ZEW-Präsident Clemens Fuest

ZEW-Präsident Clemens Fuest

Clemens Fuest

„QE ist letzte Option im Instrumentarium der EZB“

Eine quantitative Lockerung sollte eine Reaktion sein, wenn es eine echte Deflationsgefahr, eine deflationäre Spirale, gebe, sagt ZEW-Präsident Clemens Fuest. Es sollte nicht als Instrument konzipiert werden, um die Risiken von Investoren in Staatsanleihen zu verringern.

EZB-Präsident Mario Draghi hat in diesem Monat ein Maßnahmenpaket zur Ankurbelung der Inflation verkündet, die nur etwa ein Viertel des Ziels der Notenbank beträgt. Das Paket enthält unter anderem einen negativen Einlagensatz sowie langfristige Kredite an Banken mit der Auflage, dass sie das Geld an Unternehmen und private Haushalte ausleihen.

Die Geldpolitik erreiche ihre Grenzen, erklärte Fuest und fügte hinzu, dass QE die letzte Option im Instrumentarium der EZB sei.

Die Inflation in den 18 Ländern der Währungsunion hat sich im Mai auf durchschnittlich 0,5 Prozent abgeschwächt, während das EZB-Ziel knapp 2 Prozent beträgt. Draghi sagte am 5. Juni, dass dieses “Ergebnis niedriger als erwartet war”. Zwar sieht die EZB derzeit keine Negativ-Spirale, bei der die Preise sinken und die privaten Haushalte ihre Konsumausgaben vertagen. Die Währungshüter würden aber gegebenenfalls handeln, um ein derartiges Risiko anzugehen, sagte der EZB-Chef.

Vorläufige Verbraucherpreisdaten für diesen Monat werden am 30. Juni vom EU-Statistikamt in Luxemburg veröffentlicht.

Fuest schätzt das Deflationsrisiko im Euroraum nicht als besonders hoch ein. Die niedrige Inflation sei auf den Anpassungsprozess in den Peripherieländern zurückzuführen, der absolut notwendig sei, erläuterte der ZEW-Präsident.

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