Columbia-Threadneedle-Aktienexperte Philip Dicken Das politische Risiko in Europa ist zurück

Flaggen der Europäischen Union: An politischen Problemen herrscht zurzeit kein Mangel.   | © Getty Images

Flaggen der Europäischen Union: An politischen Problemen herrscht zurzeit kein Mangel. Foto: Getty Images

Zwei Dinge sind in Europa zu beobachten: Erstens ist das politische Risiko wieder zum Vorschein gekommen. Es war zwar nie ganz verschwunden, aber die Innenpolitik hatte 2017 keine destabilisierende Wirkung. Die Wahlergebnisse erwiesen sich in Frankreich, Deutschland und selbst in Großbritannien als marktfreundlich. Dieses Jahr sieht es angesichts der Entwicklung in Italien allerdings anders aus. Ja, es hat eine Regierungsbildung gegeben. Das ist gut, jedoch ist nicht ganz klar, was nun kommt. Die daraus hervorgehende Koalition hat dem Markt einen Schreck eingejagt, scheint aber keine nachhaltigen Probleme geschaffen zu haben.

Zweitens: Was die Wertentwicklung angeht, sieht das Ertragswachstum für das Jahr mit über 10 % angemessen aus, doch die Anlageperformance war von Sektor zu Sektor unterschiedlich. So entwickelten sich Banken zum Beispiel unterdurchschnittlich, während der Technologiesektor besonders gut abschnitt. Unsere Renditen haben den Index übertroffen, doch die Spitzenreiter kamen aus unerwarteten Bereichen.

Wir wussten, dass Italien ein Risiko war, aber wir haben nicht mit einem Bündnis von Lega und Fünf Sterne gerechnet. Es hat jedoch nicht zu allzu vielen Marktturbulenzen geführt. In Italien Veränderungen durchzusetzen, war immer schon schwierig, egal, wer dabei federführend ist, und in Anbetracht der Tatsache, dass die beiden Regierungsparteien aus gegensätzlichen Lagern kommen (Linke aus dem Süden, Rechte aus dem Norden), wird sich das auch in absehbarer Zeit nicht ändern. Vielleicht wird sich diese sonderbare Koalition der Gegensätze als machtlos erweisen?

Selbst die unerschütterliche Angela Merkel hatte Probleme mit der deutschen Koalition. Kaum dass sie gebildet war, geriet sie bereits wegen der Einwanderung unter Druck.

Die Handelskriegsdrohungen waren schlimmer als erwartet. Die Überraschung ist nun vielleicht, dass sie wahr gemacht werden. Auseinandersetzungen und harte Verhandlungen waren stets ein Risiko, aber die meisten dachten, dass Präsident Trump nur mit den Säbeln rasselt. Jetzt werden wir jedoch wirklich mit der Einführung von Zöllen konfrontiert.