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Vereinsamter Hund am menschenleeren Hauptbahnhof in Indien: In der Covid-19-Pandemie nutzen Menschen häufiger ihr Auto, statt U-Bahnen, Busse und Züge. Mit einem ESG-Ansatz können Anleger zumindest die CO2-Fußabdrücke ihrer Portfolios verringern. | © imago images / ZUMA Wire Foto: imago images / ZUMA Wire

CO2-Ausstoß in der Pandemie

Robeco-Experten rechnen mit steigender Öl-Nachfrage

Der spektakuläre Einbruch des Ölpreises ist vor allem das Ergebnis eines starken Rückgangs des Energiebedarfs im Zuge der Ausgangsbeschränkungen, die in zahlreichen Ländern erlassen wurden. Der entscheidende Moment war der Rollover-Termin des Mai-Futureskontrakts für Öl der Qualität WTI (West Texas Intermediate) am 19. April, als die Lagerungskosten aufgrund nahender Kapazitätsgrenzen stark angestiegen waren. Zu einem bestimmten Zeitpunkt waren die Händler bereit, bis zu 37 US-Dollar pro Barrel an Abnehmer von Öl zu zahlen.

Nach diesen heftigen Turbulenzen stellte sich ein neues Gleichgewicht ein. Die Nachfrage wird sich jedoch nur allmählich erholen, auch wenn die wegen des Coronavirus erlassenen Vorschriften zum Abstandhalten in der zweiten Hälfte des Jahres 2020 teilweise aufgehoben werden. Die Aussichten für Fluggesellschaften haben sich eingetrübt. Die Frage ist: Sind Menschen noch bereit, sich so oft wie bisher in volle Flugzeuge zu setzen, nachdem sich digitale Kommunikationskanäle als ebenso effektiv erwiesen haben.

Starker Rückgang der Treibhausgasemissionen

Auf den ersten Blick lässt dies auf verringerte CO2-Emissionen hoffen, durch die die globale Erwärmung bekämpft und auch die Luftverschmutzung begrenzt werden soll. Die gesunkene Reiseintensität wird in diesem Jahr zu einer beträchtlichen Abnahme der Treibhausgasemissionen führen. Die Internationale Energieagentur rechnet mit einem beispiellosen Rückgang von 8 Prozent. Allerdings halten wir das tatsächliche Ausmaß und die Dauer des Rückgangs für fraglich. Entscheidend ist der Verlauf der Konjunkturerholung in den USA und in China, auf die 20 Prozent beziehungsweise 14 Prozent des globalen Ölverbrauchs entfallen. Der Kreditimpuls in China – ein Frühindikator sowohl für das chinesische als auch das US-amerikanische Wirtschaftswachstum – verliert weiter an Dynamik. Das deutet darauf hin, dass die globale Ölnachfrage wahrscheinlich nicht halb so stark steigen wird, wie dies während des globalen zyklischen Aufschwungs im Jahr 2017 der Fall war.

Solange die chinesische Regierung im Hinblick auf Konjunkturanreize nicht nach dem Motto „Was auch immer es kostet“ verfährt und die derzeitigen Ausgangsbeschränkungen für vier Milliarden Konsumenten weltweit nur schrittweise aufgehoben werden, ist mit keiner starken Erholung der Ölnachfrage zu rechnen. Das wirft die Frage auf, ob sich die Treibhausgasemissionen ebenfalls günstiger als erwartet entwickeln könnten.

Abbildung 1: Der negative Ölpreis war zwar beispiellos, ließ den Aktienmarkt aber unberührt.

Am Ölmarkt liegt das Schlimmste hinter uns

Leider ist das nicht der Fall. Es besteht Grund zu der Annahme, dass am Ölmarkt das Schlimmste bereits hinter uns liegt und dass die Situation sich im Zeitverlauf weiter aufhellt. Das niedrige Preisniveau wird die Nachfrage verstärken. In der Vergangenheit ist ein niedriger Ölpreis der Konjunkturerholung vorausgegangen, da energieintensive Branchen die Situation nutzen. Jedoch ist die zeitliche Verzögerung mit durchschnittlich 18 Monaten recht lang.

