die globale Clean-Energy-Branche boomt. Sie ist auf dem besten Weg, laut Allied Market Research bis 2030 die Marke von 2 Billionen US-Dollar zu überschreiten.

Um sich einen hinreichend großen Anteil an diesem Markt zu sichern, bauen die USA und Europa jeweils ihre eigenen Lieferketten für Solarmodule, Windkraftanlagen, Elektroautos und effiziente Batterien auf. Aber sie kämpfen nicht nur gegeneinander. Ihr stärkster Konkurrent ist China, das es durch seine jahrzehntelangen großzügigen Subventionen an die Spitze der Umwelttechnologiebranche gebracht hat.

Die USA verstärken zweifelsohne den Druck. Im August 2022 hat die Biden-Regierung den bahnbrechenden Inflation Reduction Act (IRA) durchgebracht, der 370 Milliarden US-Dollar an staatlichen Subventionen für Elektrofahrzeuge und andere saubere Technologien vorsieht und neue Anreize bietet, um Renewables-Unternehmen und Investitionen ins Land zu holen. Mit dem IRA wird ein Gesetz von November 2021 ergänzt, in dem ähnliche Umweltmaßnahmen vorgesehen waren.

Als Reaktion auf diesen Vorstoß entwickelt die Europäische Union ihrerseits einen Plan, in dessen Rahmen ebenfalls Hunderte Milliarden Euro in die einheimischen CO2-armen Branchen gepumpt werden sollen, um den Anteil des verarbeitenden Gewerbes zu erhöhen und ein interessantes Umfeld für Investitionen zu bieten.

 

Staatliche Intervention, wie Subventionen, kann den Wettbewerb behindern und zu Marktverzerrungen führen. Gezielte Anreize im Rahmen einer strategischen Industriepolitik – wie das Erreichen der Netto-Null – könnten jedoch dazu beitragen, Produktionsstätten zu verbessern, Kosten zu senken und Skaleneffekte zu erzielen. Allein durch den Inflation Reduction Act (IRA) sollen Umweltanreize geschaffen werden, die in den kommenden zehn Jahren mindestens 4 Billionen US-Dollar an kumulierten Investitionen in grüne Energieinfrastruktur bewirken, wie erneuerbare Energien, Übertragungs- und Verteilungsnetze, Batterien, Wasserstoff und Energieeffizienz. Eine europäische Version des IRA hat das Potenzial, ähnliche Beträge an neuen Investitionen zu mobilisieren, wie das Goldman Sachs Global Investment Research kalkuliert.

Dreifacher Klima-Segen

Für Michael Gerrard, Professor am Sabin Center for Climate Change an der Columbia Law School, sind die US-Maßnahmen geradezu revolutionär, sowohl für den CO2-Fußabdruck als auch für die Wirtschaft des Landes. „Die Vereinigten Staaten begeben sich auf den Weg zu einem noch nie dagewesenen Wandel im Bereich der erneuerbaren Energien“, sagt er. „Diese Bemühungen dürften erhebliche Vorteile bringen.“

Nehmen wir als Beispiel die Emissionen. Allein durch den IRA dürften die US-Treibhausgasemissionen im Vergleich zu 2005 um rund 40 Prozent sinken, was das Land dem Pariser Ziel ein großes Stück näherbringt. Es wird auch prognostiziert, dass die Luftverschmutzung und vorzeitige Todesfälle reduziert und die durchschnittlichen Energiekosten der privaten Haushalte gesenkt werden.

Die positive Wirkung auf die Wirtschaft kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Durch die geringere Luftverschmutzung dürfte es in den zehn Jahren ab 2023 voraussichtlich über 35.000 weniger vorzeitige Todesfälle geben. Auch die Ernteerträge der US-Erzeuger dürften in einer Größenordnung von 4 Milliarden US-Dollar steigen und das BIP dürfte in den kommenden acht Jahren um etwa 0,86 Prozentpunkte wachsen.

Der IRA kommt zu einem kritischen Zeitpunkt für die Renewables-Branche in den USA: Der Ausbau der inländischen sauberen Stromerzeugung stagniert, da Steuergutschriften – die das Wachstum bei Wind- und Solarenergie in den letzten zehn Jahren angekurbelt hatten – allmählich auslaufen.

Das Gesetz sieht eine Verlängerung der steuerlichen Anreize um zehn Jahre vor. Gerrard sagt, dass die neue grüne Gesetzgebung US-Herstellern von Solar-, Wind-, Batterie- und Elektrofahrzeugkomponenten und -baugruppen sowie der Verarbeitung kritischer Mineralien langfristig einen starken Schub geben wird. Gleichzeitig dürften sich dadurch neue Möglichkeiten bei aufkommenden sauberen Technologien wie Wasserstoff, Kohlenstoffabscheidung und Geothermie ergeben.