Marktstratege von Cohen & Steers „Die Mehrheit unserer Kunden erwartet in den USA eine leichte Rezession“
In Zeiten, in denen das Wachstum geringer und die Inflation höher als erwartet ausfällt, schneiden Sachwerte in der Regel besser ab als Aktien und Anleihen, was sich sowohl in der Vergangenheit als auch in der ersten Hälfte dieses Jahres gezeigt hat. Mit Anhalten der inflationsfördernden Kräfte – hohe Rohstoffpreise, angespannte Arbeitsmärkte, hohe Wohnkosten – steigen die Chancen, in einem günstigen System zu bleiben. Portfoliomanager müssen sich folgende Fragen stellen: Wie stark ist das Szenario einer harten Landung in den Märkten eingepreist? Und wie sollte dies angesichts des Makroumfelds und der Bewertungen, von denen viele erheblich gesunken sind, in die Positionierung einfließen?
Hier unser Ausblick:
Sachwerte
Sachwert-Anlageklassen bieten Diversifikationsvorteile zu einem Zeitpunkt, an dem Absicherung an Bedeutung gewinnt. Aktien und Anleihen haben in der Vergangenheit in Zeiten niedriger Inflation die höchsten Renditen erzielt und könnten in einer prekären Position sein, wenn die hohen Inflationsraten fortbestehen. Hingegen haben sich Sachwert-Anlageklassen historisch in Inflationsperioden in unterschiedlichem Ausmaß überdurchschnittlich entwickelt. Bei Rohstoffaktien bleiben wir übergewichtet, da alle Sektoren in diesem Bereich unseres Erachtens für das aktuelle globale Umfeld gut aufgestellt sind. In börsennotierten globalen Infrastrukturwerten sind wir aufgrund der attraktiven Fundamentaldaten und der relativen Bewertung der Anlageklasse übergewichtet. Aufgrund des Risikos, dass die Preise von den aktuellen Niveaus zurückgehen, haben wir Rohstoffe taktisch untergewichtet. Aufgrund von Sorgen über steigende Zinssätze bleiben wir in Immobilienaktien untergewichtet. Wir sind in der Gold aufgrund einer weniger interessanten relativen Bewertung und der Erwartung eines weiterhin starken US-Dollars untergewichtet.
Infrastruktur
Wir behalten ein ausgewogenes Portfolio bei, das aufgrund der erhöhten Inflation, der geldpolitischen Straffung der Zentralbanken und der Möglichkeit eines langsameren Wachstums etwas defensiver positioniert ist. Wir suchen aktiv nach Gelegenheiten von qualitativ höherwertigen Unternehmen, die in einem schwächeren wirtschaftlichen Umfeld über ein besseres Wachstumspotenzial verfügen. Bei den defensiveren Allokationen des Portfolios behalten wir die Übergewichtung von Kommunikationsinfrastruktur und Abfallmanagement und die Untergewichtung von Versorgungsunternehmen bei.
US-Immobilien
Immobilien haben das Potenzial, die Auswirkungen der Inflation zu mindern. Während sich das Wachstum verlangsamt und die Wahrscheinlichkeit einer Rezession zugenommen hat, bleibt der Arbeitsmarkt gesund. Den Verbrauchern geht es im Allgemeinen gut, auch wenn ihr Sparpolster schrumpft, da sie mehr für Waren und Dienstleistungen bezahlen. Die Fundamentaldaten sind in der Regel nach wie vor solide, aber ein langsameres Wachstum und eine höhere Inflation trüben die Aussichten für Immobilien, insbesondere für Sektoren, denen es an Preissetzungsmacht fehlt. Wir haben unsere Erwartungen bezüglich der Erträge und der Nettoinventarwerte entsprechend gesenkt, gehen jedoch weiterhin von einem gesunden Gewinnwachstum in diesem und im nächsten Jahr aus. Darüber hinaus sind traditionelle Anlagekategorien möglicherweise weniger in der Lage, sich gegen ein länger anhaltendes Umfeld höherer Inflation zu wehren als Immobilienunternehmen, die in der Regel hohe Betriebsmargen, eine geringe Sensitivität gegenüber Rohstoffpreisen und Lohnkosten und (in vielen Fällen) inflationsgebundene Mieten aufweisen.
Preferred Securities
Der Markt hat in diesem Jahr eine erhebliche Neubewertung vorgenommen, und wir sind der Ansicht, dass die Bewertungen von Preferred Securities im Vergleich zu anderen festverzinslichen Anlagen interessant erscheinen. Angesichts von Gesamtrenditen, die weit über den jüngsten historischen Durchschnittswerten liegen, glauben wir, dass langfristig ausgerichtete Anleger hiervon profitieren werden. Die allgemeine Qualität des Markts für Preferred Securities könnte unserer Meinung nach dazu beitragen, dass er sich besser entwickelt als hochverzinsliche Wertpapiere. Neben der allgemeinen Bilanzstärke profitieren Banken und Versicherungsunternehmen, die größten Emittenten von Preferred Securities, typischerweise von steigenden Gewinnen, wenn die kurzfristigen Zinsen steigen. Wir glauben, dass ihre höheren Erträge und das allgemein moderatere Durationsrisiko dazu beitragen könnten, dass Preferred Securities im Laufe der Zeit besser abschneiden als Investment-Grade-Unternehmensanleihen. Schließlich können Preferred Securities aufgrund der qualifizierten (mit einem maximalen US-Bundessteuersatz von 20 Prozent besteuerten) Dividendenerträge, die viele von ihnen ausschütten, gute Renditen nach Steuern liefern, was sie im Vergleich zu Kommunalobligationen attraktiv machen kann.
Über den Autor: John Muth arbeitet als Marktstratege bei der Investmentgesellschaft Cohen & Steers.

