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Colexon-Chef Thorsten Preugschas

Colexon-Chef Thorsten Preugschas

Colexon-Chef: „Ist es uns wert, eine radioaktive Strahlenbelastung für die nächsten 130.000 Generationen zu hinterlassen?“

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DAS INVESTMENT.com: Herr Preugschas, macht Solarenergie Strom teuer?

Thorsten Preugschas: Klar, Solarenergie macht den Strom erst einmal um ein paar Cent teurer. Er macht ihn aber nicht unbezahlbar. Vergessen wird bei dieser Diskussion immer gerne die Frage, was in 15 bis 20 Jahren ist, wenn die Anlagen, die vor fünf Jahren bis heute gebaut wurden aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz rauslaufen und abgeschrieben sind.

DAS INVESTMENT.com: Was ist dann?

Preugschas:
Dann produzieren sie Strom für 2,5 Cent pro Kilowattstunde. Das ist weniger als Atomstrom kostet. Und: Wenn wir Atomkraftwerke die nächsten 15 bis 20 Jahre laufen lassen, produzieren wir strahlenden Müll für die nächsten 4 Millionen Jahre, den niemand haben will. Ist es unserer Gesellschaft wert, für die Atomstromgewinnung von gerade einmal vier bis fünf Generationen eine radioaktive Strahlenbelastung für die nächsten 130.000 Generationen zu hinterlassen? Die ganze Diskussion wird viel zu kurzsichtig geführt.



Blick aus dem Büro von Colexon-Chef Preugschas im Hamburger Hafen. Als ob er sie gerufen hätte, fährt während des Interviews die Anti-Atom-Flotte vorbei. Preugschas macht natürlich sofort ein Foto.

DAS INVESTMENT.com:
Apropos Müll: Solarworld-Chef Frank Asbeck warnte vor Kurzem vor giftigem Cadmium-Tellurid, das in Dünnschichtmodulen verwendet wird. Auch Colexon verbaut Dünnschichtmodule. Brauchen wir irgendwann Endlager für Solarmodule?

Preugschas: Nein, auf keinen Fall. Das ist eine stark vereinfachte Betrachtungsweise von Herrn Asbeck, der auf diese Art und Weise versucht gegen unliebsame Konkurrenz vorzugehen.

DAS INVESTMENT.com: Wie giftig sind Module?

Preugschas: Wir müssen zwischen den verschiedenen Bestandteilen und ihrem Vorkommen differenzieren. Die Rohstoffe Cadmium und Tellur kommen in Photovoltaikmodulen so gar nicht vor. Richtig ist, dass die Verbindung der beiden Stoffe, Cadmium-Tellurid, Bestandteil einiger Dünnschichtmodule ist. Selbst bei einem Brand würden keine Gefahrstoffe austreten, da der Schmelzpunkt von Cadmium-Tellurid weit über 1000 Grad liegt, während reines Cadmium schon bei 321 Grad ausfällen würde. Ich sehe also keine Vergiftungsgefahr für Mensch und Tier durch Cadmium-Tellurid-Solarmodule.  

DAS INVESTMENT.com: Und was ist mit dem Recycling?

Preugschas: Bis jetzt nimmt nur der Hauptanbieter von Dünnschichtmodulen, First Solar, seine Module kostenlos zurück und recycelt sie. Dieser Ansatz ist nicht nur ökologisch notwendig, sondern ist gleichzeitig wirtschaftlich attraktiv. Ich bin mir daher sicher, dass immer mehr Unternehmen diesen Service anbieten werden, je knapper die Substanzen werden. Denn umso mehr lohnt es sich, sie zu recyceln.

DAS INVESTMENT.com: Nur ein Prozent des Stromverbauchs in Deutschland wird von Solarenergie gedeckt. Windkraft hatte 2009 immerhin einen Anteil von 7 Prozent. Wird der Anteil wachsen, obwohl Solarenergie jetzt deutlich weniger gefördert wird? Hinzu kommt ja noch die Verlängerung der Laufzeiten für Atomkraftwerke. Eine klare Absage an die Erneuerbaren Energien.

Preugschas: Die Einspeisevergütung wurde zu schnell gesenkt. Projekte werden ein bis 1,5 Jahre im Voraus geplant. Das hat die ganze Industrie vor eine große Herausforderung gestellt und der Entwicklung der Solarenergie geschadet. Über die Verlängerung der Laufzeiten für Atomkraftwerke mache ich mir dagegen keine Sorgen. Ich bin mir sicher, dass das in der nächsten Legislaturperiode wieder zurückgedreht wird.

DAS INVESTMENT.com: Lohnt es sich zu investieren?

Preugschas: Ja, es lohnt sich, aber für Projekte in Deutschland wird es deutlich schwieriger. Ausländische Standorte werden gegenüber dem Investitionsstandort Deutschland weiter stark an Bedeutung gewinnen.

DAS INVESTMENT.com: Ende 2009 stand der Aktienkurs von Colexon noch bei über 4 Euro, jetzt sind es nur noch 2,15 Euro. An der Börse zeigt sich ein anderes Bild.

Preugschas:
Solar-Firmen haben es an der Börse einfach schwer. Zu diesem Ergebnis ist erst vor Kurzem eine Studie von Phönix Solar und Pricewaterhouse Coopers gekommen. Die Orientierung an Quartalszahlen ist zu kurzfristig und aufgrund der saisonalen Schwankungen in unserem Geschäft einfach nicht aussagekräftig. Solaranlagen bauen und betreiben ist aber ein langfristig profitables Geschäft.  

DAS INVESTMENT.com: Nehmen Sie Colexon wieder von der Börse?

Preugschas: Nein, diese Frage stellt sich für uns nicht. Die Börsennotierung ist gewollt und bleibt.

DAS INVESTMENT.com: Was tun Sie, damit sich Colexon nicht bald in den Pleite-Reigen von Conergy & Co. einreiht?

Preugschas: Diese Gefahr besteht für eine Colexon nicht. Außerdem stellen wir uns breiter auf, speziell im Bereich des Anlagenbetriebes. In zwei Jahren wollen wir einen dreistelligen Megawattbestand selbst betreiben. Das ist deutlich mehr wie jetzt. Damit können wir dann unsere Kosten decken und sind unabhängig vom kurzfristigen Marktgeschehen. Denkbar wäre sogar auch, dass wir gar nicht mehr für andere bauen, sondern die Wertschöpfung komplett selbst ausschöpfen.

DAS INVESTMENT.com: Die Solar-Firma der Zukunft baut und betreibt nur noch für sich selbst?

Preugschas: Ja, das wäre denkbar. Wir können uns auch vorstellen, Effizienzprüfungen bei bestehen Solarparks zu machen, die wir nicht selbst gebaut haben. Einige Solarkraftwerke wurden in der Vergangenheit einfach nicht effizient gebaut. Vor allem bei der Verschaltung von Modulen durch unerfahrene Unternehmen in der Vergangenheit gibt es noch erhebliches Optimierungspotenzial. Dadurch würden die Parks nach erfolgter Optimierung mehr Energie erzeugen.

DAS INVESTMENT.com: Insgesamt dürfte das aber nur für die wenigsten Solar-Firmen eine Option sein.

Preugschas: Der Markt wird sich in den kommenden zwei Jahren konsolidieren, keine Frage. Dies gilt in erster Linie für die Modulhersteller auf die bereits im ersten Quartal 2011 ein starker Preisdruck zukommen wird.


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