Hinzu kommt, dass die Nachfrage auch durch die Verbraucher gestützt werden könnte, die – solange die Covid-19-Pandemie anhält – statt U-Bahnen, Bussen und Zügen nun häufiger das Auto bevorzugen. Die letztlich zu erwartende Erholung der Öl-Nachfrage bedeutet, dass auch die CO2-Emissionen wieder steigen werden, wie es nach der globalen Finanzkrise der Fall war.

Damit bleibt die Dekarbonisierung eine Herausforderung, da die CO2-Neutralität bis zum Jahr 2050 noch in weiter Ferne liegt. Wir sind wahrscheinlich noch unterhalb der ehrgeizigen Ziele des Pariser Abkommens zur Begrenzung der globalen Erwärmung auf maximal 2 Grad Celsius und idealerweise 1,5 Grad Celsius oberhalb vorindustrieller Niveaus. Diese beiden Ziele erfordern bis 2050 jährliche Rückgänge der Treibhausgasemissionen um 3,4 beziehungsweise 6,4 Prozent. Dem stehen Veränderungsraten von null beziehungsweise 1 Prozent unter den jetzigen Gegebenheiten gegenüber.

Chancen für ESG-Investments

Die Aspekte Umwelt, Soziales und Governance (ESG) bei der Geldanlage zu berücksichtigen, bringt nach wie vor Vorteile. Die aktuelle Krise ermöglicht einen günstigeren Entwicklungspfad für die Ziele des Pariser Abkommens, da sie die Fortsetzung einer „grünen Politik“ weiter unterstützt.

Erstens können Investitionen in Nachhaltigkeitsthemen (rohstoffbezogen), wie wir sie in vielen unserer Portfolios vornehmen, als wirtschaftlicher Multiplikator dienen. Die Regierungen werden im Rahmen von Konjunkturmaßnahmen stärkere fiskalpolitische Anreize zur Beschleunigung von Investitionen in umweltfreundliche Energiequellen setzen. Beispielsweise soll laut dem European Recovery Plan die „Grüne Transformation“ eine zentrale Rolle bei der Neuausrichtung und Modernisierung der Wirtschaft spielen. Zweitens sind niedrige Ölpreise nicht zwangsläufig schlecht für Unternehmen aus dem Bereich Erneuerbare Energien. So waren die meisten erneuerbaren Energietechnologien, beispielsweise Solarstrom, bereits von weit günstigeren wirtschaftlichen Bedingungen als fossile Kraftstoffe geprägt. Drittens haben ESG-Fonds in letzter Zeit hohe Mittelzuflüsse verzeichnet, da immer mehr darauf hindeutet, dass sich durch eine ESG-Ausrichtung die Risiken in Anlageportfolios reduzieren lassen.

Nachhaltige Anlagen scheinen Abschwung besser zu verkraften

Welche Implikationen hat dies nun für Portfolios, die mit dem zweischneidigen Schwert eines niedrigen Ölpreises konfrontiert sind, der sowohl die zur Renditeerzielung wichtige Konjunkturerholung befeuert als auch die damit verbundenen Treibhausgasemissionen steigen lässt?

Da die Dekarbonisierung so herausfordernd wie bisher bleibt, werden wir in allen unseren Aktien-, Anleihen- und Multi-Asset-Portfolios unsere Umwelt- und CO2-Fußabdrücke weiter verringern. Auf Basis der von RobecoSAM aggregierten Nachhaltigkeitsdaten können wir den Umwelt-Fußabdruck – das meint Treibhausgasemissionen, Energieverbrauch, Wasserverbrauch und Abfallerzeugung – unserer Investments und der Benchmarks genau messen. Nachhaltige Anlagen scheinen den durch die Covid-19-Krise ausgelösten Abschwung besser als der Gesamtmarkt verkraftet zu haben. Das spiegelt sich auch in der Wertentwicklung vieler unserer nachhaltig ausgerichteten Strategien während der Krise wider.

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