Marktstratege von Cohen & Steers „Die Mehrheit unserer Kunden erwartet in den USA eine leichte Rezession“
Als die BIP-Zahlen für das zweite Quartal veröffentlicht wurden, bestätigten sie, was wir schon seit einiger Zeit wissen. Das Wirtschaftswachstum verlangsamt sich. Viele Marktteilnehmer fragen sich nun, ob wir uns in einer Rezession befinden oder nicht, aber das ist nicht unser Hauptaugenmerk.
Zuletzt haben sich auch die Verbraucher- und Unternehmensausgaben verlangsamt. Auch die Realeinkommen sinken, da die Wirkung der pandemiebedingten Konjunkturmaßnahmen nachlässt. Wir glauben, dass wir an einem Wendepunkt angekommen sind. Die Märkte gingen schnell von der Frage, ob und wie die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) reagieren würde, um die Inflation einzudämmen, zu der Frage über, ob die Wirtschaft die Reaktion der Fed verkraften kann.
In unserem Basisszenario treten wir in eine Rezession ein, die gemessen an früheren Rezessionsphasen als durchschnittlich zu betrachten ist. Eine „durchschnittliche“ Rezession würde einen geringen Rückgang – einen Rückgang des realen BIP um etwa 2 bis 3 Prozent – für etwa zwölf Monate bedeuten. Es handelt sich jedoch nur um ein Basisszenario.
Laut einer kürzlich von uns durchgeführten Umfrage gehen unsere Kunden von einer leichten Rezession aus. 89 Prozent der Umfrageteilnehmer glauben, dass die USA in eine Rezession eintreten werden. Davon erwarten 68 Prozent eine leichte Rezession und 21 Prozent eine durchschnittliche Rezession. Keiner der Teilnehmer gab an, das Gefühl zu haben, die Rezession sei schwerwiegend.
Wir glauben dass die Wirtschaft weich landen kann, wenn sich die globalen Lieferketten erholen, die Rohstoffpreise nachgeben, sich das Lohnwachstum abschwächt und die Erwerbsbeteiligung steigt. Andererseits werden die Zentralbanken, wenn die hohe Inflation bestehen bleibt – und vor allem, wenn eine Lohn-Preis-Spirale einsetzt – die Märkte durch eine Dämpfung der Nachfrage (mittels höherer Zinsen) wahrscheinlich zu einer härteren Landung zwingen.
Die Volatilität dürfte auch in den kommenden Monaten hoch bleiben, da die Märkte nicht erkennen können, ob wir eine harte oder weiche Landung erleben werden. Im Allgemeinen konzentrieren sich unsere Portfoliomanager darauf, sich defensiv zu positionieren und die Chancen zu nutzen, die durch die Verwerfungen und die jüngsten Rückschläge in vielen Anlageklassen entstanden sind.
Wir gehen davon aus, dass hohe Rohstoffpreise, angespannte Arbeitsmärkte, hohe Wohnkosten und Engpässe bei Waren und Materialien in den Industriesektoren die Inflation in den kommenden Monaten auf einem hohen Niveau halten werden. Es scheint jedoch, dass die Inflation ihren Höhepunkt auf sehr hohem Niveau bereits erreicht hat. Der Verbraucherpreisindex für Juli wird von den Märkten als günstig angesehen, obwohl wir es für beachtenswert halten, dass die Inflation in ihrer Breite tatsächlich immer noch steigt. Die Maßnahmen der Fed, die Teil der schnellsten globalen zentralbankpolitischen Wende aller Zeiten sind, scheinen die beabsichtigte Wirkung zu zeigen, auch wenn es unserer Meinung nach für die Fed noch zu früh ist, einen Sieg zu erklären.

